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Schweriner Gemälde vom FBI entdeckt : „Kinder im Park“ zu Hause

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Aus einem Schloss in Mecklenburg verschwindet 1945 ausgelagerte Museumskunst. Die Sowjets sind dort die Besatzer. Jetzt kehrt ein Gemälde ins Staatliche Museum Schwerin zurück - aber aus Amerika. Verschlungene Wege.

svz.de von
erstellt am 26.Sep.2014 | 20:44 Uhr

Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden sie im Staatlichen Museum Schwerin vermisst. Doch dank eines „Fahndungsfotos“ im Internet wurden sie vor gut einem Jahr von der amerikanischen Bundespolizei FBI im Süden der USA ausfindig gemacht. Gestern konnte Museumsdirektor Dirk Blübaum die „Zwei Kinder im Park“, die der Niederländer Adriaen Hanneman   vor   knapp 400 Jahren malte, „hoch erfreut“ der Öffentlichkeit präsentieren.

Das Bild ist ein wichtiges Beispiel für die Portraitmalerei der damaligen Zeit, sagte der wissenschaftliche Mitarbeiter des Museums, Gero Seelig. Das Kunstschätzchen war während des Zweiten Weltkrieges in ein Depot im Schloss in Ivenack gebracht worden – und danach verschwunden. Vor neun Jahren meldete sich ein Informant aus den USA beim Schweriner Museum. Der hatte einerseits das Gemälde bei einer „einflussreichen Familie“ im Süden der USA entdeckt und fotografiert und andererseits die Verlust-Anzeige des Schweriner Museums in der Internetdatenbank Lost Art gesehen.

Vier Jahre versuchte das Museum per Email und bei Telefongesprächen, von dem Hinweisgeber genauere Informationen über die Besitzer des Bildes zu bekommen. Der Kontakt jedoch riss ab. Das Museum gab deshalb die Daten des Informanten ans Generalkonsulat der USA in Frankfurt/M. weiter. Dennoch war Museumsdirektor Dirk Blübaum „überrascht“, als ihm vor einem Jahr das FBI mitteilte, es habe die „Zwei Kinder im Park“ in New Orleans im US-Staat Louisiana ausfindig gemacht. Die Besitzer waren „sich über Herkunft und Wert nicht bewusst“, so Blübaum. Sie stimmten dennoch der Rückgabe zu. Experten bezweifeln allerdings das angebliche Unwissen. Das Museum zahlte nach eigenen Angaben nur den Transport des Bildes nach Schwerin. Zum Wert des Gemäldes wollte sich Blübaum nicht äußern.

Im 18. Jahrhundert hatte es der damalige Herzog bei einer Auktion zusammen mit einem anderen Bild für „186 Mark“ erworben. Vom 24. Oktober an wird es in der Ausstellung „Kunstraub/Raubkunst“ in Schwerin zu sehen sein.

Kurz nach Beginn des Zweiten Weltkrieges begann das Museum, seine Kunstschätze in Sicherheit zu bringen. Sie wurden in den Luftschutzkellern des Schweriner Schlosses und rund 15 Depots außerhalb eingelagert. 162 Gemälde und andere Kunstwerke kamen ins Schloss in Ivenack. Nach dem Ende des Krieges war das Depot geplündert. Nachfragen und polizeiliche Ermittlungen in den Dörfern der Umgebung brachten manche Museumsstücke wieder zum Vorschein.

Berichte kamen auf, wonach die sowjetische Besatzungsmacht Einheimische für Handlangerdienste mit Gemälden aus dem Kunstdepot bezahlt habe. 69 Jahre später werden dennoch 91 der in Ivenack eingelagerten Gemälde weiterhin vermisst. Ähnliche Verluste verzeichnete die Museumsleitung in den Depots in Hohenzieritz, Mirow, Bellin und später auch in Schwerin.

Weit über 1000 Objekte hat das Schweriner Museum bei der Datenbank Lost Art (Verlorene Kunst, www.lostart.de) gemeldet.

Seit gestern sind dort auch weitere 141 Gemälde eingestellt, deren redlichen Erwerb das Schweriner Museum nicht belegen kann. Viele dieser Bilder sind nach 1933 ins Museum gekommen. Die Kunsthistorikerin Susanne Fiedler hatte in einer umfangreichen Studie versucht, ehemalige Eigentümer von Bildern zu finden, die möglicherweise von den Nazis geraubt oder erpresst wurden. Dabei waren ihr auch die nun veröffentlichten Gemälde aufgefallen.



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