Premiere am Sonnabend im Schweriner E-Werk : Moderne Opern? "Mein liebstes Ding"

<fettakgl>Martin Schelhaas hat ein Faible für Gegenwartsopern </fettakgl>- und sagt, dass gerade 'die unkonventionelleren, extremeren Aufführungen' ein junges Publikum und auch viele Schüler anziehen. <foto>Silke Winkler</foto>
Martin Schelhaas hat ein Faible für Gegenwartsopern - und sagt, dass gerade "die unkonventionelleren, extremeren Aufführungen" ein junges Publikum und auch viele Schüler anziehen. Silke Winkler

Er steht nicht in der ersten Reihe. Doch er musiziert erstklassig mit der Staatskapelle. Martin Schelhaas ist seit 15 Jahren Studienleiter und Kapellmeister am Mecklenburgischen Staatstheater.

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01. März 2013, 10:57 Uhr

Schwerin | Er steht nicht in der ersten Reihe. Doch er musiziert erstklassig mit der Staatskapelle. Martin Schelhaas ist seit 15 Jahren Studienleiter und Kapellmeister am Mecklenburgischen Staatstheater. Der Rheinländer, der in Köln Schulmusik und in Frankfurt/Main Kapellmeister studierte, hat sich mit seinem Einsatz für sehr spezielle Gegenwartsopern - "mein liebstes Ding" - im E-Werk seinen guten Ruf und eine Domäne erworben. "Intensive, anspruchvolle Arbeit, um eine besondere musikalische Farbe zu pflegen", sagt Schelhaas, "für ein Publikum, das sich noch gern überraschen lassen will." Doch ebenso Musical-Produktionen wie "Cabaret", spartenübergreifende Inszenierungen wie "Sommernachtstraum", wo er gern mit singenden Schauspielern arbeitete, auch Nachdirigate bei den Schlossfestspielen oder die barocke "Alcina" von Händel stehen auf seiner Erfolgsliste. "Diese Bandbreite hat mich in Schwerin gehalten."

Jetzt steht Schelhaas am Pult bei einem Doppelabend mit "Der arme Matrose" von Darius Milhaud und dem Text von Jean Cocteau sowie "Death Knocks" von Christian Jost nach einem Schauspiel von Woody Allen. Premiere ist am Sonnabend im E-Werk.

"Zwei gegensätzliche Werke", erklärt der Dirigent, "der ,arme Matrose ist eine tragische Geschichte, in der eine Frau ihren Mann nach 15 Jahren auf See nicht mehr erkennt, durch ein Missverständnis bringt sie ihn um." Wie klingt diese Moritat musikalisch? "Milhaud, der lange Zeit in Brasilien war, hat viele Einflüsse von Tanzmusik verarbeitet, hat eine leichte, tänzerische Musik geschrieben, die im Untergrund, zum Beispiel mit Mixturklängen, das Drama erspielt. Das passt genial zum Text, der auch einen doppelten Boden hat. Man muss in die Zwischentöne hören", erläutert Schelhaas. "Death Knocks" von Christian Jost, der als Hauskomponist für die Komische Oper in Berlin gearbeitet hat, basiert auf einem Volksmärchen, in dem der Tod überlistet werden soll. Der Kapellmeister in Stichworten: "In der Allen-Version überredet ein jüdischer Geschäftsmann in New York den Tod, der ihn mitnehmen will, zu einem Kartenspiel. Das kann der Tod, der hier eine Frau ist, nicht besonders gut. Der Tod ist der Depp, denkt der Gewinner. Das ist ein Sketch mit schwarzem Humor. Die Musik ist sehr beredt, kommentiert jeden Satz, ist schnell, hoch virtuos und sehr farbig."

Gegenwartsopern sind oft schwierig zu singen, diese auch? Der Dirigent meint: "Es sind beides Sängerstücke, sie sind sehr an der Sprache entlang komponiert, also gesanglich geschrieben."

Übrigens, wie steht es mit der Jugend im Opernpublikum? Nach Erfahrung von Martin Schelhaas gibt es mehr junge Leute, die sich dafür interessieren, als in Zeiten von Internet und iPad gemeinhin vermutet wird: "Gerade die unkonventionellen, extremeren Aufführungen im E-Werk sprechen zum Beispiel Schüler an, die ich dort immer wieder sehe. Wir kooperieren ja auch mit Schulen, und das Jugend-Abo am Theater hat merklich zugenommen. Die Unmittelbarkeit von Theater übt einen starken Reiz aus. Jeder merkt irgendwann: Ein Touch-screen kann das Gegenüber zum Menschen nicht ersetzen. Aber die Qualität des Theaters muss stimmen."

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