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Längst mehr als ein Jugendtreff

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Neubrandenburg/Neustrelitz | Im Haus der Kultur und Bildung in Neubrandenburg (HKB) bezieht die Bundesgeschäftsstelle des Deutschen Musikrats heute ihr Hauptquatier für den Bundeswettbewerb "Jugend musiziert", der in diesem Jahr erstmals in Mecklenburg-Vorpommern ausgetragen wird. Ab Freitag stellen sich in der Viertorestadt und in Neustrelitz fast 2300 junge Leute den Juroren. Susanne Schulz sprach mit der Sprecherin des Projektbeirats, Susanne Fließ.

Kurz vor Wettbewerbsbeginn - werden Sie ruhiger oder nervöser?

Fließ: Als Profis sollten wir wohl ganz ruhig werden. Aber wir sind Profis genug, um zu wissen, wie viel unwägbar ist. Aber sprechen wir statt Nervosität lieber von Unruhe. Das liegt auch daran, dass die Bundesgeschäftsstelle aus München komplett an den Wettbewerbsort umzieht. Tage zuvor sind die

Gänge voller Euro-Paletten; sobald wir im HKB in Neubrandenburg ankommen, werden nur die Kisten aufgemacht und los gehts.

Im allerersten Jahr gab es bundesweit rund 2500 Teilnehmer. Fast ebenso viele sind es heute allein in der Finalrunde, in den Regionalwettbewerben treten 25 000 an. Wie erklären Sie sich den fulminanten Zuwachs?

Einer der Gründe ist, dass es in den 60er-Jahren längst nicht so viele Musikschulen gab wie heute. Im Laufe der Jahrzehnte wurde auch deutlich, welches Niveau die Teilnehmer haben. Die Lehrer wissen, worauf sie hinarbeiten und dass der Erfolg auf die Arbeit der Musikschulen zurückwirkt - ein sich selbst befruchtendes System. Nicht zuletzt sind viele einstige Teilnehmer jetzt selbst Lehrer und ermutigen ihre Schüler zum Mitmachen.

Schon die Jüngsten treten bei den Regionalwettbewerben an - zum Landeswettbewerb dürfen sie erst ab 10, zum Bundeswettbewerb mit 12 Jahren. Warum?

Bis in die 70er-Jahre gab es die Altersgrenze nicht - so konnte Anne Sophie Mutter als Siebenjährige am Bundeswettbewerb teilnehmen. Der Druck der Wettbewerbssituation ist heute höher und für die Jüngsten nicht altersgemäß. Mit 12 haben Kinder so viel Selbstbewusstsein, das auszuhalten.

Das Wachsen des Wettbewerbs hat sicher auch mit der Vielzahl der Ins-trumentenkategorien zu tun. Wann wird ein Genre für würdig befunden?

Zu Anfang war "Jugend musiziert" ein Wettbewerb für Streichinstrumente, bald im Wechsel mit Bläsern, später kam Klavier hinzu. Wir schauen in enger Verzahnung mit den Musikschulen, welche Instrumente in der Ausbildung auftauchen. Wann sie als Wettbewerbssparte geadelt werden, hängt davon ab, welche Literatur gespielt werden kann, um Epochenvielfalt, technische und künstlerische Fertigkeiten darzustellen. Außerdem müssen Bewertungskriterien entwickelt werden. Wer beim ersten Mal in einer neuen Kategorie teilnimmt, würde sich beim dritten Mal sehr die Augen reiben, was da mittlerweile gefordert wird.

Während in Neubrandenburg der 48. Wettbewerb stattfindet, reichen Ihre Planungen bis zu zehn Jahre voraus. Wie behalten Sie den Überblick, ob künftige Austragungsorte bei der Vorbereitung im Limit liegen?

So langen Vorlauf brauchen wir, weil die gastgebenden Städte und Bundesländer erhebliche finanzielle Leistungen erbringen müssen. Ansonsten sind die Aufgaben klar verteilt: Da geht es zum Beispiel um Wertungsräume, Übernachtungsmöglichkeiten, eventuell Hochschulen vor Ort, deren Fachpersonal die Jurys verstärken kann. Je näher der Wettbewerb rückt, desto differenzierter wirds.

Was lässt sich bei aller Routine aus den Wettbewerben vergangener Jahre lernen?

An Bedeutung gewinnt die Betreuung der Gäste. Das liegt an der zunehmenden Außenwirkung des Wettbewerbs: Hatte er lange Zeit eine Art Jugendtreff-Charakter, ist er längst ein Großereignis von bundesweiter Strahlkraft, bei dem sich Minister die Klinke in die Hand geben. Alle, die an der Finanzierung beteiligt sind, lassen sich vor Ort sehen, auch die Stifter der vielen Sonderpreise.

Außer den 16 Bundesländern sind 17 Nationen vertreten - wie kommt das?

"Jugend musiziert" wird seit einigen Jahren auch an deutschen Schulen im Ausland angeboten, die nach innerdeutschen Lehrplänen unterrichten. Dort gilt das gleiche Reglement wie bei den Regionalwettbewerben; es folgen drei Landeswettbewerbe in den europäischen Regionen Ost, West und Nord. Aus Spanien kommen diesmal die meisten ausländischen Teilnehmer, nämlich 29.

Nun steht der jährliche Höhepunkt unmittelbar bevor. Was machen Sie, wenn der Wettbewerb vorüber ist?

Enden wird er für uns mit dem letzten Ton des Festakts am 17. Juni in Neustrelitz. In Neubrandenburg ist dann bereits alles verpackt; der erste Tag zurück in München wird wieder ein ganz normaler Arbeitstag sein.

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erstellt am 07.Jun.2011 | 05:25 Uhr

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