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Premiere bei der Fritz-Reuter-Bühne : Mord(s)lustig in der Seniorenresidenz

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Das Ensemble der Fritz-Reuter-Bühne bietet mit der "Pension Sünnenschien" seinem treuen Publikum nach ernsthafterer Kost wieder einmal ein plattdeutsches Lustspiel und nimmt sich dieser Aufgabe mit großer Spielfreude an.

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erstellt am 19.Apr.2012 | 10:26 Uhr

Schwerin | Das Altenheim "Pension Sünnenschien" will seinem Namen so gar nicht gerecht werden. Denn überhaupt nicht sonnig ist das Leben für die Insassen, einen verkrachten Regisseur (Knut Fiete Degner), die alte Klavierlehrerin (Gerlind Rosenbusch) und einen fallierten Banker nebst Frau (Andreas Auer/Susanne Peters). Von den Inhabern, dem Ehepaar Salm (Arja Sharma/Jens Tramsen) auf rüde Art kujoniert und abgezockt, fristen die Alten ihr Dasein bei plürrigem Kräutertee, Gulasch ohne Fleisch und steinalten Keksen weit jenseits des Verfallsdatums. Selbst ihrer Sangeslust müssen sie der - der einem Kasernenhof zu Ehre gereichenden - Hausordnung wegen - heimlich frönen. Fast haben sie resigniert, doch mitunter glimmen Renitenz und gar ein Fünkchen Mordlust auf...

In diese Tristesse nun senden Autor Wittlinger und hier in Schwerin Regisseurin Katharina Waldmann genannt Seidel als deus ex machina die quirlige Elfie Wohlsen (Elfie Schrodt), die sich nichts gefallen lässt und so richtig Leben in die renovierungsbedürftige Bude bringt. Und Elfie führt das Ganze auf vergnügliche Weise - das, aber auf keinen Fall mehr, darf wohl hier schon verraten werden - zu einem Ende, das einer solchen Komödie angemessen ist.

Am Dienstag war Premiere im Großen Haus des Mecklenburgischen Staatstheaters. Das Ensemble der Fritz-Reuter-Bühne bietet mit der "Pension Sünnenschien" seinem treuen Publikum nach ernsthafterer Kost wie dem "Düwelswiew" wieder einmal ein plattdeutsches Lustspiel und nimmt sich - das bewies die Premiere - dieser Aufgabe mit großer Spielfreude an.

Letztere wird besonders bei Elfie Schrodt zum Ereignis. Sie beherrscht die Szene, wenn sie wie aufgedreht über die Bühne wirbelt, der "Salmonella" und ihren "wilden Otto" Kontra gibt und die resignierte Rentnertruppe zum Besäufnis und zur "Revolutschon" animiert. Dafür gab’s ordentlich Beifall, auf der Szene und auch am Schluss.

Susanne Peters und Knut Fiete Degner liefern sich ein amüsantes Dauerduell zwischen der grotsnutigen Bankiersgattin Henriette Borasch und dem erfolglosen Provinzmimen René Meier-Raffael. Andreas Auer, spielt den Ex-Bankier Borasch, der dem mittels Schädlingsgift (Twei Deil Musdot un een Deil Snecken-Ex) "rein theoretisch" erörterten Mordkomplott gegen das verhasste Heimleiter-Ehepaar Salm zur zögerlich zuzustimmen vermag, hin- und hergerissen zwischen Unterordnung und Rebellion.

Jans Tramsen verleiht dem cholerischen Otto Salm die notwendige Bösartig- und Bedrohlichkeit. Auch Arja Sharma darf hier einmal die Böse spielen, allerdings sehr zurückgenommen als smarte Managerin des heutzutage boomenden sozial-industriellen Komplexes, die eiskaltes Kalkül hinter vorgestanzten Floskeln versteckt. Das geht eigentlich nicht so gut auf Platt, find ich. Die Ida Salm hätte eigentlich die einzige hochdeutsche Rolle im Stück sein müssen.

Ein schauspielerisches Kabinettstückchen ist von Gerlind Rosenbusch zu vermelden. Sie, die schon fast auf Rollen in Fach Grande Dame abonniert scheint, kann auch ganz anders. Sie gibt hier zwar die adlige Bella von Tadler, aber eben nicht als große Dame, sondern - auf den ersten Blick kaum wiedererkennbar - als eine kleine, verhuschte, vom Leben enttäuschte ältliche Klavierlehrerin, die der verpassten Karriere als Solo-Pianistin nachtrauert und sich mit Selbstmordgedanken trägt. Sie wächst mit dem Wachsen der Hoffnung im Stück auch körperlich. Und wenn ich mich nicht täusche, war sie beim Schlussapplaus mindesten einen Kopf größer als bei Stückbeginn.

Das Premierenpublikum quittierte die Inszenierung und die schauspielerische Leistung des Ensembles mit lebhaftem und lang anhaltendem Beifall am Schluss eines alles in allem vergnüglichen Abends.

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