Natürlich sind sie alle da

Dr. Watson (Klaus Bieligk), Sherlock Holmes (Antje Binder), Kasper und reichlich gemeuchelte GänseSilke Winkler
Dr. Watson (Klaus Bieligk), Sherlock Holmes (Antje Binder), Kasper und reichlich gemeuchelte GänseSilke Winkler

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25. September 2012, 11:41 Uhr

Schwerin | "Sherlock Holmes ist umgekippt", musste sich Klaus Bieligk von einem Steppke in der ersten Reihe ermahnen lassen, als er gerade zur Einleitung in das Puppenspiel "Frau Antje und Herr Klaus spielen: Sherlock Holmes und Dr. Watson" die Figurenkonstellation - Holmes, Watson, Erzschurke Moriaty und so weiter - mit Gummibärchen auf dem Tisch arrangiert hatte. Aber es ist sowieso zu kompliziert zu erzählen - also "spielen wir es lieber".

Inszenierungen auch für Erwachsene - das ist an der Puppenbühne des Mecklenburgischen Staatstheaters eine Tradition. Diesmal hat sich Puppenspielerin Antje Binder für ihre Adaption des von Arthur Conan Doyle einst geschaffenen Sherlock-Holmes-Stoffes sogar über die Grenze ihrer Sparte hinausgewagt und mit Schauspieler Klaus Bieligk getroffen. Wie sich bei der Premiere am Sonntag erwies, ist bei dieser Kooperation ein skurril-vergnügliches Stück herausgekommen, nur eine runde Stunde lang, aber rundum witzig. Der Kasper ist auch dabei. Denn natürlich gibt es eine Urfassung des Sherlock-Holmes-Stoffes, in der die klassische Kinderpuppenspiel-Figur auftaucht - behaupten Bieligk und Binder. Seid ihr auch alle da?

Ja, und wie. Die Ehrfurcht vor Meisterdetektiv Holmes bleibt dabei außen vor, es darf gerne Slapstick sein - das machen Binder als Holmes und Bieligk als Dr. Watson schon klar, wenn sie sich in einer kleinen, gemeinen Eskalation wie einst Laurel und Hardy gegenseitig die Zeitung zerreißen. Der Schauspieler als Puppenspieler, die Puppenspielerin als Schauspielerin - das Duo wechselt kreuz und quer zwischen den Genres. Klassische Handpuppen, Masken, Stabpuppen und Schattenfiguren tauchen auf der Bühne auf und erzählen die Geschichte rund um den berühmten blauen Karfunkel und einen mysteriösen Serienkiller. Gemeuchelt werden diesmal allerdings Gänse. Besonders köstlich eine Szene, in der zwei intellektuell unterbelichtete Polizisten am Tatort herumrätseln - dargestellt als Schattenspiel zweier Fäuste.

Das kongeniale Duo Binder/Bieligk bedient sich munter quer durch das Arthur-Conan-Doyle-Universum. Auch schlüpfrig wird es manchmal - aber nie so sehr, als dass es nicht mehr jugendfrei wäre. Am Ende taucht das blaue Juwel natürlich nicht wieder auf, "es wurde vom Hund gefressen!" Welchem Hund? "Dem Hund von Baskerville!" Großes Gelächter. Spielen die beiden die berühmteste Holmes-Story nun auch noch? Nein, Feierabend, Applaus, Vorhang. Schade eigentlich.

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