Rostocker Krimi : Mord im Stadthafen

Traditions- und Museumsschiffe im Rostocker Stadthafen
1 von 2
Traditions- und Museumsschiffe im Rostocker Stadthafen

Krimi-Autor Volker H. Altwasser über seinen neuesten Rostocker Fall - Gegenwärtig Burgschreiber in Beeskow

svz.de von
10. September 2015, 12:00 Uhr

In einer eisigen Winternacht im Jahre 2017 tobt ein Schneesturm durch Rostock und schließt die Gäste in der Fliegerkneipe Schallmauer ein. Pawel Höchst, einst Hochseefischer und nun Privatdetektiv, nimmt noch einen Drink mit seinem Freund Kevin Hilbig, dem Ex-Polizeianwärter aus Berlin. Dann wird die Leiche im Keller entdeckt, der bekannte Schriftsteller Richard R. Roesch wurde auf grausame Weise erschlagen.

So beginnt der neue Krimi „Rostock, letzte Runde“ von Volker H. Altwasser, der dritte in der Reihe um Pawel Höchst. Da niemand die Kneipe betreten bzw. verlassen konnte, muss der Mörder unter den Gästen sein. Pawel besinnt sich auf seine Spezialkenntnisse und führt die Verhöre mit allen Schikanen.

Wer hatte ein Motiv und zugleich die Möglichkeit? Erstaunliche Geheimnisse treten zutage, als die eigentlich wortkargen Kneipenbesucher zu reden beginnen. Mittendrin der Autor Altwasser, der sich das Pseudo-nym Richard R. Roesch zulegte, als er seinen ersten Krimi schrieb. Damals erklärte er, ein Alter Ego gewählt zu haben, um im Kopf eine Grenze aufrechtzuerhalten, um mehr Abstand zu seinen anderen Arbeiten zu wahren.

Der 1967 in Greifswald geborene Altwasser, hat in seinen Romanen auf originelle, fast wagemutige Weise die unterschiedlichsten literarischen Mittel angewandt, immer auf der Suche nach einer neuen Form. Mit dem Roman „Letzte Fischer“ war er 2011 für den Deutschen Buchpreis nominiert. 2012 erschien der ungewöhnliche Theaterroman „Ich, dann eine Weile nichts“ über den letzten pommerschen Herzog Bogeslaw.

„Glückliches Sterben“ (2014) entstand nach einem Aufenthalt in der Villa Aurora in Los Angeles. Dort hatte der Rostocker über den fast vergessenen Literaten Bruno Frank, der ein Weggefährte von Thomas Mann war, während seines Studien-Aufenthaltes im Jahre 2013 recherchiert. „Es war eine erfolgreiche Zeit bezüglich der Recherchen. Ansonsten hat mich Los Angeles nicht so sehr begeistert. Eine Riesenstadt ohne Zentrum, ziemlich anonym. Alle bewegen sich nur im Auto“, erinnert sich Altwasser.

Nun also „Rostock, letzte Runde“, ein ganz aus dem Rahmen fallender Krimi. Im Gespräch betont Altwasser, dass er gern etwas Neues ausprobiert. Weil er das Pseudonym inzwischen für überflüssig hielt, plante er dessen pompöse Beseitigung. „Ich hatte noch nie davon gehört, dass ein Autor sein Pseudonym töten und seine Helden den Mord aufklären lässt.“

Diese Ausgangssituation gestaltet er liebevoll und mit erzählerischem Genuss. Zudem greift er das klassische Krimi-Modell des geschlossenen Raums auf. „Ich habe versucht, das Agatha-Christie-Milieu wieder aufleben zu lassen. Ihre Geschichten spielen auch immer auf einem Schiff, in einer Eisenbahn auf dem Weg von A nach B oder auf einem Schloss. Wenn niemand mehr rauskommt, muss eine der bekannten Figuren der Mörder sein.“

Schauplatz des Krimis ist Rostock. In seinem Roman schreibt der Autor: „Die Stadt am Wind war endgültig zum Tor zur Unterwelt geworden und die Schallmauer war die Klinke dieses Tores.“ Eine ironische Übertreibung, wie es viele in dieser Geschichte gibt.

Der Leser, der sich einlässt auf Verwirrspiel, Übertreibung, Sarkasmus, gewinnt bei der Lektüre großen Lesespaß. Die Personen sind herrlich charakterisiert, das Milieu der Kneipe trefflich gezeichnet, und die Auflösung ist verblüffend. Die originellen Ermittler verdienen neue Chancen auf Heldentaten. Altwasser will sich nicht festlegen, hält es aber für möglich, eine Fortsetzung mit Pawel Höchst und Kevin Hilbig zu fabulieren.

Erst einmal ist Altwasser noch Burgschreiber in Beeskow. Der Autor nutzt die Zeit für ein ehrgeiziges Projekt. „Ich habe die Möglichkeit, an der Universität Rostock meine Doktorarbeit über Bruno Frank zu schreiben.“

Der ehemalige Hochseefischer ist tatsächlich ein wenig reisemüde geworden. „Ich habe das Gefühlt, dass ich für den Moment genug gesehen habe. Jetzt will ich mich ganz auf meine Arbeit konzentrieren.“

Renate Kruppa
Volker H. Altwasser: Rostock, letzte Runde. Hinstorff. 319 S., 12,99 Euro

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen