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Interview : „Ich liebe Mittelmeer-Krimis“

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Emma Wittenstein erzählt in „Aufruhr am Ryck“ vom alten Greifswald / Im Interview spricht sie auch über ihr Pseudonym

svz.de von
erstellt am 14.Apr.2014 | 11:50 Uhr

Regionalkrimis sind in – diesem Trend folgt auch der Rostocker Hinstorff-Verlag mit seiner Reihe „Ostseekrimi“, in der jetzt Emma Wittensteins Roman „Aufruhr am Ryck“ erschienen ist. Er spielt im historischen Greifswald. Ralph Schipke sprach mit der Autorin.

Ein mysteriöser Mord passiert in Greifswald – wir schreiben das Jahr 1491: Der stadtbekannte Hafenmeister wird erschlagen aufgefunden. Martin Haffer macht sich in der mittelalterlichen Hansestadt auf die Suche nach dem Mörder. Ist „Aufruhr am Ryck“ ein Buch für Krimifans oder doch eher etwas für Geschichtsinteressierte?

Wittenstein: Anfangs war Greifswald für mich in erster Linie ein Krimischauplatz. Beim Schreiben rückte jedoch die historische Bedeutung der Hansestadt immer stärker in den Vordergrund. Das liegt vielleicht auch daran, dass ich selbst gern historische Bücher lese. Greifswald bietet interessante Aspekte, die ich in die Geschichte einfließen ließ. Dadurch sollte das Buch Krimifans und Geschichtsinteressierten gefallen.
„Aufruhr am Ryck“ ist ihr zweiter historischer Krimi. Wie recherchieren Sie?
Zuerst habe ich einen Aufhänger für die Geschichte. Bei meinem Erstling war zum Beispiel von Anfang an das Motiv für das Verbrechen klar. Beim zweiten Krimi wusste ich, wer der Täter sein wird. Um diese ersten Anhaltspunkte schreibe ich die Geschichte. Ich setze mich dann in die Bibliotheken, recherchiere im Internet, vergrabe mich in Archiven. So arbeite ich mich vom Allgemeinen nach und nach in konkrete Sachen ein. Bei meinem ersten Buch war es eher die Medizinhistorie. Beim zweiten interessierte ich mich stärker dafür, wie das mittelalterliche Greifswald funktioniert hat – sowohl politisch als auch wirtschaftlich.
Haffer wird bei seinen Ermittlungen von dem Chirurgen Severo unterstützt. Deshalb gibt es im Buch viele detaillierte Beschreibungen von der medizinischen Arbeit des Chirurgen. Woher wissen Sie so viel über die Wundversorgung im Mittelalter?
Natürlich hat die Greifswalder Universitätsbibliothek, was Medizinhistorie angeht, einen guten Fundus. Dort konnte ich viel nachlesen. Selbst wenn die Aufzeichnungen aus späteren Zeiten stammen, half es mir, mich zu orientieren. Dazu kommt ein Teil Fantasie. Außerdem habe ich einen Vertrauten, mit dem ich mich gelegentlich über neuzeitliche Medizin austauschen kann.
Beim Lesen fällt Ortskundigen auf, dass sich die Stadtstruktur von Greifswald seit dem Mittelalter kaum verändert hat. War das ein Kriterium für Sie, die Geschichte ins Mittelalter zu verlegen?
Nein, aber der kaum veränderte Stadtgrundriss hat einen gewissen Charme. Die Straßen tragen zum Teil seit über 500 Jahren die gleichen Namen. Das erleichterte es mir, in die Geschichte einzutauchen und mich mit dem Protagonisten durch Greifswald zu bewegen. Dadurch stellte sich ein Gefühl von Heimat ein.
Wer die Geschichte liest, wird bemerken, dass es zwischen Mittelalter und Gegenwart erstaunliche Parallelen gibt: Politische Machtspiele, Gier nach Reichtum um jeden Preis. Sehen Sie diese Ähnlichkeit auch?
Parallelen zur Gegenwart zu ziehen, war ursprünglich nicht beabsichtigt. Aber im Schreibprozess ist auch mir aufgefallen, dass sich manche Dinge wiederholen. Vielleicht, weil sie in der Natur des Menschen liegen? Der beschriebene Aufruhr, der Wunsch nach Teilhabe an der Lenkung der Stadtgeschicke und nach sozialen Veränderungen, das gab es tatsächlich alles im Mittelalter und ist in unserer heutigen Welt nach wie vor aktuell.
Wie lange hat es von der Idee bis zum gedruckten Buch gedauert?
An meinem ersten Buch habe ich insgesamt sieben Jahre gearbeitet – recherchiert und geschrieben. Allerdings mit Unterbrechungen. Für den zweiten Krimi brauchte ich nicht mehr so lange.
Sie schreiben unter dem Pseudonym Emma Wittenstein. Warum? Und wie kamen Sie gerade auf diesen Namen?
Hauptsächlich wollte ich durch das Pseudonym eine gewisse Objektivität der Leser erreichen. Ich wollte nicht, dass die Geschichte mit mir als realer Person verbunden wird. Zudem möchte ich trennen zwischen meinem Beruf und meiner Krimileidenschaft. Mein Pseudonym habe ich so gewählt, dass ich mich gut damit identifizieren kann. Emma ist ein Persönchen, das mir sehr viel bedeutet. Und Wittenstein orientiert sich an einer Figur in Fantasy-Romanen von Christoph Marzi, die dort sehr gut gezeichnet ist und die ich aus künstlerischer Sicht wirklich sehr hoch schätze.
Was liest Emma Wittenstein, wenn Sie gerade kein Buch schreibt?
Historische Kriminalromane, vornehmlich im Mittelalter spielend. Der Stil ist genauso wichtig wie eine interessante Geschichte. Das gilt ebenso für Sachbücher. Hin und wieder lese ich auch zeitgenössische Krimis, zum Beispiel Andrea Camilleris Fälle des sizilianischen Commissario Montalbano. Andrea Vitali ist ein begnadeter Schreiber, und ich mag auch Maurizio de Giovanni mit seinem Commissario Ricciardi. Ich bin literarisch gern im Mittelmeerraum unterwegs. Weniger mag ich dagegen die skandinavischen Krimis. Sie sind mir einfach zu düster.

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