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Im Reich der Kupferwesen

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erstellt am 24.Jun.2010 | 07:02 Uhr

Zinnowitz | Für Heike Stöckert ist es die vierte Spielsaison. Doch das Lampenfieber wird sie nicht los. Seit gestern steht sie für die neue Show der diesjährigen Vineta-Festspiele auf der Zinnowitzer Ostseebühne. Sie gehört zu den sechs Laiendarstellern, die neben gestandenen Schauspielprofis in der Rolle von Fabelfiguren, sogenannten Eisenwesen, das neue Stück "Vineta - Der blaue Saphir" präsentieren. Gestern Abend war Premiere.

Heike Stöckert muss nur kurze Passagen sagen. "Aber das macht riesigen Spaß", sagt sie. Vor Jahren hat sie gleich neben der Waldbühne gewohnt und schon damals keine Probe ausgelassen. Irgendwann suchte die Vorpommersche Landesbühne in Anklam noch Amateure für Nebenrollen. "Da hab ich mich sofort gemeldet", sagt die 47-Jährige. "Ich wollte schon immer etwas ausprobieren, mal ein bisschen anders sein als im Alltag." Wenn man einmal auf der Bühne gestanden habe, bestätigt Christian Adam, 55-jähriger Maurer aus Groß Karrendorf und schon zu DDR-Zeiten Laiendarsteller, dann komme man da nicht mehr runter.

Vor 14 Jahren hatte Intendant Wolfgang Bordel die Open-Air-Festspiele über die legendäre, alle 100 Jahre den Ostseefluten entsteigende Stadt Vineta aus der Wiege geholt. Schon vier Jahre zuvor war sein Theater das erste, das im Tourismusland Mecklenburg-Vorpommern seine Darsteller nicht in die Sommerpause schickte und mit dem Theaterzelt "Chapeau Rouge" am Strand von Heringsdorf ein Kulturangebot zur Hochsaison etablierte.

Das Vineta-Spektakel aus Musik, Schauspiel, Tanz, Kampfszenen und einigen pyrotechnischen Spezialeffekten fällt mit einem Etat von rund 80 000 Euro zwar einige Nummern kleiner aus als etwa die Störtebeker-Festspiele auf Rügen. Doch mit der Einbindung von Einheimischen habe Bordel in der Region ein richtiges Theaterfieber entfacht, das auch Urlauber anstecke, sagt Mecklenburg-Vorpommerns Kultusminister Henry Tesch (CDU).

Während das benachbarte Theater Vorpommern aus Geldmangel in diesem Jahr erstmals auf Open-Air-Aufführungen in Stralsund und Greifswald verzichtet, hält Anklam an der gesamten Palette seiner Sommerangebote fest. Neben Vineta und den Theaterzelt-Aufführungen in Heringsdorf lädt das kleine Ensemble auch wieder zu Vorstellungen im Gleben Theater Zinnowitz, im Theatergarten Barth, zum Peenespektakel in Anklam und zur Komödie "Ein irrer Duft von frischem Heu" auf der Hafenbühne der Stadt Usedom ein. Mittlerweile entfallen beim Theater Anklam mehr als die Hälfte aller Einnahmen und Kosten auf die Sommer-Veranstaltungen.

Für die Reduzierung der Sommer spielpläne in anderen Theatern hat Bordel auch in Zeiten sinkender Fördergelder wenig Verständnis. "Wenn ich am Ende kein Geld mehr für den Sommerbetrieb habe, dann habe ich etwas falsch gemacht", sagt der Kulturpreisträger, der auch schon an der Garderobe ausgeholfen haben soll, wenn Not am Mann war. Nach seiner Meinung fehle es den Theatermachern allzu oft an Ideen.

Gerade die Vineta-Thematik biete viele Anknüpfungspunkte an die reale Gegenwart. "In Zeiten von Banken-, Auto- und Sonstwie-Krisen schwebt der Vineta-Geist von Habgier und Gewinnsucht doch ganz dicht über uns", sagt Bordel, der auch das Buch für die neue Vineta-Inszenierung schrieb.

Bis zum 28. August sind 38 Aufführungen geplant. Rund 20 000 Zuschauer werden erwartet. Im Mittelpunkt des diesjährigen Stücks mit rund 45 Darstellern steht die Frage, ob die menschlichen Gefühle stärker sind als die metallische Vernunft, sagte Bordel. Eine besondere Rolle spielt dabei ein mit Pyrotechnik ausgestatteter Schmelzofen. Die Musik steuerte Thomas Bürkholz bei - Mitbegründer der Klaus-Renft-Combo.

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