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"Mona Lisa" hat eine Schwester

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erstellt am 02.Feb.2012 | 10:07 Uhr

Madrid | Jahrelang hatte das Bild der "Mona Lisa" im Madrider Prado-Museum gehangen, ohne dass ihm jemand eine besondere Bedeutung beimaß. Das Gemälde galt als eine der zahllosen Kopien des Meisterwerks von Leonardo da Vinci, das im Pariser Louvre hängt. Doch jetzt gab es eine Überraschung.

Es war seit Wochen das bestgehütete Geheimnis und sollte eigentlich erst nach Abschluss der Restaurierung gelüftet werden: Das Madrider Prado-Museum beherbergt eine "Zwillingsschwester" des weltberühmten Bildes "Mona Lisa" des genialen italienischen Künstlers Leonardo da Vinci (1452-1519). Museumschef Miguel Zugaza wollte den spektakulären Fund der Gemälde-"Schwester" erst Ende Februar der Weltöffentlichkeit vorstellen, doch die Sensation sickerte jetzt schon durch.

Die "Mona-Lisa"-Doublette wurde von einem Da-Vinci-Schüler zeitgleich mit der "Mona Lisa" des Meisters vor über 500 Jahren im Atelier des Renaissance-Malers geschaffen. Und zwar parallel zu diesem wohl bekanntesten Werk Leonardo da Vincis. Mit allen Farb-, Licht- und Pinselstrich-Korrekturen, die auch der Meister vornahm. Vermutlich war es Leonardo da Vincis Lieblingsschüler Francesco Melzi, der im Atelier in Florenz dem Meister genau über die Schulter guckte. Abkupfern war in dieser Zeit nicht verpönt, sondern zur Übung der Kunstschüler erwünscht.

Demnächst findet eine Familienzusammenführung im Pariser Louvre-Museum statt. Dort ist die so rätselhaft lächelnde Orginal-"Mona-Lisa" hinter dickem Panzerglas zu Hause. Ende März wird im Louvre die Da-Vinci-Ausstellung "Heilige Anna" mit den beiden "Mona-Lisa"-Bildern eröffnet - dann wird das wohl berühmteste Lächeln der Kunstwelt gleich doppelt strahlen. Die Kunsthistoriker jubeln auch, weil der Madrider Zwilling, der zudem fast das gleiche Format wie das Original hat, in einem besseren Zustand daherkommt, als das Pariser Gemälde. "Diese Entdeckung lädt uns ein, das Original mit anderen Augen zu sehen", schwärmt Miguel Falomir, Experte für italienische Renaissance-Malerei im Madrider Prado-Museum. Die zweite "Mona Lisa" hing übrigens schon länger als eher verunglückte Kopie des Meisterbildes im spanischen Prado-Kunstpalast. Sie war bisher von den Historikern einem unbekannten flämischen Maler zugeordnet worden.

Erst als die Madrider Museumsexperten vor zwei Jahren begannen, das verkannte Bild zu restaurieren, kamen sie der Wahrheit auf die Spur: Sie entdeckten hinter dem düsteren Farbhintergrund, der das zunächst so traurig wirkende Frauenbildnis umgab, genau jene freundliche toskanische Landschaft, vor der Leonardo da Vinci seine "Mona Lisa" gemalt hatte. Die Restauratoren legten das Bild wieder so frei, wie es ursprünglich vor 500 Jahren gemalt worden war, sodass nun auch das berühmte Lächeln wieder zur würdigen Geltung kommt. Nur ein kleiner Unterschied fällt ins Auge: Die auf dem Madrider Bild zu sehende Dame scheint ein paar Jahre jünger zu sein als ihre berühmtere "Schwester" im Pariser Louvre. Die Neuentdeckung wirkt eher wie eine "Signorina", nicht wie eine "Signora".

Rätselhaft wie das Lächeln der Damen ist übrigens bis heute, wer eigentlich da Vinci und seinem Schüler Modell saß: War es tatsächlich die Kaufmanns-Ehefrau Lisa del Giocondo aus Neapel? Vielleicht auch die Mailänder Herzogin Isabella von Aragon, wie andere Historiker meinen. Oder gar eines seiner männlichen Modelle, angeblich ein heimlicher Geliebter da Vincis, der den Meister inspirierte?

Wer war eigentlich Mona Lisa?

Mona Lisa ist der deutsche Titel des weltberühmten Ölgemäldes von Leonardo da Vinci. Das italienische Original heißt La Gioconda (dt. die Heitere), benannt nach der Florentinerin Lisa del Giocondo. Der deutsche Titel beruht auf einem Rechtschreibfehler, denn Mona leitet sich ab von der italienischen Kurzform Monna (für Madonna ‚Frau‘), ist also kein Vorname, sondern der Titel, mit dem Lisa als Ehefrau (madonna) von Francesco del Giocondo angeredet wurde. Das Gemälde hängt heute im Louvre in Paris. Es ist auf dünnem Pappelholz gemalt und entstand wahrscheinlich vom Frühjahr 1503 bis zum Sommer 1505.

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