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Güstrow: Barlach-Korrespondenz wird veröffentlicht : Liebesbriefe eines Bildhauers

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Die Ernst Barlach Stiftung in Güstrow veröffentlicht im kommenden Jahr erstmals die Briefe des expressionistischen Bildhauers und Zeichners an seine langjährige Lebensgefährtin Marga Böhmer.

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erstellt am 21.Dez.2011 | 06:16 Uhr

Güstrow | Die Ernst Barlach Stiftung in Güstrow veröffentlicht im kommenden Jahr erstmals die Briefe des expressionistischen Bildhauers und Zeichners an seine langjährige Lebensgefährtin Marga Böhmer. Mehr als 60 Briefe und Karten Barlachs (1870-1938) aus den 1920er-Jahren - neben sachlichen Notizen auch viele Liebesbriefe - bewahrt die Stiftung in ihrem Bestand, wie Herausgeberin Inge Tessenow sagte. Sie werden nun komplett in dem Buch "Briefe Ernst Barlachs an Marga Böhmer" publiziert. Es soll parallel zur kommenden Ausstellung der Stiftung "Ernst Barlach - Marga Böhmer. Zeichnungen. Druckgraphik. Briefe" im Juni 2012 erscheinen.

Marga Böhmer (1887-1969) war 1924 erstmals zusammen mit ihrem damaligen Ehemann, dem Kunsthändler Bernhard Böhmer (1892-1945), nach Güstrow gekommen. Am Inselsee erwarben die beiden ein Sommerhaus; die Villa steht noch heute auf dem Nachbargrundstück des Atelierhauses von Ernst Barlach. Doch das Ehepaar ging bereits damals mehr oder minder getrennte Wege. Als Marga Böhmer, selbst ausgebildete Bildhauerin, Ernst Barlach in Güstrow kennenlernte, entspann sich bald ein Liebesverhältnis. Drei Jahre später ließen sich die Böhmers scheiden und Marga wurde Ernst Barlachs Lebensgefährtin der letzten Jahre.

Barlach selbst lebte bereits seit 1910 in der mecklenburgischen Stadt. "In den Briefen an Marga Böhmer tritt uns ein ganz anderer Ernst Barlach entgegen als man ihn aus seinen anderen Schriften und Briefen kennt", sagte der Direktor der Ernst Barlach Stiftung, Volker Probst. Barlachs Korrespondenz mit Marga Böhmer zeuge von tiefer Zuneigung zu der 17 Jahre jüngeren Frau. "Süßer Jeter" nannte er sie. Marga Böhmer ist die große Liebe Barlachs, dessen Verhältnis zu Frauen sonst als eher schwierig galt, was sich auch ins einem grafischen und plastischen Werk niedergeschlagen hat.

Marga Böhmer lebte nicht nur mit und für Barlach, sondern unterstützte ihn auch auf Augenhöhe bei seiner Arbeit. So soll sie erheblichen Anteil an Barlachs Mahnmal gegen den Krieg im Magdeburger Dom gehabt haben.

Als Barlach in der zweiten Hälfte der 1930er Jahre schwer erkrankte, pflegte sie ihn bis zu seinem Tod 1938 in einem Rostocker Krankenhaus. Anschließend hütete sie sein Werk und erreichte 1953 die Eröffnung einer Barlach-Gedenkstätte in der Getrudenkapelle in Güstrow. Dort wohnte Marga Böhmer auch bis zu ihrem Tod im Jahr 1969. Geheiratet hatten die beiden nie.

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