Parchim : Neue Spielstätte fürs Theater

Die alte Eldemühle soll das neue Domizil des Parchimer Theaters werden.
Die alte Eldemühle soll das neue Domizil des Parchimer Theaters werden.

Kaufvertrag für Haus in Parchim kurz vor Abschluss / Land und Kreis investieren acht Millionen Euro

von
18. September 2015, 21:00 Uhr

Welch ein Wirbel zum Auftakt der neuen Theater-Spielzeit am Mecklenburgischen Landestheater in Parchim: Eine Passage im gedruckten Bericht des Landrats für die Kreistagsmitglieder für die Sitzung am Mittwochabend stellt den Produktionsstandort Parchim infrage, spricht nur noch von Spielstätte. Für den Landkreis dementierte der Beigeordnete Andreas Neumann gestern auf Nachfrage umgehend: „Ein produzierendes Kinder- und Jugendtheater bleibt in Parchim.“

Fast untergegangen wäre in der Aufregung die gute Nachricht: Noch im September wird der Kaufvertrag für den neuen Theaterstandort Elde-Mühle in Parchim beim Notar beurkundet. Das alte Theater in der Innenstadt war bereits im Januar 2014 wegen Baufälligkeit gesperrt worden. Seither tourt das Ensemble durch das Land.

Zumindest scheint der Satz im Landrats-Bericht unglücklich formuliert: „Eine eigene Betriebsstätte mit einem eigenständigen Betriebsleiter wird es in Parchim zukünftig nicht geben.“ So rigoros passt er auch nicht zum bisherigen Verhandlungsstand zur Fusion mit dem Mecklenburgischen Staatstheater und damit einer Neugründung eines mecklenburgischen Theaters. „Es ist doch klar“, sagt der Vertreter des Landrats Andreas Neumann, „dass Parchim und Schwerin ihre bisherige juristische Eigenständigkeit aufgeben, wenn beide zusammengehen.“

Der designierte Schweriner Generalintendant Lars Tietje hatte schon im Mai in unserer Zeitung von einer eigenständigen und für Schwerin neuen Sparte Kinder- und Jugendtheater, erweitert durch das Puppentheater, gesprochen. „Das Einzige, was sich verändern wird, ist die Fusion mit dem Landestheater Parchim. Das ist eine Erweiterung für das Staatstheater um eine weitere Spielstätte, aber auch eine Herausforderung“, sagte Tietje damals. Klartext schon damals: Der jetzige Intendant Thomas Ott-Albrecht wird dann Spielstättenleiter.

„Es ist das, was wir seit Beginn der Reform gesagt haben“, betonte gestern auch Kultusstaatssekretär Sebastian Schröder (SPD), „wir wollen ein Theater mit zwei Standorten“. So steht es in der Zielvereinbarung zwischen dem Ministerium, den Städten Schwerin und Parchim sowie dem Landkreis.

Auch die Kreistagsfraktionen zeigten sich gestern irritiert. Linken-Fraktionschef Wolfgang Bohnstedt verwies auf einen einstimmigen Kreistagsbeschluss aus dem Jahr 2014: „Für uns war immer ohne Wenn und Aber klar, dass Parchim Theater-Produktionsstandort bleibt.“

Thomas Ott-Albrecht, Intendant des Mecklenburgischen Landestheaters, sieht die Diskussion unaufgeregt: „Vor dem Hintergrund der aktuellen Verhandlungsergebnisse halte ich es für wichtig, rational und konstruktiv zu agieren. Dabei stehen meinerseits sowohl die Mitarbeiterinteressen als auch die künstlerische Zukunft des produzierenden Standortes Parchim im Mittelpunkt. Klares Ziel ist es, eine signifikante Aufwertung des Theaterstandortes mit dem Einzug in die Eldemühle und der Ansiedelung zusätzlicher Sparten zu verbinden.“

Kreis, Stadt und Land wollen für die neue Spielstätte rund acht Millionen Euro in den Umbau der Elde-Mühle zum neuen Theaterstandort investieren, der neben der Kinder- und Jugendsparte auch die Fritz-Reuter-Bühne beherbergen soll. Am ursprünglichen Standort wären die Sanierungskosten ohne großen Raumgewinn aus dem Ruder gelaufen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen