Angelika Tübke : Malen wie die alten Meister

Angelika Tübke malt detailgetreu – Abstraktes ist nicht ihr Metier.
Angelika Tübke malt detailgetreu – Abstraktes ist nicht ihr Metier.

Mitten in der mecklenburgischen Provinz lebt die Malerin Angelika Tübke – heute wird sie 80

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08. August 2015, 08:00 Uhr

Sie trägt einen großen Namen, doch richtig berühmt ist Angelika Tübke nicht geworden. Dafür steht sie auch viel zu ungern in der Öffentlichkeit. Werner Tübke (1929-2004) war ihr Mann und Lehrer. Nach der Trennung von ihm im Jahr 1976 war für sie klar, wo es hin geht. „Ich musste da raus. Ich wollte malen. An der Seite von Tübke hätte ich das aufgeben müssen“, sagt sie. Heute wird die Künstlerin 80 Jahre alt. Seit 33 Jahren lebt sie in Dalliendorf bei Wismar. Schon als Kind liebte die in Wolfen (Sachsen-Anhalt) aufgewachsene Tübke das Mecklenburger Land.

Auch wenn ihr der große Durchbruch nie gelungen ist, so konnte sie doch von ihrer Kunst immer gut leben. Ihre Vorbilder sind die alten Meister wie Dürer, Cranach, Holbein. Ihre Porträts, Landschaften und Blumenbilder entstehen in alten Maltechniken mit Eitempera und Ölfarben. Überall im Haus hängen sie. In der Abteilung Winter, wie sie es sagt, hat sie die Landschaft um Dalliendorf festgehalten: den Wald, ihren Mann Hans und dazugemogelte Bergen, weil Hans die so mag. „Schneeflocken habe ich gemalt, hinten dunkel, vorn hell und größer. Die sinken richtig zu Boden“, freut sie sich. Vor allem Porträts malt Angelika Tübke fotografisch genau. Abstrakte Malerei ist nicht ihr Ding. „Insofern habe ich mich nicht entwickelt.“

Vielleicht ist das der Grund, warum Arbeiten von ihr nur selten in Ausstellungen zu finden sind. „Zu unrecht“, findet der Güstrower Maler Lars Lehmann. Er verehrt ihre Blumenbilder. „Die sind von einer unglaublichen Qualität. Nur leider werden die heute gern in die Hobbyecke gesteckt. Angelika Tübke malt Bilder, die nicht erklärt werden müssen“, sagt Lehmann. „Wenn man bedenkt, was heutzutage alles als Kunst gehypt wird, ist gar kein Zweifel daran, dass Angelika Tübkes Gemälde höchstes Niveau haben.“ „Es ist schon erstaunlich, dass heute jemand noch so altmeisterlich malt“, sagt der Rostocker Kunstwissenschaftler Klaus Tiedemann. Und der Rostocker Bildhauer Wolfgang Friedrich will nicht ausschließen, dass der berühmte Tübke auch bei seiner Schülerin und späteren Frau abgekupfert haben könnte.

Werner Tübke, einer der wichtigsten Vertreter der Neuen Leipziger Schule, war für die DDR wichtig. „Bilder brachten Devisen,“ erzählt seine Exfrau. Mit der Staatsmacht hat sie ihre eigenen Erfahrungen gemacht. „Der Knabe mit der Angel“ heißt ein Bild, das ihren Sohn Albrecht im Alter von sechs Jahren zeigt. Ausgestellt wurde es auf der VIII. Kunstschau in Dresden 1977 und sollte in den Westen verkauft worden sein. „Mir war Westgeld versprochen worden“, sagt Angelika Tübke, aber es kamen DDR-Mark in der gleichen Höhe. Wer das Bild gekauft hat, hat sie nie erfahren.

Inzwischen malt sie weniger, aufhören möchte sie aber nicht, sagt Angelika Tübke. An ihrem Geburtstag möchte sie am liebsten mit einem Buch ins Rapsfeld verschwinden. Denn viele Menschen, viel Rummel um ihre Person, mag sie immer noch nicht. Nur über ihre Bilder spricht sie gern und das auch immer wieder.  

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