Hans-Fallada-Tage in Carwitz : Keiner feiert für sich allein

Ort voller Geschichte(n): Das Fallada-Haus in Carwitz, Ort der Hans-Fallada-Tage
Ort voller Geschichte(n): Das Fallada-Haus in Carwitz, Ort der Hans-Fallada-Tage

Viertel-Jahrhundert Hans-Fallada-Tage in Carwitz / Erinnerungen an Lesungen mit Strittmatter und Hein

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27. Juli 2015, 12:00 Uhr

Wie gemalt liegt das kleine Haus am Carwitzer See: Ein weiter Garten mit Obstbäumen grenzt an das weiße Wohnhaus mit dem großen Erker, der den Blick auf das Wasser und den Sommertag gewährt. Die Schritte der Gäste finden wie automatisch den Weg zwischen Wohnhaus und ausgebauter Scheune. Beinahe alle kennen die Räume des Hauses, ihre Ausstellungsstücke und vor allem die Geschichte des Menschen, der hier wirkte und dem dieses Gelände gewidmet ist – dem Autoren Hans Fallada.
Und auch wenn die 25. Hans-Fallada-Tage, zu denen etwa 1000 Besucher erwartet wurden, mit Lesungen zeitgenössischer Autoren, Gedenkveranstaltungen für einen Komponisten und sogar, als ungewöhnliche Neuerung, einem Konzert einer Rockband, die an Brecht erinnert, garniert wurden, schwebte über der dreitägigen Veranstaltung doch ständig der Geist des Mannes, der im Jahre 1893 unter dem Namen Rudolf Ditzen geboren wurde.

Es hat etwas von einem Familienfest, wie die Menschen aus allen Teilen Deutschlands und darüber hinaus zusammenkommen: Kaffee trinken, in Büchern blättern, sich nach Jahren wiedertreffen und den Worten über den einen Schriftsteller lauschen und sich selbst in jene Gespräche vertiefen.

Doch warum gerade Fallada? Diese Frage konnte häufig gestellt werden und doch ähnelten sich die Antworten. Er gelte als Seismograph der politischen Zeit und beschreibe die jeweiligen Auswirkungen auf die Menschen und ihrem Streben nach Glück, heißt es. Die Bücher hätten eine immer wiederkehrende Aktualität, meint die Bürgermeisterin der Gemeinde Feldberger Seenlandschaft, Constance Lindheimer. „Fallada begleitet mich seit über 50 Jahren. Es fing an, als ich lesen lernen wollte und aus dem Regal meiner Eltern ein Buch mit einem hübschen Bild gezogen habe – Falladas ‚Damals bei uns daheim’, und seitdem verfolgt er mich“, erzählt Johannes Schläpfer, der aus der Schweiz, bei St. Gallen, angereist ist und seine Abschlussarbeit an der Universität Bern über Fallada schrieb.

Das verbindet ihn mit der jetzigen Dr. Sabine Koburger, die ihre Doktorarbeit „Der Autor und sein Verleger, Hans Fallada und Ernst Rowohlt in Verlags- und Zeithorizonten“ vorstellte. „Ich bin vor einiger Zeit in Altersteilzeit gegangen und wollte diese für etwas Besonderes nutzen und mir einen Traum erfüllen. Dass es bei meiner Doktorarbeit um Fallada gehen sollte, war schon länger klar und so habe ich mich in die Archive begeben“, so die ehemalige Stralsunder Deutschlehrerin. Herausgekommen ist nach ihren Worten ein Buch, das auch für den Laien gut lesbar sei.

Doch waren die meisten Besucher an diesem Tage in Bezug auf Fallada keine Laien und selbst größtenteils Mitglieder der Hans Fallada Gesellschaft e.V., die die Tage zusammen mit dem Literaturzentrum Neubrandenburg ausrichteten. Da dies bereits die 25. Auflage war, gab es Gelegenheit an das Geleistete zu erinnern. An die Kinderfeste, die bereits vor der politischen Wende jedes Jahr zu Falladas Geburtstag gefeiert wurden oder die Lesungen, Filmnächte und Anekdoten. „Wir erinnern uns z.B. an Jakob Hein, Sohn von Christoph Hein, der sich beim Spielen mit Kindern in Mecklenburg verirrte, während seine Leserschaft hier geduldig auf ihn wartete. Der, dann her- geleitet, mit seinem Auto den einzig freien Ausgang zuparkte und erst nach mehreren Minuten Hupkonzert sich zu erkennen gab und diesen räumte“, so die Vorsitzende der Gesellschaft Patricia Fritsch-Lange. „Oder von Eva Strittmatter, die mir einmal erzählte, wie sie sich mit ihrem Mann Erwin den Hof ansah, weil er diesen kaufen wollte, dann aber meinte ‚Ich kann hier nicht leben, hier ist der Geist von Fallada’“, wie Heide Hampel erzählt. Sie selbst war lange Jahre Geschäftsführerin des Literaturarchivs und in unterschiedlichen Funktionen in der Gesellschaft aktiv. Bei der ersten Ausstellung 1973 habe Falladas Witwe Zeitungsartikel herausgesucht. „So ist es dann langsam zu einer beispielhaften Kultureinrichtung samt Museum gewachsen“, erzählt sie.

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