Hintergrund : Historische Höfe in Gefahr

Jörg Mollnhauer engagiert sich für Gutsanlagen in MV.  Fotos: rahming
Jörg Mollnhauer engagiert sich für Gutsanlagen in MV. Fotos: rahming

Arbeitsgemeinschaft Gutsanlagen feiert 20-jähriges Jubiläum

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20. Juni 2015, 16:00 Uhr

Mecklenburg-Vorpommern ist das Land mit den meisten Gutsanlagen – europaweit. Etwa 1500 sind erhalten, knapp zwei Drittel davon denkmalgeschützt. „Etliche weitere hätten diesen Schutz ebenfalls nötig“, sagt Jörg Mollnhauer von der Arbeitsgemeinschaft Erhaltung und Nutzung von Gutsanlagen in MV. Viele Objekte sind inzwischen saniert und werden als Hotels, Ferienanlagen oder Wohnungen genutzt. Die Schlosshotels in Teschow und in Dassow sollen demnächst zu Privatkliniken werden.

Doch nicht alle historischen Bauten sind gut gepflegt – fast ein Viertel der geschützten Objekte ist von akutem Verfall bedroht. „Vor allem durch fehlende Dachziegel oder defekte Regenrinnen droht Gefahr“, weiß Mollnhauer, der sich seit knapp zehn Jahren in der Arbeitsgemeinschaft engagiert. „Üppige Vegetation, die die ungenutzten Gebäude einschließt, hält die Feuchtigkeit drinnen und schädigt die Substanz.“ Es gibt Gutshäuser, deren Eigentümer mit der Sanierung begonnen hatten, dann jedoch aufgaben. Inzwischen wurden wertvolle Teile gestohlen, die Häuser blieben ungeschützt zurück.

Die Arbeitsgemeinschaft versucht, die Besitzer wenigstens zu einer Notsicherung zu bewegen – mit wechselndem Erfolg. „Manche Eigentümer sind nicht erreichbar und vernachlässigen ihre Objekte, andere wollen sie loswerden und investieren nicht mehr“, so Mollnhauer. Dabei könnte einigen sicher mit Fördermitteln unter die Arme gegriffen werden. „Doch die Behörden rühren sich erst, wenn der Besitzer seinerseits an sie herantritt. Wir würden es sinnvoll finden, wenn das Kultusministerium beziehungsweise die zuständigen Stellen in den Landkreisen auch von sich aus auf die Eigentümer zugehen würden. Denn sie haben das Denkmalschutzgesetz im Rücken, das ihnen Handhaben gegen die Vernachlässigung der Häuser gibt.“ Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Gutsanlagen glauben jedoch, dass der politische Wille fehlt, diese Zeugnisse der Vergangenheit zu erhalten. „Es genügt unseres Erachtens nicht, einige hervorragende Anwesen in den Himmel zu heben. Denn fast alle Dörfer haben oder hatten ein Gutshaus – das sind die Herzstücke der Orte. Wenn sie verfallen, ist das wie eine Wunde mitten im Dorf. Es sind echte Werte, die dort verloren gehen.“ Außerdem seien die Ämter mit zu wenig Geld und auch mit zu wenigen Mitarbeitern ausgestattet.

Am 4. Juli feiert die Arbeitsgemeinschaft Gutsanlagen ihr 20-jähriges Bestehen. Interessierte sind zu der Veranstaltung um 10 Uhr im Kornsaal des Thünen-Museums in Tellow willkommen.

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