zur Navigation springen

Bilder von Horst Holinski im Schweriner Schleswig-Holstein-Haus : Hingabe an das farbige Leben

vom

Italien! Land deutscher Sehnsucht, der Künstler zumal. Dürer 1505, Goethe 1786 - der Maler reifte zum Renaissancekünstler, der Dichter erlebte seine Wiedergeburt. Die Maler suchten das Licht.

svz.de von
erstellt am 22.Jul.2011 | 09:03 Uhr

Schwerin | Italien! Land deutscher Sehnsucht, der Künstler zumal. Dürer 1505, Goethe 1786 - der Maler reifte zum Renaissancekünstler, der Dichter erlebte seine Wiedergeburt. Die Maler suchten das Licht. Für die Ostdeutschen kam die politische Dimension hinzu: Weltanschauung sollte sein, die Welt anschauen jedoch lieber nicht; so war das Reiseziel nach dem Umbruch klar und die erste Postkarte kam vom Lago Maggiore.

Und Venedig! Horst Holinski, Maler aus Zittow vor den Toren Schwerins, war vor neun Jahren schon einmal dort, und nun, nach einem Winter des Missvergnügens und Krankseins, ist er mit seiner Frau erneut dahin aufgebrochen. Zwar war es März und nicht immer schien die Sonne, aber Ausläufer des Karnevals waren in den Straßen noch zu sehen. Ganze Familien im Kostüm, so erzählt der Maler, waren unter den Passanten, und es wirkte so, als ob Gegenwart und Vergangenheit wie selbstverständlich miteinander umgingen. Das muss einen Maler reizen. Er machte Skizzen, auch mit Farben, und so entstanden schließlich im Atelier neun großformatige Aquarelle, teils mit Acrylfarben kombiniert, die nun im Gartenhaus des Schweriner Schleswig-Holstein-Hauses ausgestellt sind.

Die Farbe hatte ihn wieder - kräftiger, als er sie davor den Zittower Jahreszeiten abgewonnen hatte. Es sind keine Ansichten eines Touristen, kein Markusplatz, keine Seufzerbrücke, sondern Figuren als Träger von Lebensfreude. Schon immer hat Holinski in seinen Bildern die Welt positiv gesehen und sich nachgestaltend zu ihrer Schönheit bekannt, zur Bildkunst als einer Erhöherin des Lebens ohne Idealisierung. Für ihn war der Neugewinn der Farben von Venezia ein Prozess der Gesundung, eine Therapie in einem höheren als in einem medizinischen Sinn.

Merkt man Holinskis "Gondel auf dem Canal Grande" noch am ehesten das direkt im südlichen Frühlingslicht Gesehene an, so fand er in den hochformatigen Karnevalsfiguren zu Farbzeichen als verschieden gesetzte Lebensakzente - als strahlende Fanfare die "Maskierte in Rot" und die "Maske mit Federn" in Blau, als ein anderer, reicherer Akkord die "Maske mit Vogel" in Blau, Gelb Grün.

Das sind keine Psychologien, sondern Typologien aus Farbe und Form. Die Frauenköpfe sind voll Hingabe an das Leben, der prächtige "Kavalier" hat den erotisch aggressiven Dreispitz auf dem Kopf und der "Pierrot" ist immer traurig; die Commedia dell`Arte, aus der er als Bruder des Arlechino stammt, zeigt eben feststehende Typen. Holinski will an dem venezianischen Thema noch weiterarbeiten. Architekturen, auch das Hinfällige der uralten Stadt am Lido warten auf eine Umsetzung im Atelier.

Die Venedig-Bilder sind in der Ausstellung in die Heimat eingebettet, nämlich in Holinskis fortdauerndes Bemühen, den Wechsel der Jahreszeiten als ein Bekenntnis zu Wandel und Gegensatz darzustellen, zu Lebensgesetzen, die uns alle erfassen und bestimmen. "Sommer im Garten", das "Kastanienbild" und "Boot am Schilf" sind Früchte des letzten Jahres. Seine Bilder, die er der Natur abgewonnen hat, stehen für das Werden und Vergehen, für Harmonie und Kontrast, gleich, ob er sich das Wachstum hinterm Haus, einen alten Baum oder das Farbenspiel von Blumen vornimmt.

Die immer neue Aufgabe vor der Staffelei ist es, Frische des Eindrucks und Bedachtsamkeit gegeneinander aufzuwiegen, so dass ein Drittes entsteht. Er schleudert seine Bilder nicht spontan hervor und die starken Farben sollen uns nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Maler sie wie ein Musiker komponiert.

Und dann zeigt uns Holinski den Hahn - ein Bildzeichen des Tagesanbruchs, aber ebenso der Männlichkeit und Fruchtbarkeit, dementsprechend die rotdominierte reiche Farbskala. Auch hier wieder der Weg des Künstlers von der Linie zur Fläche, von der Pinselzeichnung zum Acrylbild, ja, von der Natur zur Kunst. Vielleicht will der Maler uns mit seinem farbstrotzenden Hahn auch zeigen, dass er sich in seinem Schaffen der lebendigen Natur aufs Neue zugewandt hat.

Schleswig-Holstein-Haus Schwerin, Puschkinstraße 12, bis 7. August täglich von 10 bis 18 Uhr

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen