Polizeiruf 110 : „Ich hatte diese Vision“

„Polizeiruf“-Regisseur Eoin Moore während der Dreharbeiten in Rostock
„Polizeiruf“-Regisseur Eoin Moore während der Dreharbeiten in Rostock

Der Ire Eoin Moore hat für das erste „Polizeiruf 110“-Crossover die Ermittler aus Magdeburg und Rostock zusammengeführt

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24. September 2015, 12:00 Uhr

Erstmalig wird in der Krimireihe „Polizeiruf 110“ über Länder- und Sendergrenzen hinweg ermittelt. Kreativer Kopf hinter dem Zweiteiler „Wendemanöver“ ist  Eoin Moore. Der irische Regisseur hat schon mehrere „Polizeiruf“- und „Tatort“-Folgen umgesetzt. Über die Arbeit an der Doppelfolge, die in Rostock und Magdeburg spielt und am 27. September und 4. Oktober (20.15 Uhr) in der ARD ausgestrahlt wird, sagt Moore im Interview mit Carsten Rave:  „Ich hatte diese Vision.“ 

Zwischen den Schauplätzen Magdeburg und Rostock liegen 350 Kilometer. Auch Hamburg war dabei. War die logistische Herausforderung größer als die kreative?
Moore: Nein. Wir hatten das Doppelte der üblichen Drehzeit, etwa zehn Wochen. So konnten wir die Umzüge zwischen Rostock, Magdeburg und Hamburg gut verkraften. Schwieriger war es, das Team bei Kräften zu halten. Die Arbeitstage in der Vorbereitungs- und Drehzeit sind in der Regel zwischen 12 und 16 Stunden lang. Ein Kraftakt. Die dramatisch-kreative Herausforderung war deutlich größer. Co-Autorin Anika Wangard und ich haben das Projekt relativ spät übernommen – im August 2014. Wir mussten die zwei Drehbücher in sehr kurzer Zeit neu aufbauen. Dazu kam die Komplexität der Geschichte, die Menge an Recherchen und die Schwierigkeit, erzählerisch mit vier Kommissaren,  ihren Chefs und Assistenten umzugehen. Wir haben es nur geschafft, weil wir sechs Tage die Woche für zwölf Stunden mit rauchenden Köpfen am Schreibtisch saßen. Bis in die Drehzeit hinein wurde an den Büchern geschraubt.

Claudia Michelsen hat über Sie gesagt, Sie seien ein „starker Regisseur“. Wie und wo spiegelt sich diese Stärke in den 180 Filmminuten ganz besonders wider?
Danke Claudia! Also in einer Filmproduktion stecken so viele Gewerke, man muss überall ein bisschen stark sein. Am Anfang war die stressige Drehbuchentwicklung mit Produzenten, Redakteuren und Co-Autorin. Da bin ich als Erzähler gefordert. Dann die Dreharbeiten mit der Führung eines großen Ensembles und den hunderten ästhetischen, erzählerischen sowie logistischen Entscheidungen – eine völlig andere Aufgabe. Ich denke, ich schaffe es meistens, dass die Schauspieler sich wohl fühlen, Spaß haben und risikobereit bleiben. Danach sitzt man wochenlang im Schneideraum und versucht, zwei starke Filme aus dem Material zu machen. Schließlich arbeitet man an der Musik, was auch entscheidend sein kann. Wichtig ist es, eine klare Vision zu haben. Ich hatte diese Vision schon.

Das Tempo in „Wendemanöver“ ist schnell, die Dialoge griffig und die Fälle beider Ermittler-Duos sind dicht verwoben. Kann man nur so zwischen zwei Sonntagen die Spannung und Neugier halten?
Nein, es gibt viele Arten, Spannung und Neugier zu erzeugen. Unsere Geschichte erforderte den dichten Erzählstil. Wäre die Geschichte eher langsam, atmosphärisch und emotional, dann hätte ich das anders hergestellt. Dennoch bleibt die Aufgabe gleich. Es ist schon eine He-rausforderung, den Anschluss zu gestalten. Wie baut man den „Cliffhanger“? Wie kann man im zweiten Teil rekapitulieren, ohne die Geschichte aufzuhalten? Zum Glück hatte ich mit dem Rostocker ,Polizeiruf‘  schon Erfahrungen gesammelt, wie man in einem Sonntagabendformat die fortlaufende Erzählung mit dem Einzelfilm kombinieren kann.

Ihre Tochter Zoe spielt eine Schlüsselrolle. Wie ist das, mit dem eigenen Nachwuchs am Set zu sein und zu arbeiten?
Die Zusammenarbeit war großartig. Wir haben zuletzt  2006 zusammengearbeitet und da auch nur sehr kurz. Seit ihrer ersten Kinohauptrolle mit 13 Jahren arbeitet Zoe als Schauspielerin, aber ich hatte bisher nie eine Rolle, die für sie gepasst hätte.

Zur Person:
Der Regisseur und Drehbuchautor Eoin Moore wurde 1968 im irischen Dublin geboren. 1988 kam er nach Berlin, wo er an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Regie studierte. Moore gilt als Krimispezialist. 2010 war er unter anderem für die „Tatort“-Folge „Altlasten“ des Duos Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) für den Adolf-Grimme-Preis nominiert. Mit der Regisseurin Elke Weber-Moore hat er zwei Kinder, Zoe und Adrian. Beide arbeiten als Schauspieler.

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