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Kulturunternehmerinnen : Konkret und kreativ

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Zwei Frauen wollen Kunst aus dem Nordosten international erlebbar machen

Manchmal findet sich inmitten des großen Ganzen plötzlich die Essenz im Kleinen. So erging es Juliane Radike in diesem Jahr auf der Art-Basel – mit mehr als 4000 ausgestellten Werken eine der bedeutsamsten Kunstmessen der Welt. „Alles sehr beeindruckend“, befand die studierte Kunsthistorikerin aus Mecklenburg-Vorpommern. Gleichzeitig dachte sie an die eindrucksvollen Arbeiten, die ihre Kommilitonen aus Greifswald geschaffen hatten. Nur waren die nicht in Basel zu sehen. Und so war die vage Idee geboren, „etwas für die zeitgenössische Kunst aus MV zu tun“.

Mittlerweile ist daraus ein vorzeigbares Galerieprojekt erwachsen, mit dem Juliane Radike und ihre Geschäftspartnerin Julia Kittelmann im November von der Bundesregierung als Kultur- und Kreativpilotinnen Deutschlands ausgezeichnet worden sind. Künftig soll die Galerie „Radike I Kittelmann“ eine Anlaufstelle für Künstler sein, die aus MV kommen oder dort leben. Mit dem Prinzip einer „wandernden Ausstellung“ wollen sie die Kunst auch überregional an Sammler und Interessierte herantragen.

Der Wettbewerb ist Bauchpinselei und Anschub in einem, sagt Julia Kittelmann. Workshops und Einzelgespräche mit Coaches hätten ihnen dabei geholfen, das Potenzial der Idee zu erkennen und auszufeilen. „Ich hatte teilweise das Gefühl, dass die anderen eine viel konkretere Vorstellung von unserem Konzept hatten als wir“, erinnert sich Juliane Radike.

Erfahrungen als Geschäftsführerin hat die 37-Jährige aus Grimmen bereits beim Rostocker Handballverein Empor gesammelt. Nach dreieinhalb Jahren in dem knallharten Business, „in dem ich oft gegen mein Herz und im Sinne des Geldes entscheiden musste“, möchte sie sich nun wieder der Kunst zuwenden. Aktuell versorgt sie sich mit Fachwissen bei ihrem Aufbaustudium „Management im Kunstmarkt“ in Berlin. Mit dem Ort für ihr Galerie-Projekt ist ihr bereits ein erster Coup geglückt: Ein kleiner Laden in der Mollistraße im Herzen Bad Doberans.

Julia Kittelmann, 34, will den Part der Kuratorin übernehmen. Die Berlinerin kam zum Studium nach Greifswald. „In MV habe ich die Freiheit gehabt, meinen Weg zu finden. In Berlin wäre ich vermutlich nur irgendeinem Lebenskonzept hinterhergerannt.“ Zurzeit arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin in Basel und promoviert im Bereich Bildwissenschaft. Bis auf Weiteres will sich Kittelmann eher geistig in die Galerie einbringen. Die soll neben der reinen Präsentation von Werken auch eine Schnittstelle zum wissenschaftlichen Diskurs werden. Außerdem planen die beiden Frauen gemeinsame Messeauftritte und Wechselausstellungen mit anderen Galerien aus Mecklenburg-Vorpommern.

Im Februar werden sie in Bad Doberan eine Vorschau auf ihre künftige Arbeit geben. „Unser Galerieprofil muss sich erst noch entwickeln“, sagt Juliane Radike. „Aber mit Hilfe des Wettbewerbs haben wir ein tragfähiges, wirtschaftliches Konzept gewonnen, mit dem wir loslegen können.“ Vielleicht führt es sie ja irgendwann nach Basel.

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