Friedo Solter wird 80 : "In der Bühnenarbeit der Genialste"

<strong>Der Schauspieler und  Regisseur</strong> Friedo Solter<foto>dapd</foto>
Der Schauspieler und Regisseur Friedo Solterdapd

Er kann sich nicht ganz zurückziehen. Nie im Leben. Friedo Solter kniet sich nach 40 Jahren noch immer in seine Lebensleidenschaft: die Bühne. Heute wird der Regisseur und Schauspieler 80 Jahre alt.

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24. Juli 2012, 10:54 Uhr

Usedom | Er kann sich nicht ganz zurückziehen. Nie im Leben. Auch wenn Friedo Solter nach 40 Jahren auf den Brettern des Deutschen Theaters in Berlin und Arbeiten quer durch die Republik nur noch selten in den Feuilletons auftaucht, kniet er sich noch immer in seine Lebensleidenschaft: die Bühne. Heute wird der Regisseur und Schauspieler 80 Jahre alt.

Friedo Solter wohnt heute auf Usedom. Dort hat die Theaterlegende ihren Lebensmittelpunkt, was besonders der Insel zugute kommt. Er unterrichtet einen Monat pro Jahr an der dortigen Theaterakademie. Der Bert-Brecht-Schüler ist voll des Lobes über die Einrichtung: "Künstlerisch gesehen war das hier früher eine Eisinsel. Das ist jetzt anders!" Besonders lobt er die Leitung des Theaters Anklam, die diese Möglichkeit erst geschaffen habe.

Solter und die Jugend - diese Zusammenarbeit zieht sich durch sein gesamtes Schaffen. Schauspielerin Christine Schorn gerät, darauf angesprochen, ins Schwärmen: "Einen besseren Lehrer gibt es nicht. Wenn der nicht wäre, wäre ich gar nicht da." Schorn muss es wissen. Sie hat mit Solter Jahrzehnte am Deutschen Theater (DT) in Berlin gearbeitet. In der Bühnenarbeit mit jungen Leuten sei er einfach "der Genialste".

Christine Schorn sagt, sie sehne sich danach, wieder einmal etwas mit Solter auf der Bühne zu machen. Am liebsten natürlich an "ihrem" DT. Nur zum Hörer zu greifen, um irgendwo anzurufen, ist seine Sache nicht.

Eine weitere Größe, die neben Schorn auf tief gehende Erfahrungen mit dem Meister zurückblicken kann, ist Christian Grashof vom Deutschen Theater. Der Schauspieler lernte Solter Mitte der 1960er-Jahre im Fach Szenenstudium während seiner Ausbildung an der Staatlichen Schauspielschule Berlin kennen, wo Solter einst selbst gelernt hatte. Solter sei für ihn ein "Glücksfall" gewesen, sagt Grashof. "Ich habe bei ihm die große Lust erfahren, mit Literatur, mit Text zu arbeiten und damit umzugehen." Für sein Handwerk habe er von Solter "wahnsinnig viel" erfahren. Auch dass er ans DT gegangen sei, habe er Solter zu verdanken, der ihn bei seinem ersten Engagement in Karl-Marx-Stadt beobachtet und 1970 nach Berlin zurückgeholt hat.

Mit Genuss und Bewunderung erinnert sich Grashof an gemeinsame Arbeiten wie die "Torquato Tasso"-Inszenierung von 1975, die über die Landesgrenzen hinaus berühmt wurde. Im Defa-Märchenfilm "Sechse kommen durch die ganze Welt" von 1972 standen sie gemeinsam vor der Kamera, Solter als "Läufer", der junge Grashof als "Fiedler".

Für Solter hießen die "Wegweiser" seiner frühen Schauspieljahre Wolfgang Langhoff (1901-1966) und Wolfgang Heinz (1900-1984), erinnert er sich. Beides auch Intendanten am DT. Mit Heinz in der Titelrolle erarbeitete Solter die legendäre "Nathan"-Inszenierung von 1966, die bis 1975 gezeigt wurde. Überhaupt Theater: "Ich halte es für sehr wichtig. Es ist wie Archäologie, bei der man bohrt, was der Mensch ist, was ihn ausmacht, was ihn antreibt."

Und dann ist der Künstler wieder bei der Jugend. Denn auch, wenn er nicht mehr auf der Bühne steht, hat er noch immer große Lust zu arbeiten. "Ich hätte große Lust, ein Ensemble mit jungen Menschen zu leiten", sagt er.

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