Zappanale Bad Doberan : Jimis bestes Stück – Kunst oder nicht?

„Mein Dozent am College gab mir den Auftrag, etwas Stabiles zu gipsen“: Die US-Künstlerin Cynthia Plaster Caster posiert in ihrer Ausstellung „Penis Dimension“ in Bad Doberan.
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„Mein Dozent am College gab mir den Auftrag, etwas Stabiles zu gipsen“: Die US-Künstlerin Cynthia Plaster Caster posiert in ihrer Ausstellung „Penis Dimension“ in Bad Doberan.

Cynthia Plaster Caster hat in den wilden 60ern begonnen, Penis-Gipsabdrücke von Musikern zu fertigen – jetzt stellt sie an der Ostsee aus.

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16. Juli 2015, 08:00 Uhr

In einer Glasvitrine ist das beste Stück von Jimi Hendrix zu bestaunen. Nein, nicht eine seiner Gitarren, sondern ein Gipsabdruck seines Penis. Die Plastik aus dem Jahr 1968 ist einer der Hingucker einer Ausstellung beim Musikfestival Zappanale in Bad Doberan an der Ostsee. Geschaffen wurden die Skulpturen von der US-Künstlerin Cynthia Albritton, die ihre Arbeit nun das erste Mal außerhalb der Staaten zeigt.

Wie kommt man auf eine solche Idee, für die sicher nicht jeder Verständnis hat? Entstanden sei alles in Rahmen eines Uni-Projektes in den 1960er-Jahren, sagt die heute 68 Jahre alte Künstlerin. Es war die Zeit von sexueller Revolution, freier Liebe und Groupies, die ihren Stars auf Schritt und Tritt folgten. Als „Cock-Rock-Groupie“ hat Albritton, die sich selbst Cynthia Plaster Caster nennt, damals nach eigenen Angaben rund 50 Penisabdrücke erstellt. „Mein Dozent am College in Illinois gab mir den Auftrag, etwas Stabiles zu gipsen“, erzählt die Künstlerin mit den langen grauen Haaren. Anfang der 1960er-Jahre habe sie damit angefangen, Abdrücke erigierter Glieder zu fertigen.

Seit diesem Mittwoch können Besucher 25 Exponate anschauen. Dazu kommen fünf Brustabdrücke von Musikerinnen, die sie seit dem Jahr 2000 angefertigt hat.

Eigentlich sei es ihr zunächst gar nicht um die Plastiken gegangen, sie habe ihre Jungfräulichkeit verlieren wollen, räumt sie heute ein. „Ich fühlte mich zu den Künstlern hingezogen.“ Ihr Freund Joel Coplon sei der erste gewesen, von dem sie einen Abdruck nahm, Jimi Hendrix (1942 - 1970) der vierte. An diesem Donnerstag will Cynthia Plaster Caster den Besuchern bei einem Gespräch weitere Details verraten.

Es habe lange gedauert, bis sie das geeignete Material für die Plastiken gefunden habe. „Es handelt sich um Alginat, das auch Zahnärzte für Gebissabdrücke verwenden.“ Es härtet in einer Minute aus.

Kunstsachverständige sind verhalten bei der Beurteilung der Ausstellung. „Wenn eine künstlerische Intention da ist, kann es eventuell Kunst sein“, sagt etwa der Chef der Rostocker Kunsthalle, Jörg-Uwe Neumann. Es gebe ja in der Kunstgeschichte Beispiele für Darstellungen von Sexualität. Möglicherweise gehe es bei Albritton nur um die Sensation, dann sei es populistisch.

Für Cynthia Albritton haben die Werke künstlerischen Wert und sie seien von anderen Menschen größtenteils positiv aufgenommen worden. Dennoch bekennt sie: Der Spaß habe keine unwichtige Rolle gespielt.

Jimi Hendrix war der berühmteste Musiker, von dem Albritton einen Abdruck erhielt. Die Arbeit im Jahr 1968 sei aber nicht problemlos gelaufen. „Die Plastik war zuerst rissig, letztendlich haben wir sie aber in ein echtes Prachtexemplar verwandelt.“ Davon habe sie 30 Kopien angefertigt, 27 davon seien verkauft.

Sie werden mit rund 3000 Euro das Stück gehandelt, berichtet der Kurator der Ausstellung, Robert Reidt. Es habe lange gedauert, Cynthia mit ihren Exponaten nach Bad Doberan zu holen. Der Name „Penis Dimension“ stammt von den Zappanale-Organisatoren.

Mit der Zappanale ehren die Organisatoren einmal jährlich den 1993 gestorbenen Rockstar Frank Zappa. In diesem Jahr sind zehn Musiker dabei, die noch mit ihm gearbeitet haben. Zappa selbst sei es gewesen, der Cynthia Plaster Caster nach Los Angeles geholt und sich dort finanziell um sie gekümmert habe, sagt Zappanale-Sprecher Thomas Weller. „Sie hat aber keinen Gipsabdruck von seinem Penis gemacht.“

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