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Kultur : Klares Ja zum Theaterstandort Parchim

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Landrat favorisiert Neubau oder Sanierung an gleicher Stelle / Auch Theater im Osten des Landes mahnen Unterstützung an

„Wir spüren eine Welle der Sympathie. Das Telefon steht nicht mehr still“, beschrieb Theaterintendant Thomas Ott-Albrecht gestern Mittag sichtlich gerührt die Lage am Tag der Schließung des Mecklenburgischen Landestheaters.

Auch wenn noch offen ist, ob es einen Neubau gibt oder das Haus saniert werden kann: Parchim bleibt Spiel- und Produktionsort. Landrat Rolf Christiansen, der auch Vorsitzender des Theater-Zweckverbands ist, erklärte gestern: „Das ist gesetzt.“ Christiansen hält es persönlich für „das Sinnvollste, am Standort in der Blutstraße zu bleiben“. Wenn alles gut läuft, könnte Ende 2016 das Theatergebäude saniert oder neu gebaut sein.

Zum Entschluss, das Theater sofort für den Publikumsverkehr zu schließen, habe es keine Alternative gegeben, sagte Intendant Thomas Ott-Albrecht: „Diese Entscheidung hat sich keiner leicht gemacht.“ Dass es hier und da im Theater knarrt und knarzt, es also Probleme mit dem alten Bau gebe, sei länger bekannt gewesen. Rolf Christiansen: „Altbauten haben so ihre Eigenarten.“ Deshalb habe es auch immer wieder Prüfungen gegeben. Am Mittwoch spitzte sich die Lage zu. Mitarbeiter des Fachdienstes Bauordnung und ein Statiker nahmen die tragenden Balken unter dem Zuschauerraum der Hauptbühne in Augenschein. Was sie sahen, alarmierte die Fachleute: Ausgerechnet die Balken, die im Zuschauerbereich den Fluchtweg tragen sollen, sind so verschlissen, dass die Köpfe nicht mehr tragen. Deshalb, so der Landrat, habe es keine andere Möglichkeit gegeben, als das Haus sofort für den Publikumsverkehr zu sperren. Derzeit prüfen die Experten, ob die Theatergaststätte geöffnet bleiben kann – aber nur, wenn es unbedenklich möglich ist. Neben Problemen mit dem Blitzschutz, der maroden Elektroanlage und dem Brandschutz setzte ein Wasserschaden den Brettern, die die Welt bedeuten, zu.

Wie geht es nun weiter? Christiansen verwies auf die deutliche Aussage des Kultusministers bezüglich einer Summe von drei Millionen Euro, die dann aber im Theatervertrag nicht mehr auftauchte. Auch der Kreistag hat sich bereits klar zum Landestheater Parchim bekannt, auch zur Sanierungsabsicht. Unabhängig von der aktuellen Lage sei bereits ein Gutachten in Arbeit, das in sechs bis acht Wochen klären solle, ob und wie die Fritz-Reuter-Bühne im Gebäude in der Blutstraße arbeiten könne.

Abstriche bei den Vorstellungen soll es nicht geben, hieß es gestern. Allerdings fallen die am Mittwoch („Emmas Glück“) und am nächsten Sonnabend („Die Mausefalle“) geplanten Vorstellungen aus. Für die anderen Vorstellungen wurden Ersatzspielstätten organisiert. Künftig sollen die Stadthallen in Parchim und Ludwigslust, der Veranstaltungssaal „Remise“ am Landratsamt in Parchim und der Theaterraum im Ludwigsluster Kulturzentrum „Zebef“ bespielt werden.


Land könnte im Osten
bei Theatern einsteigen


Kulturminister Mathias Brodkorb (SPD) verwies gestern darauf, dass im Osten des Landes die Reform der Theater und Orchester vorankommt. Die Kreise Mecklenburgische Seenplatte und Vorpommern-Rügen sowie die Städte Greifswald, Neubrandenburg, Neustrelitz und Stralsund hätten eine Absichtserklärung dazu mit dem Land unterschrieben. Darin sei geregelt, das die Bühnen und Ensembles im Osten nicht benachteiligt werden dürfen, sollten im westlichen Landesteil Strukturveränderungen unterbleiben. Wenn im Osten tragfähige Strukturen entwickelt werden, sei die Landesregierung bereit, sich an Umstrukturierungskosten und Investitionen zu beteiligen. Nach 2020 sei auch eine Landesbeteiligung möglich.

Hintergrund dieser Vereinbarung ist, dass das Land die vier großen Theater und Orchester seit Jahren zu Zusammenschlüssen drängt. Rostock hat sich aber einem Zusammengehen mit Schwerin bisher verweigert. Im Osten sollen das Theater Vorpommern mit Stralsund und Greifswald sowie die Theater- und Orchester GmbH Neubrandenburg/Neustrelitz und die Bühne in Anklam kooperieren.

Laut Brodkorb erarbeitet die Unternehmensberatung Metrum bis Mitte 2014 zusammen mit den Theatern Zukunftsmodelle. Von der neuen Theaterstruktur erwartet das Land eine größere Effektivität. Die Bühnen sollen bis 2020 mit den 35,8 Millionen Euro Landeszuschüssen pro Jahr auskommen, die seit 1994 unverändert sind.

 

 

 

 

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erstellt am 18.Jan.2014 | 00:34 Uhr

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