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Leuchtturmlösung in der Landeshauptstadt

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erstellt am 23.Okt.2012 | 08:57 Uhr

Das Thema Theaterfinanzierung ist in den vergangenen Wochen sehr präsent in den Medien. Dies scheint ein gutes Zeichen zu sein, denn offenbar lässt das Thema die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern nicht kalt. In Schwerin wurde insbesondere durch die Aktion Kulturschutz überdeutlich, wie sehr die Bürger hinter ihrem Theater stehen. Von den 50 000 Unterschriften der Volksinitiative für den Erhalt der Theater und Orchester in M-V stammen über die Hälfte aus Schwerin und Umgebung.

Was könnte man von mir als Theaterleiter mehr erwarten, als dass ich mich auch voll und ganz hinter das Mecklenburgische Staatstheater Schwerin stelle, wenn es um Modelle für eine zukünftige Theaterfinanzierung geht? Gemeinsam mit führenden Mitarbeitern unseres Hauses haben wir die neun Vorschläge der Münchner Managementberatung Metrum abgewogen. Alle führen zu einem umfangreichen Stellenabbau und damit zu einer Reduzierung der künstlerischen Arbeit in Qualität und Quantität.

Die Modelle beinhalten durchschnittlich Kündigungen von ca. 300 Mitarbeitern in MV. Dies ist menschlich eine Katastrophe und durch die fälligen Abfindungen eine enorme finanzielle Belastung. Allein aus diesen Gründen kann man keins der Modelle ernsthaft als gut oder sinnvoll umsetzbar bezeichnen.

Minister Brodkorb hat angeregt, weitere Modelle für ein Theaterkonzept zu entwerfen. Erstens: Als Intendant des Mecklenburgischen Staatstheaters ist meine Wunschlösung, dass man sich zu einer Leuchtturmlösung für die Landeshauptstadt bekennt. Zweitens: Die vernünftigste Lösung scheint mir, dem Namen und der überregional akzeptierten Rolle des Mecklenburgischen Staatstheaters endlich gerecht zu werden und es in Landesträgerschaft zu übernehmen, Rostock als Stadttheater der größten Stadt - natürlich mit Unterstützung aus dem Land - weiterzuführen und eine auf die Bedürfnisse Vorpommerns ausgerichtete Landesbühne zu schaffen. Dieses Modell käme u. a. dem unseres Nachbarlandes Schleswig-Holstein, welches zum Vergleich immer herangezogen wird, durchaus nahe. Drittens: Wenn ich mich unter den neun Modellen entscheiden müsste, dann wäre Variante 6, das Staatstheater Mecklenburg, die Notlösung, die man gemeinsam optimieren müsste. Grundsätzlich lässt sich zu den vorgeschlagenen Modellen sagen, dass sie fehlerhaft und tendenziös sind. Viele grundlegende Aspekte bleiben außen vor. Rechtliche Fragen bezüglich der Gesellschafter, Verteilung der Aufsichtsräte u. v. m. bleiben unbeachtet. Weitere Fragen nach Haustarifverträgen, die es ja nicht mehr geben soll, oder auch nach Abfindungen, denn immerhin sollen bis zu 300 Stellen eingespart werden, finden bisher keine Berücksichtigung.

Die anteilige Förderung durch die Kommunen ist ein denkbar schwieriges Problem, wenn man z. B. Rostock und Schwerin mit einem möglichst gleichem Theaterangebot versorgen möchte. Denn bisher differieren die Zuschüsse der Kommunen pro Einwohner erheblich. Die extrem unterschiedliche Einnahmesituation der Theater (Schwerin: über 20 % Eigeneinnahmen, Rostock: ca. 8 %), kommt überhaupt nicht zum Tragen. Wird am Ende derjenige bestraft, der die höchsten Einnahmen selbst generiert? Und wie kann es sein, dass alle Modelle von einem Theaterneubau in Rostock ausgehen, der aktuell mit 60 Mio. Euro veranschlagt ist und noch lange nicht geklärt ist?

Wichtig ist, dass viele der hier nur angerissenen Fragen und Probleme vorab geklärt werden, bevor man ernsthaft darüber diskutieren kann, ob eine Zusammenarbeit der Häuser in Rostock und Schwerin unter einer Leitung als Staatstheater Mecklenburg zukunftsträchtig und konsensfähig ist.

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