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Fritz-Reuter-Bühne : Komik und Tragik im Leuchtturm

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Premiere der Fritz-Reuter-Bühne mit „Ünner’t Lüchtfüer“ im Großen Haus des Mecklenburgischen Staatstheaters Schwerin

Die Fritz-Reuter-Bühne präsentierte mit ihrer jüngsten Premiere am Dienstagabend im Großen Haus des Staatstheaters ihrem Publikum mit „Ünner’t Lüchtfüer“ ein ganz neues Stück, eines, das weder aus dem Englischen oder aus dem Hochdeutschen importiert werden musste, sondern aus der Mitte des niederdeutschen Sprachraumes gleich fürs plattdeutsche Theater geschrieben wurde.

Die Welt ist rund, ein Leuchtturm auch. Und in einem solchen fokussiert Autor Arne Christophersen das Schicksal seiner Figuren mit ihren guten und besonders den weniger guten Eigenschaften. In dem kleinen Raum zwischen den kunstvoll verrosteten Blechwänden des Turmes (Ausstattung Harry Behlau) lässt er sie Boshaftigkeit und Güte, Feigheit und Selbstbewusstsein, Liebe und Abneigung, Spaß und Traurigkeit, Leben und Tod zelebrieren.

Regisseurin Katharina Waldmann genannt Seidel inszenierte dieses leicht irreführend als Komödie (Tragikomödie wäre zutreffender) avisierte Stück mit einem ambitionierten vierköpfigen Darstellerensem-ble. Mit sicherer Hand umschifft die Inszenierung die Klippen solcher Stücke. Die komödiantischen Szenen zu Beginn; komisch, aber nicht klamottig; die tragischen berührend, aber nicht rührselig; die Kurve dazwischen rasant, aber ohne Überschlag.

Andreas Auer als boshaft gnadderiger Leuchtturmwärter Paul gibt einen vom Leben gebeutelten Eigenbrötler mit der Haar- und Barttracht eines Karl Marx, der ganz dringend mal zum Friseur müsste. Sein Auftritt mit Kettensäge: furchterregend; sein Wortschatz zu Beginn: Knurren, Brummen, Grunzen, schrille Pfiffe, mit denen er seinen unfreiwilligen Assistenten Bengt (Jens Tramsen) nahezu pausenlos terrorisiert und ihn zusätzlich mit sinnlosen Verhaltensregeln piesackt.

Tramsen spielt diesen Bengt fast ein wenig zu viel als Weichei, einen Loser ohne Selbstwertgefühl, der den Dienst auf der Leuchtturminsel nur aus Angst vor einer drohenden Haftstrafe tut. Er redet viel und trägt immer T-Shirts mit dusseligen Sprüchen. (Paul: „Bi den’n quasseln sogor de Klamotten“).

Beide Figuren müssen sich ändern, um miteinander auskommen zu können. Und dafür sorgt Pauls Tochter Nina (Tina Landgraf), die zum ersten Mal ihren Vater im Leuchtturm besucht. Tina Landgraf gibt hier die resolute Deern, die den verkorksten Typen den Kopf zurechtsetzt, bis alles anders kommt, als man erwartet...

Als Vierter im Bunde spielt Christoph Reiche den Inselpostboten Herbert, den einzigen Menschen, der mit Paul einigermaßen kann und sich – meist erfolglos – um Vermittlung zwischen ollem Gnadderkopp und Jungspund bemüht. Reiche sorgt auch für die musikalische Untermalung der Szenenwechsel. Dafür hat er eigens Seemannslieder u. a. von Lale Andersen, Hans Albers, Lolita und Freddy Quinn gecovert, am Akkordeon begleitet von Dirk Rave.

Das Premierenpublikum hat sich offenbar mit diesem Balanceakt zwischen Komik und Tragik anfreunden können. Es gab mehrfach Szenenapplaus und einen herzlichen Schlussbeifall.  
Nächste Vorstellungen
im E-Werk Schwerin:
1. und 15. 2., 18 Uhr,
11. und 12. 2. 19.30 Uhr

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