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Premiere : Märchenoper als Psychothriller

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Antonín Dvoráks „Rusalka“ wurde zur Premiere im Mecklenburgischen Staatstheater mit stürmischem Applaus bedacht.

svz.de von
erstellt am 20.Okt.2014 | 12:00 Uhr

Den ersten Opernabend der Saison legt das Mecklenburgische Staatstheater seinem Publikum klangschön, farbenreich und hintergründig vor. Antonín Dvoráks Oper „Rusalka“ wurde zur Premiere am Freitagabend im Großen Haus bejubelt und mit stürmischem Applaus bedacht.

„Rusalka“ erzählt die Geschichte von der Wasserjungfrau, die sich in einen Menschen verliebt. Sie will Mensch werden wie er, muss dafür aber in der Menschenwelt stumm bleiben. So verliert sie die Liebe des Prinzen, der sie heiraten wollte, und muss als einsames Irrlicht existieren. Ins Reich des Wassermanns darf sie nie wieder zurück.

Inszeniert hat Hendrik Müller (37) das Werk, der bereits vor knapp zwei Jahren „Die Csárdásfürstin“ auf die Schweriner Bühne brachte. Er zeigt zu den ersten Tönen der Ouvertüre seinen Blickwinkel auf den Stoff. Gemälde aus alten Zeiten stellen Situationen dar, die sich im Moment auf der Bühne wiederholen. Spiegel, in die Rusalka blickt, offenbaren ihre verborgenen Wünsche, Sehnsüchte. Dieser Spiegel-Idee entspringt ein raffinierter Zug: die Hexe Ježibaba, die Rusalka zum Menschsein verhilft, lässt Müller ihr selbst entspringen als ihr zweites Ich. Fortan existiert es neben ihr im Bühnengeschehen und lebt all das aus, was Rusalka selbst nicht gelingt. Ganz am Ende, wenn alles hoffnungslos zerschlagen und alle Sehnsucht erstorben, verschmelzen beide wieder zu einem Wesen. Zudem wird die Nebenrolle eines Jägers zur tragenden Figur geweitet, auf die sich alle Erotik projiziert. In diesem Doppelrahmen gerät der Märchenstoff zu einem Psychodrama, das den Abend lang – und darüber hinaus – das Publikum in seinen Bann schlägt. Wenn Müller dann noch die Welten vertauscht, die Märchenwelt des Wassermanns in biederer Stube spielen lässt, das reale Schloss des Prinzen aber mit märchenhaft traumartigem Anstrich versieht (Bühne und Kostüme von Alexandre Corazzola), ist zwar nicht alles neu erfunden, jedoch dem Auge so ungewohnt vorgestellt, dass es den Geist anregt.

Dazu spielt die Staatskapelle unter Leitung ihres GMD Daniel Huppert mit vollem romantischem Klang und sorgfältig ausgearbeiteter Struktur. Prägnantes Zusammenspiel, vitale Dynamik zeigen Musiker und Dirigent miteinander in Hochform. Wunderschöne Soli treten hervor, voran die Harfenistin Verena Lorenz, die das Spiel der Wellen zauberhaft Klang werden lässt.

Martá Kosztolányi singt die Rusalka-Partie mit beeindruckender Kraft und brillanter Intonation. Ihr recht dramatisches Timbre hält auch dem vollen Orchesterklang stand. Dem Tenor Steffen Schantz, neu im Schweriner Ensemble, gelingen als Prinz schöne lyrische Farben und ein kultiviertes Piano. Auch die übrigen Solisten geben ihren Rollen Charakter und gute Stimmen: Itziar Lesaka als faszinierende Hexe, Igor Storozhenko als Wassermann, Katrin Adel als herrische Fürstin, Remo Tobiaz als Jäger, auf den sich alle Frauenblicke fokussieren. Opern- und Extrachordamen sind schön in Szene gesetzt und runden den musikalischen Eindruck bestens ab.


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