Neustrelitz/Greifswald : Kommt das Staatstheater Nordost?

<p>Rock ’n’ Ballet: eine  Koproduktion von BallettVorpommern in Stralsund mit dem Ballett der Stettiner Oper </p>

Rock ’n’ Ballet: eine  Koproduktion von BallettVorpommern in Stralsund mit dem Ballett der Stettiner Oper

Kultusminister hat Frist bis 31. Oktober für Zielvereinbarung gesetzt. Opposition spricht von neuer Qualität der Erpressung

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11. September 2015, 21:00 Uhr

Bisher wird sie noch als Bückware gehandelt, die Zielvereinbarung des Kultusministeriums zum neuen „Staatstheater Nordost“, das sich aus den autonomen Häusern in Stralsund, Greifswald, Neustrelitz und Neubrandenburg rekrutieren soll. Aber wenn das Papier in die Kommunalparlamente und in die öffentliche Debatte kommt, dann wird es ein gehöriges Echo auslösen.

Der Kulturexperte der Linksfraktion im Landtag, der Neubrandenburger Torsten Koplin, spricht schon heute von einem „skandalösen Vertragsentwurf“ und einer „neuen Qualität der Erpressung“. Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD) hingegen will eine Entscheidung der Theaterträger bis Ende Oktober. Er sagt klar: „Im Osten des Landes haben wir den Landräten und Oberbürgermeistern ein letztes Angebot unterbreitet. Bis zum 31. Oktober müssen die Kommunalvertreter ihr Votum abgeben. Da gibt es zwei Möglichkeiten, entweder die Theaterträger machen mit oder nicht.“

Dass die derzeit defizitären Theater und Orchester Neubrandenburg/Neustrelitz sowie Theater Vorpommern mit Häusern in Stralsund und Greifswald fusionieren sollen, ist Ergebnis einer Studie von Brodkorbs Münchner Beratungsunternehmen „Metrum“. Stralsund soll dabei das Musiktheater, Greifswald Schauspiel und Ballett sowie Neubrandenburg/Neustrelitz die Philharmonie, Operettenfestspiele und die zentralen Werkstätten bekommen. Dem hat u.a. der Kreistag in der Seenplatte bereits zugestimmt. Überraschend kommt jetzt aber hinzu, dass die Tanzkompanie in Neustrelitz nach Brodkorbs Plänen aufgelöst werden soll. Deren Etat von 950  000 Euro fließt aber in das neue Staatstheater ein. Das sorgt in der Region schon jetzt für Proteste, hatte doch der Landeskulturrat für den Erhalt der Tanzkompanie plädiert.

Neu ist auch, dass die Städte Neubrandenburg und Neustrelitz ihre Theaterzuschüsse um je 400 000 Euro aufstocken sollen. Das entspricht einer Verdoppelung der Zuschüsse aus Neustrelitz. Dort hatte die Bürgerschaft aber erst jüngst beschlossen, dass sie nicht mehr für das Theater zahlen kann als die jetzigen 391 000 Euro.

Verärgert sind auch die Bürgermeister in Stralsund und Greifswald. Beide Städte tragen zum neuen Staatstheater jeweils über drei Millionen Euro bei, deutlich mehr als jeder andere Träger. Dennoch sollen sie mit allen anderen Trägern auf einer Stufe stehen und im Zweifelsfalle auch nicht intensiver bespielt werden als zum Beispiel Neustrelitz. Schon ab 2018/19 soll es einen gemeinsamen Spielplan geben.

Im Gegenzug verspricht das Land in der Zielvereinbarung als Mehrheitsgesellschafter der neuen Theater-GmbH einzusteigen und die Kosten für Fusion und den Personalabbau von 106 Stellen auf dann 420 Stellen zu übernehmen – etwa 1,9 Millionen Euro. Auch beim angestrebten Stellenabbau tragen Stralsund und Greifswald den Löwenanteil.

Die Bürgermeister in Stralsund und Greifswald sind auf Tauchstation. Aus dem Stralsunder Rathaus heißt es knapp, die Verwaltung bereite eine Entscheidungsgrundlage für die Bürgerschaft vor. Was darin steht – Fragezeichen. Linkspolitiker Koplin moniert, dass die Zielvereinbarung des Kultusministers kommunale Beschlüsse „komplett ignoriert“, und dass für die Versprechen des Landes im derzeitigen Haushaltsplanentwurf 2016/17 keine Gelder vorgesehen sind. „Das geht so nicht“, sagt er. Brodkorb entgegnet knallhart: „Irgendwann muss entschieden werden.“ Seit dem Theatergipfel im Dezember seien zehn Monate in Land gegangen.

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