zur Navigation springen

Kinderbuchautor Janosch wird heute 80 Jahre alt : Ja zum Leben - ja, ja und ja

vom

Janosch ist ein Lügner vor dem Herrn. Dieser Satz würde ihm nicht gefallen. Denn mit dem Herrn hat er nichts am Hut. Ganz im Gegenteil. Und jemanden mit überbordener Fantasie als Lügner zu bezeichnen, ist auch gewagt.

svz.de von
erstellt am 10.Mär.2011 | 06:43 Uhr

Janosch ist ein großer Lügner vor dem Herrn. Dieser Satz würde ihm nicht gefallen. Denn mit dem Herrn hat er nichts am Hut. Ganz im Gegenteil. Und jemanden mit überbordener Fantasie als Lügner zu bezeichnen, ist natürlich auch sehr gewagt. Obwohl... Glauben sollte man wirklich nicht alles, was dieser Herr Janosch immer mal wieder von sich gegeben hat in seinem langen Leben, das heute genau 80 Jahre währt. Originalzitat Janosch: "Je älter ich werde, desto öfter lüge ich."

Die berühmte Tigerente etwa will er beim Zeichnen im Zoo erfunden habe. Als er mit den Elefanten fertig war, musste noch ein weißer Fleck auf dem Papier gefüllt werden. Was er auch tat. Irgendwie. Zu Hause will er dann genau dort die Tigerente entdeckt haben. Die kann er inzwischen überhaupt nicht mehr leiden. "Viel zu kitschig!" Richtig ärgerlich sei es, dass sein "künstlerisches Werk auf diese Figur reduziert wird".

Genau. Ein Geburtstagskind darf sich etwas wünschen. Lassen wir sie also in der Ecke stehen, die Tigerente. Schließlich gibt es ja all die anderen wunderbaren, seltsamen, liebenswerten und lustigen Figuren, von denen Janosch in mehr als 200 Büchern in Millionenauflagen erzählt hat. All die Kaninchen, Mäuse, Maulwürfe, Enten und Menschlein, die Emil Grünbär, Kasper Mütze, Onkel Poppoff, Löwenzahn, Fidelgrille und Seidenpfote heißen oder einfach nur Tiger und Bär. So wie die beiden Helden jenes Buches, mit dem Janosch 1978 berühmt wurde - "Oh, wie schön ist Panama". Damals bereits sein 70. Buch. Manchmal lässt sich Erfolg Zeit.

Abends einen halben Liter Rioja, nie mehr

Inzwischen fühlt sich der Erfolg so recht zu Hause bei Janosch, der am liebsten in seinem Haus auf Teneriffa in der Hängematte liegt und nicht mal mehr denkt. Behauptet er. Vom Schreiben ganz zu schweigen. Früchte holt er aus dem Garten, den Fisch unten im Hafen, abends gönnt er sich einen halben Liter Rioja. "Nie mehr." Als er sich einmal selbst beschreiben sollte, sagte er freimütig und natürlich unbedingt wahrheitsgemäß: "Autist, Ketzer, lümmelhaft, vertrottelt".

Das ästhetische Prinzip Janoschs lässt sich in ein Wort fassen: weglassen. Beim Zeichnen und Schreiben: So fällt es kleinen Menschen leicht, sich mit Schnuddelbuddel und Herrn Wuzzel anzufreunden. Jemand hat herausgefunden, dass Meister Janosch in den meisten Kinderbüchern mit einem Wortschatz von 300 Wörtern auskommt. Typische Janosch-Geschichten spielen in ländlichen Idyllen, in denen nur eine Autorität das Sagen hat: die Fantasie. Für Erwachsene Eintritt verboten! Es geht um Abenteuer, Freiheit, Freundschaft, immer herrscht eine Atmosphäre kreativer Unvernunft. Marie Rolka, die 2009 eine Ausstellung mit über 800 Janosch-Arbeiten betreute, warnt davor, seine Figuren als naiv zu betrachten, sie seien allenfalls unschuldig und immer "belebt vom ungetrübten Glauben, dass das Leben ein Geschenk ist."

Ja zum Leben, weil die Kindheit ein einziges Nein war

Ja zum Leben, weil die Kindheit für Horst Eckert, so Janoschs wirklicher Name, in einer armen oberschlesischen Bergarbeitersiedlung ein einziges Nein war. Der Vater ein Säufer, der ihn schlug. Der Schulweg "wie mit Glasscherben gepflastert, über die er mit nackten Füßen gehen musste … die Kirche, wo ihn die Strafe und Rache Gottes erwarteten, und die Schule, in der er gedemütigt und verprügelt wurde". Was eine seiner Romanfiguren erlebt, ist nichts anderes als die Erinnerung an eigenes Leid.

Überhaupt die Romane. Jenseits von Schnuddel und Tigerente hat Janosch seit den 70er-Jahren ein überraschendes belletristisches Werk für erwachsene Leser geschaffen. Romane, in die er eigene Biografie geflochten hat, voller skurriler Leute, die sich lustvoll und manchmal nahezu erleuchtet durchs Leben schlagen. Und auch hier lügt, nein fantasiert Janosch mit der Wirklichkeit um die Wette.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen