Open Air Hasenwinkel : Jazz und Klassik Hand in Hand

Fazil Say versunken in Gershwins Rhapsody in Blue für Klavier und Orchester – der Höhepunkt des Open Air   Fotos: Koslik/Ole soldatow
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Fazil Say versunken in Gershwins Rhapsody in Blue für Klavier und Orchester – der Höhepunkt des Open Air Fotos: Koslik/Ole soldatow

250 Leser trafen beim Open Air in Hasenwinkel Starpianisten Fazil Say, Alexander Shelley und Festspiel-Intendanten Markus Fein

Karin.jpg von
02. August 2015, 21:00 Uhr

Ein Orchester aus 100 engagierten jungen Musikern, ein Starpianist ohne Starallüren und ein Dirigent, dessen Moderation ebenso mitriss wie das gesamte Programm – dazu blauer Himmel, sattgrüne Picknickwiesen und endlich wieder sommerliche Temperaturen: Für knapp 1400 Gäste der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern, darunter 250 Leser unserer Zeitung, waren dies am Sonnabend die Zutaten für ein unvergessliches Konzerterlebnis im Schlosspark Hasenwinkel.

Die Junge Norddeutsche Philharmonie unter Alexander Shelley und der Pianist Fazil Say hatten für den Abend ein Programm erarbeitet, in dem Jazz und Klassik Hand in Hand gingen. Ob Ravels „La Valse“, George Gershwins „An American in Paris“ und die „Candide“-Ouvertüre oder die „West Side Story“ von Leonard Bernstein – immer waren auch die einzelnen Stimmen im Orchester gefordert, konnten sich Solisten mit ihren Instrumenten hervortun, bevor sie dann wieder zu einem homogenen Klangkörper verschmolzen.

Als „einen Reigen von schönen Themen, die alle Ohrwürmer sind“ interpretierte Fazil Say als Höhepunkt des Konzerts Gershwins „Rhapsody in Blue“ in der Ausführung für Klavier und Orchester. Jazz- und Latein-Effekte wechselten rasend schnell mit klassischen Themen ab, fließend die Übergänge zum Orchester.

„Ich spiele die Rhapsody seit fast 30 Jahren und habe sie wahrscheinlich schon mit mehr als 100 Orchestern gespielt – trotzdem ist es immer wieder eine Freude“, hatte der aus der Türkei stammende Pianist vor dem Konzert in einer exklusiven Gesprächsrunde mit dem stellvertretenden Chefredakteur Max-Stefan Koslik und Festspiel-Intendanten Dr. Markus Fein Lesern verraten. Open Airs hätten für ihn einen ganz besonderen Reiz. Zwar würden Wind, Bewegungen und Nebengeräusche „eventuell kleine Verluste im Sound“ mit sich bringen, doch das einmalige Ambiente mache dies mehr als wett. Nur eines könne ihm einen Auftritt unter freiem Himmel verleiden: „Mein größter Feind sind Mücken und Insekten“, erzählte Say. Alexander Shelley, der Chefdirigent der Nürnberger Symphoniker, unterhielt mit Anekdoten aus der aktuellen Übungsphase der Jungen Norddeutschen Philharmonie. Das Orchester vereint Studierende aus ganz Norddeutschland, aber auch aus dem Ausland, für jeweils zwei bis drei Probenphasen im Jahr. Seit Montag wurde in Rostock am Programm gearbeitet, das außer in Hasenwinkel noch auf drei weiteren Konzerten aufgeführt wird. Neun Stunden täglich hätten die jungen Leute hart gearbeitet – und anschließend ebenso intensiv gefeiert, verriet Shelley.

Ernster wurde er, als ihm die Frage gestellt wurde, wie es gelingen könne, mehr junge Leute an klassische Musik heranzuführen. Vielleicht, so der gebürtige Brite, müsse man erst ein gewisses Alter erreichen, um sich ihr zuzuwenden – so wie auch bei klassischer Literatur. Oder beim Golf. Aber: „Wir erleben eine faszinierende Zeit, in der die steifen Rituale eines victorianischen Konzerts aufgebrochen werden“, das eröffne neue Chancen. Am Sonntag würde das Orchester zum Beispiel in Berlin ein Konzert zusammen mit einem Discjockey geben – auch das sei ein Weg, um ein jugendliches Publikum zu interessieren. Den Künstlern allein werde das aber nicht gelingen, meinte Fazil Say. Auch Schule und Medien seien gefordert, Klassik für alle verständlich und attraktiv zu machen.

Bei Erika und Helmut Gall, die aus Malchow bei Parchim nach Hasenwinkel gekommen waren, braucht man für klassische Musik nicht zu werben. Sie sind regelmäßige Konzertbesucher. Und sie haben die Liebe zur Musik weitergegeben: „Unser Sohn hat als Klarinettist im Landesjugendorchester gespielt“, verriet Erika Gall. Künstler auch neben der Bühne und im Gespräch zu erleben, das hat dem Ehepaar am Sonnabend besonders gefallen. „Schade, dass nicht noch mehr Besucher diese Möglichkeit genutzt haben“, bedauerten beide. Im kommenden Jahr wird es diese Gelegenheit auf jeden Fall wieder geben. Denn auch dann wird unsere Zeitung Lesern wieder ein Konzert in Hasenwinkel präsentieren.

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