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Mit vollen Segeln ins Jubiläums-Festival

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erstellt am 04.Mai.2010 | 06:05 Uhr

Schwerin | Traditionen soll man pflegen: Also begann auch das 20. Filmkunstfest bei der Auftaktveranstaltung am Montag mit einer Panne. Nein, der lustige Störtebeker-Film von Sven Taddicken brannte nicht ab. Aber bei der Hinrichtungsszene gleich am Anfang hörte man erstmal - nichts. "12 Meter ohne Kopf" quasi 12 Minuten ohne Ton.

Geschenkt. Was dann folgte, waren beste Kino-Unterhaltung und eine moderne Störtebekergeschichte im Sound des 21. Jahrhunderts. Ein symbolträchtiger Beginn für ein Filmkunstfest im Jahr 2010? Gucken wir mal.

Wie fotogen und filmbegeistert dieses kleine Filmland MV sein kann, davon schwärmte Regisseur Taddicken, als er von den Dreharbeiten erzählte. Die Ostsee musste Ostfriesland spielen, Barth und Stralsund waren ein perfekter Ersatz für das mittelalterliche Hamburg. Die 300 Stralsunder Statisten mussten bei der Hinrichtungsszene achtmal gaffendes Volk spielen. Und jedes Mal applaudierten sie nach Gödeke Michels herzergreifender Schlussrede in spontaner Begeisterung. Und welche Charakterköpfe es doch in Stralsund gibt!

Denen wäre der frühere Hollywood-Kameramann Michael Ballhaus wahrscheinlich ganz dicht auf die Nase gerückt. Aber, wie er gestern verriet, er hat ja der amerikanischen Filmmetropole endgültig den Rücken gekehrt, um im Alter "noch einmal etwas Vernünftiges zu machen". Die Spielfilmjury des 20 Filmkunstfestes zu leiten, zum Beispiel.

Damit hat der vor einem Jahr mit dem Ehrenpreis "Goldener Ochse" Geehrte sein Versprechen eingelöst und ist nach Schwerin zurückgekehrt. "Fast ein Homecomming", sagte Ballhaus und erläuterte auch gleich, warum ihn das Filmkunstfest so beeindruckt hat. "Ich habe gleich gespürt, dass dieses Festival zu seinen Wurzeln steht." Und Ballhaus gestand, vom künstlerischen Potenzial der Filme in Schwerin überrascht gewesen zu sein. "Diese Filme bekommt man auf großen Festivals kaum zu sehen." Auch auf die sehr persönliche Atmosphäre, die ihm so gefiel, wird er nicht verzichten müssen. Die meisten Mitglieder seiner mit der Schauspielerin Hannelore Elsner oder dem Schriftsteller Christoph Hein populär besetzten Jury kennt er ohnehin.

Auch die Schauspielerin Franziska Petri, im vergangenen Jahr mit dem Film "Schattenwelt" in Schwerin, hat in der Kurzfilmjury bekannte Filmleute wie den Regisseur Andreas Dresen, die Schauspielerin Annekathrin Bürger oder den TV-Journalisten Klaus Bednarz an ihrer Seite.

Im Kurzfilmwettbewerb wird neben dem Hauptpreis erstmals auch ein Kamerapreis vergeben. Und das ist nur einer von 15 Preisen. Preiswürdig, aber nicht im Wettbewerb, war der vom Publikum gefeierte Film "Boxhagener Platz" gestern Abend auf der Eröffnungsgala - mit Gudrun Ritter als hinreißende Oma Otti.

Den Ehrenpreis für sein Lebenswerk wird Manfred Krug am Sonnabend entgegennehmen - einen "Goldenen Ochsen". Der von Michael Ballhaus aus dem vergangenen Jahr hat einen Ehrenplatz in seinem Wohnzimmer. "Ein Preis mit einem sehr schönen Design", so der Kameramann. "Fast alle anderen Preise - viel hässlichere -, habe ich schon dem Filmmuseum gegeben. Den Schweriner Ochsen aber behalte ich."

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