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Hoffen auf neue Welterbe-Titel

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erstellt am 17.Jun.2011 | 05:03 Uhr

Paris | Es wäre eine riesige Ehre, aber auch eine gewaltige Verpflichtung: Mehr als 30 Orte in ganz Deutschland hoffen in diesem Jahr auf Glanz durch einen der begehrten Unesco-Welterbetitel. Neben fünf alten Buchenwäldern und dem Fagus-Werk im niedersächsischen Alfeld stehen 24 Pfahlbauten rund um die Alpen auf der Kandidatenliste, über die ab Sonntag in Paris abgestimmt wird. Zudem könnten zwei 1927 entstandene Wohnhäuser der Stuttgarter Weissenhofsiedlung den Titel der UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur erhalten. Sie gehören zum Werk des französischen Architekten Le Corbusier.

Sicher hat die Auszeichnung allerdings keiner der Bewerber - im Gegenteil. Die in vier Anträgen zusammengefassten "Kandidaten" müssen alle auf das Wohlwollen der 21 Unesco-Vertreter hoffen, die bis zum 29. Juni in Paris zu ihrer Jahrestagung zusammenkommen.

"Nichts ist entschieden", betont der Chef des Welterbezentrums, Kishore Rao, und verweist auch auf politische Überlegungen, die leider eine Rolle spielen könnten. Immer wieder hatte es in der Vergangenheit Kritik an der großen Zahl der Anträge aus Europa gegeben. Eigentlich darf ein Staat pro Jahr nur zwei Kandidaten bestimmen - davon ausgenommen sind allerdings länderübergreifende Bewerbungen wie für das Werk von Le Corbusier (1887-1965) und die Pfahlbauten.

Wenig Zweifel gibt es in Unesco-Kreisen nur am Erfolg der Fagus-Werk-Kandidatur. Die von dem Architekten Walter Gropius gemeinsam mit Adolf Meyer entworfene Schuhleistenfabrik gilt als Schlüsselbau der Moderne. Bis heute wird in dem lichtdurchfluteten Gebäude im südniedersächsischen Alfeld produziert.

Deutlich schwieriger dürfte es für die anderen drei deutschen Anträge werden. Die fünf als Naturerbe vorgeschlagenen Buchenwälder bei Angermünde, im Nationalpark Jasmund und Müritz-Nationalpark (Mecklenburg-Vorpommern), im Nationalpark Hainich in Thüringen und im Nationalpark Kellerwald-Edersee (Hessen) sollen nach Empfehlung von Unesco-Experten besser gemeinsam mit ähnlichen Wäldern in Bulgarien und Rumänien eingeschrieben werden - diese Länder haben aber noch gar keinen Antrag eingereicht.

Auch für das Le-Corbusier-Werk und die Pfahlbauten gibt es keine uneingeschränkten Gutachterempfehlungen.

In den betroffenen Regionen gibt man sich vorsorglich entspannt. Sollte es nicht klappen mit der Naturerbeliste, wären die ganzen Anstrengungen nicht umsonst gewesen, betont man im Brandenburger Umweltministerium zum Buchenwald Grumsin bei Angermünde. Schon jetzt sei das Interesse bei Besuchern merklich gestiegen. "Wir haben hier eine einmalige Kombination von Gewässern, Wald und Mooren", sagt Tilo Geisel vom Umweltministerium und verweist auf Stammgäste wie Kraniche und Schrei- und Fischadler.

Die Pfahlbauten in der Alpenregion wären aus Sicht des baden-württembergischen Landesamts für Denkmalpflege das erste archäologische Unterwasser-Denkmal auf der Unesco-Liste.

Wenn es klappt mit den Welterbe-Titeln, wartet überall viel Arbeit - für Generationen. "Die größte Herausforderung ist es, den Wert der Welterbestätten für alle Zeit zu erhalten", sagt die deutsche Unesco-Welterbeexpertin Mechtild Rössler. Egal in welchem Land.

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