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Komponierte Landschaften

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erstellt am 07.Feb.2012 | 06:11 Uhr

Schwerin | Gleich zwei international gefeierte Violinisten halfen den Festspielen MV gestern bei der Vorstellung des Jahresprogramms 2012 - auch wenn Daniel Hope, deren Künstlerischer Direktor, zwar "mit dem Herzen", aber ansonsten nur virtuell per Videobotschaft aus New York zugegen war. Und weil der transatlantische Brückenschlag schon mal geklappt hatte, kündigte Hope - gut gelaunt wie immer - für die neue Festspielsaison gleich zwei weitere Beispiele eine funktionierenden musikalischen Zusammenarbeit zwischen den USA und McPom an: Bereits zum dritten Mal werden Spitzenmusiker der New Yorker Carnegie Hall und vom Lincoln Center in Heiligendamm, Schwerin und Greifswald zu erleben sein. Während Daniel Hopes Savannah Music Festival aus Georgia (USA) Premiere in MV feiern wird.

Hélène Grimaud, Julia Fischer und Vivane Hagner

Zum Abschluss seiner Video-Botschaft kündigte Stargeiger Hope die junge Kollegin an, die in dieser 23. Festspielsaison die erste Geige spielen wird: Veronika Eberle. Livehaftig erschien sie dann auch und spielte auf ihrer Stradivari einen Satz aus einer Prokowjew-Sonate.

Veronika Eberle (23) gastierte mit 15 Jahren erstmals bei den Festspielen - im Schloss Granitz auf Rügen. Sie erinnert sich noch gut an dieses Konzert, das am Morgen danach mit einem Bad in der kalten Ostsee und mit der Auszeichnung als Publikumspreisträgerin der Festspiele gekrönt wurde.

Inzwischen ist Veronika Eberle eine international erfolgreiche Geigerin und wird in diesem Jahr als "Preisträgerin in Residence" gleich 14 Konzerte prägen. Dafür hat sie sich Freunde und renommierte Gäste aus aller Welt eingeladen, mit denen sie auf Schloss Hasenwinkel proben und dann in verschiedenen Konstellationen Kammerkonzerte geben wird. Als Solistin wird sie u. a. Schostakowitschs 1. Violinkonzert mit dem NDR Sinfonieorchester unter der Leitung von Krzysztof Urbanski in Ulrichshusen und Dvoraks Violinkonzert a-Moll mit der Dresdner Philharmonie unter Michael Sanderling in der Neubrandenburg Konzertkirche spielen.

Neben Eberle können die Festspiele für ihre 125 Konzerte an 83 Spielstätten überall in MV wieder mit einer Reihe weiterer bekannter Solisten und Orchester von Weltrang aufwarten: u.a. die Pianistin Hélène Grimaud, die Geigerinnen Julia Fischer, Alice Sara Ott und Vivane Hagner oder das City of Birmingham Symphony Orchestra und das Helsinki Philharmonic Orchestra.

Prinz Henrik, Corinna Harfouch und die "Kleine Meerjungfrau"

Die Festspiele rücken in diesem Jahr Dänemark in den Mittelpunkt des Konzertgeschehens und stellen herausragende Künstler verschiedener Genres von Barockmusik über Folk bis Jazz aus unserem Nachbarland vor. Zum Auftakt dieser Reihe mit dem Barockorchester Concerto Copenhagen in Wismar wird mit Prinz Henrik sogar königlicher Besuch erwartet. Dass die Festspiele ihren Kunstbegriff durchaus weit fassen, bezeugen zwei Veranstaltungen etwas anderer Art. Im Binzer Kurhaus wird die Schauspielerin Corinna Harfouch der dänischen Märchenheiligen, der "Kleinen Meerjungfrau", ihre Stimme leihen. Und das Hotel Tucholski in Loitz feiert ein "Midsommerfest" am 21. Juni mit dem Danish String Quartet.

Auch verborgenen Schätzen aus Mecklenburg-Vorpommern wollen sich die Festspiele widmen, um einmal mehr ihrem Namen gerecht zu werden. Mit der vor 200 Jahren in Friedland in Mecklenburg-Strelitz geborenen Emilie Mayer wird eine Komponistin aus der Versenkung geholt, die einst als "neuer Beethoven" gefeiert wurde. US-Künstler des Savannah-Projekts spielen eines ihrer Werke, und die Neubrandenburger Philharmonie unter GMD Stefan Malzew die "Faust"-Ouvertüre von Emilie Mayer sowie ihre Sinfonie, die Malzew rekonstruiert und bearbeitet hat.

Unter dem Motto "Komponierte Landschaften" haben die Festpiele nahezu unbekannte, paradiesische Parks und Gärten als neue Spielstätten entdeckt, u. a. den Pfarrgarten Starkow bei Velgast oder den englischen Landschaftspark von Burg Schlitz, in dem schon Goethe lustwandelte. Auch der Apothekergarten in Gnoien gehört zu den neuen Konzertorten. Vor den Giftplanzen dort, so Festspielintendant Matthias von Hülsen gestern, sollte man auf der Hut sein. Vielleicht eine Warnung an die Orchesterzertrümmerer im Musikland Mecklenburg-Vorpommern?

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