Rückblick 2013 : Jahr der Romantik und der Querelen

„Klosterruine Eldena im Riesengebirge“ von Caspar David Friedrich  Repro: Pommersches Landesmuseum
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„Klosterruine Eldena im Riesengebirge“ von Caspar David Friedrich Repro: Pommersches Landesmuseum

Welch ein Theater um die Theater im Land! Aber zum Glück lebte die Kulturszene auch von tollen Festivals, Ausstellungen, Konzerten…

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30. Dezember 2013, 20:48 Uhr

„Es waren zwei Königskinder, die hatten einander so lieb…“ Moment! Wir wollen doch auch am Ende des alten Jahres bei der Wahrheit bleiben. Lieb hatten sie sich durchaus nicht, die Kultur, speziell die Theater auf der einen und die Kulturpolitik, namentlich die Theaterpolitik, auf der anderen Seite. Aber, und da können wir das alte Lied getrost wieder anstimmen, zueinander konnten auch sie nicht kommen, die Orchestergräben waren viel zu tief.

Würde man das Theater, die Schauspieler und Musiker nicht so sehr lieben, im zurückliegenden Jahr hätte man die Lust an den Musen gründlich verlieren können. Da wurde vom Kultusministerium bei der Münchner Unternehmensberatung Metrum ein Gutachten zur Rettung der dauerinsolventen Bühnen in Auftrag gegeben. Darin wurde den Theatern dann Stellenabbau, Kooperation oder Fusion untereinander und Spielplanausdünnungen vorgeschlagen. Bei Unbotmäßigkeit drohte Minister Brodkorb mit der Kürzung von Subventionen. Das Ergebnis: Theater gingen trickreich halbherzige Kooperationen ein (Anklam/Neustrelitz) oder verweigerten sie (Rostock) oder schienen sich um sie zu bemühen (Schwerin/Parchim). Am Ende blieb, um mit Shakespeare zu reden, „viel Lärm um nichts“. Oder sollten wir lieber von der erfolglosen „Zähmung der Widerstenstigen“ reden?

Auch wenn die Theater natürlich nicht nach dem Motto „Was ihr wollt“ wirtschaften können – was ist das denn für ein Umgang zwischen den Theatern/ Orchestern und der Kulturbürokratie, wenn mehr übereinander als miteinander gesprochen wird? Wie gut, dass bei all den Querelen die Theater im Land dennoch ein so lebendiges Programm auf die Beine stellen. Unser Wunsch für 2014: nicht mehr über Theaterpolitik reden, nur noch über Theater schwärmen.

So wie wir über das zurückliegende Kulturjahr schwärmen können. Das zudem ein ziemlich romantisches war. Denn mit Blick auf den 240. Geburtstag Caspar David Friedrichs starteten Museen, Landestourismusverband, Landesmarketing, Hinstorff-Verlag u.a. ins „Jahr der Romantik“, um den Norden als Sehnsuchtsland von Künstlern mehr in den Mittelpunkt zu rücken (www.natuerlich-romantisch.de).

An romantische Spielorte, in alte Scheunen, Gutsparks oder Schlösser luden auch die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern wieder Freunde klassischer Musik. In der Saison 2013 haben mehr als 67 000 Gäste die mehr als 100 Konzerte besucht, womit sich die Veranstalter zu den drei größten Klassik-Festivals in Deutschland zählen. Einer der Höhepunkte war zweifellos das Konzert der Wiener Philharmoniker im Landgestüt Redefin. „Damit ist ein Traum für mich in Erfüllung gegangen“, sagte der scheidende Intendant Matthias von Hülsen, der 17 der 24 Spielzeiten zu verantworten hatte. Er betrachte die Zeit in Mecklenburg-Vorpommern als „Geschenk“. In die „Wehmut“ des Abschieds mische sich vor allem Freude, etwas „Gelungenes“ zu hinterlassen, betonte der 70-Jährige, dem nun mit Markus Fein ein ebenso musikverrückter neuer Intendant folgen wird.

Über einen neuen Künstlerischen Leiter des Schweriner Filmkunstfestes Mecklenburg-Vorpommern dürfen sich auch die Filmfans des Landes freuen. Mit Volker Kufahl wird der ehemalige Leiter des Filmfestes Braunschweig endlich Ruhe und neue Akzente in das renommierte Festival bringen, dessen 22. Auflage 2013 neben 16 000 Besuchern auch Schauspiel-Stars wie Charly Hübner, Max Riemelt oder Ehrenpreisträger Michael Gwisdek besuchten.

Mit dem früheren Schweriner Schauspieler Sewan Latchinian als neuem Intendanten hat auch am Volkstheater Rostock eine neue Ära begonnen. Und vielleicht entscheiden sich die Rostocker bald für einen Standort ihres neuen Theaters – entweder am Hafen oder am Bussebart?

Dass Künstler von Weltrang wie Joe Cocker (Rostock), David Garrett (Ludwigslust) oder Kurt Masur (Usedom) Zehntausende anlockten, wird niemanden überraschen. Zumindest der Kontakt zwischen Künstlern und ihrem Publikum, zwischen Theatern, Orchestern, Galeristen und Museen scheint, trotz kulturpolitischer Bremser, gesund wie eh und je.

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