zur Navigation springen

Meisterzeichner : In memoriam Werner Klemke

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Galerie und Film erinnern in Neustrelitz an den Meisterzeichner

Ob „Hirsch Heinrich“, „Schneewittchen“ oder „Die Bremer Stadtmusikanten“ – Werner Klemke (1917-1994) hat sie alle gezeichnet. Aber auch unzählige Film- und Ausstellungsplakate entwarf der Berliner Buchgestalter. Mit einer Ausstellung erinnert derzeit die Galerie Neustrelitz an den Meisterzeichner, über den jüngst ein neuer Dokumentarfilm erschien. „Darin wird geschildert, wie Klemke als Soldat im Zweiten Weltkrieg in den Niederlanden Pässe für Juden fälschte, damit sie fliehen konnten“, sagt der Kunsthistoriker Raimund Hoffmann aus Neustrelitz.

Der Film „Treffpunkt Erasmus – die Kriegsjahre von Werner Klemke“ wird zum Ende der Ausstellung am 10. Dezember in Neustrelitz gezeigt.

Klemke habe „mit großem persönlichen Risiko“ das Leben von Juden gerettet und geholfen, „Dutzende von Menschen vor der Deportation zu bewahren“, erklärt Regisseurin Annet Betsalel auf einer Homepage des Filmprojekts. Nach dem Krieg sei er „einer der renommiertesten Grafiker und Buchkünstler der ehemaligen DDR und auch weit darüber hinaus“ geworden.

Klemke habe den Holzstich als Technik wiederbelebt, erläutert Hoffmann. 21 Klemke-Plakate hängen in der Galerie, ergänzt von den wichtigsten Kinderbüchern, die er meist komplett gestaltete und die teilweise – wie die Grimmschen Märchenbücher – millionenfach verkauft wurden. Die Plakatmotive reichen von „Sechse kommen durch die ganze Welt“ über den Trickfilm „Die Erschaffung der Welt“ von Jean Eiffel bis zu „Schneewittchen“. Auch Wechselplakate für die Filmlichtspiele schuf der Zeichner in den 1950er- und 1960er-Jahren.

„Klemke war Urberliner, der eine enge Beziehung zu Neustrelitz hatte“, sagt Hoffmann. Der 1917 in Berlin geborene Zeichner war 1956 Mitbegründer der Pirckheimer-Gesellschaft, die sich noch heute mit Buchkunst befasst. Neben den Märchen, dem „Magazin“ und vielen Arbeiten für den damaligen Kinderbuchverlag und andere Verlage gestaltete Klemke das „Decamerone“ des Dichters Giovanni Boccaccio und wurde 1975 Ehrenbürger der italienischen Stadt Certaldo.

Seine Arbeiten sind öffentlich allerdings kaum noch zu sehen. Das Gros des künstlerischen Nachlasses bekam nach dem Willen Klemkes ein Buchmuseum in Offenbach. „Diese Plakate gehören einem Sammler aus Augsburg, der fast alle Exemplare dieser Sammlung hat“, sagt Hoffmann. Auf die Idee für die Schau sei er durch den Künstler Werner Schinko gekommen, einen Schüler Klemkes.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen