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Theaterlandschaft in MV : Intendant Kümmritz übernimmt

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Der Generalintendant des Mecklenburgischen Staatstheaters Joachim Kümmritz soll – wie wir gestern berichteten – ab 1. März Intendant und Geschäftsführer in Neustrelitz/Neubrandenburg werden.

Das ist bühnenreif: Die Gesellschafter der Theater- und Orchester GmbH Neubrandenburg/Neustrelitz rufen nach der Amtsniederlegung von Theaterdirektor Wilhelm Denne Ende letzten Jahres jetzt ausgerechnet jenen Intendanten zur Hilfe, dessen Handeln bislang bei allen Theaterleitungen außerhalb der Landeshauptstadt auf Kritik stieß: Der Generalintendant des Mecklenburgischen Staatstheaters Joachim Kümmritz soll – wie wir gestern berichteten – ab 1. März Intendant und Geschäftsführer in Neustrelitz/Neubrandenburg (250 Angestellte) werden – zusätzlich zu seiner Aufgabe am Sechs-Sparten-Theater mit 330 Mitarbeitern in Schwerin.

Die Deutungen, was das für die Theaterlandschaft in MV bedeutet, schossen gestern ins Kraut. Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD) wurde selbst überrascht, hatte er doch erst vor wenigen Tagen mit den Theatern im Osten des Landes einen Reformvertrag abgeschlossen. Er lässt einen Sprecher ausrichten: „Ich weise darauf hin, dass sich die Träger der Theater in den östlichen Landesteilen im Letter of Intent verständigt haben, Leitungspositionen in den Theatern im Einvernehmen mit dem Land zu besetzen. Das Meinungsbild der Landesregierung zu dieser Personalie ist noch nicht abgeschlossen.“ Heute soll eine Entscheidung fallen.

Selbst der Aufsichtsratsvorsitzende des Mecklenburgischen Staatstheaters und Schwerins Stadtpräsident, Stephan Nolte, zeigte sich „überrascht von der schnellen Entwicklung“. Unisono mit Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow (Linke) spricht er von einem „Akt der Solidarität“. Gramkow gestern gegenüber unserer Redaktion: „Wenn man eine Frage bekommt mit der Bitte um Hilfe, ist man solidarisch.“ Sie sagt aber auch: „Das ist eine gute Auszeichnung für Herrn Kümmritz, und das ist gut für Schwerin.“ In der Landeshauptstadt muss zwar noch der Aufsichtsrat des Theaters zustimmen, aber in Neustrelitz scheint schon alles klar: „Wir haben mit Joachim Kümmritz einen sehr kompetenten und engagierten Theatermacher für die Region gewonnen“, sagte der Landrat des Kreises Mecklenburgische Seenplatte, Heiko Kärger (CDU), einer der drei Gesellschafter der Theater und Orchester GmbH, an der mit 50 Prozent der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte, mit 40 Prozent die Stadt Neubrandenburg und mit zehn Prozent die Stadt Neustrelitz beteiligt sind. Dirk Rautmann, Schulamtsleiter und derzeit geschäftsführender Intendant, erläutert: „Es gab eine Sehnsucht nach einer künstlerischen Hand mit kaufmännischen Fähigkeiten, und die hat Herr Kümmritz à la bonheur.“

In Neustrelitz gibt es bereits Erfahrungen mit solchen Lösungen. Seit knapp zwei Jahren ist der Anklamer Intendant Wolfgang Bordel Schauspielleiter der GmbH. Allerdings war man in der Region nicht immer zufrieden mit Bordels Art zu inszenieren. Theaterpolitiker sehen in der Verpflichtung von Kümmritz die Absicht, erstmals eine Brücke zwischen den Theatern im Osten und im Westen MVs zu schlagen. Auch der Neustrelitzer Landtagsabgeordnete und CDU-Fraktionschef Vincent Kokert hofft auf Synergien, die man „sofort erschließen“ könne. Der Theaterexperte der Linkspartei Torsten Koplin aus Neubrandenburg spricht hingegen von einer „ungewöhnlichen Konstellation“. Fakt sei, die festgefügten Blöcke der Theater würden mit dieser Personalentscheidung aufgebrochen.

Und Joachim Kümmritz selbst? „Man kann zusammenarbeiten, deshalb muss man nicht fusionieren. Ich bin angefragt worden, und unter der Bedingung, dass alle zustimmen, habe ich gesagt, ich mache das. Ich kann Theater.“


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erstellt am 22.Jan.2014 | 07:30 Uhr

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