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25. Filmkunstfest MV : Heimspiel der Legenden

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Das 25. Filmkunstfest MV in Schwerin erfand sich vorsichtig neu – ohne im Jubiläumsjahr seine Wurzeln zu vergessen

von
erstellt am 10.Mai.2015 | 20:45 Uhr

Was der bekannteste und erfolgreichste deutsche Drehbuchautor nach der Verleihung des Ehrenpreises „Goldener Ochse“ am Sonnabend in seiner Dankesrede sagte, wäre auch ein gutes Motto für das gestern beendete 25. Filmkunstfest MV gewesen: Man müsse Filme machen (und zeigen), „die geeignet sind, das TV-Programm zu unterbrechen.“ Die erste Regel? Man darf das Publikum nicht langweilen.

Genau das hatten die rund 18 000 Zuschauer des sechstägigen Festivals nicht zu befürchten. 110 Filme und 140 Veranstaltungen vom Festivalkino Capitol über die nächtlichen Straßen Schwerins bis zu Speicher und Staatstheater sorgten für ein schwindelerregendes Programm, das manche Filmfestgäste, die natürlich nicht alles sehen konnten, auch ein wenig unzufrieden machte. Die Reaktion von Festivalchef Volker Kufahl, der dieses Fest der Künste zum ersten Mal vollständig selbst verantwortete: „Zu viel ist besser als zu wenig.“

So hatte man also die Qual der Wahl. Zwischen den Produktionen des Spiel-, Dok-, Kurz- sowie Kinder- und Jugendfilmwettbewerbs, denen aus dem Gastland Frankreich und denen der neuen Reihe „Focus Baltic Sea“ mit Produktionen aus den Ostseeländern. Von weiteren Reihen wie „gedreht in MV“ ganz zu schweigen.

Heimspiel der Legenden – auch das wäre ein Motto, das der Fülle des Programms gerecht geworden wäre. Dafür stehen Namen wie eben Wolfgang Kohlhaase,Gojko Mitic, der im Verlagshaus unserer Zeitung gemeinsam mit Thorsten Merten, Trevor Peters und Hasso Hartmann aus der Jubiläumsbroschüre zu 25 Jahren Filmkunstfest las.

Auch die Schauspielerinnen Ulrike Krumbiegel und Heike Makatsch in der Spielfilmjury oder Horst Westfahl, der im Film „Nachspielzeit“ zu erleben war und genau wie die Krumbiegel viele Jahre am Schweriner Theater engagiert war. Über die legendäre Band „Karussell“ wurde der Dok-Film „Vier Tage auf Hiddensee“ uraufgeführt, anschließend spielte die Gruppe ein begeisterndes Konzert mit alten Hits und neuen Liedern im Speicher.

Andreas Dresen zeigte in der Kohlhaase-Reihe seinen neuen Film „Als wir träumten“ und verriet, dass er an der Verfilmung des Fernsehklassikers „Timm Thaler“ für die Kino-Leinwand arbeitet. Zugleich versprach er, seinen Beruf zu wechseln, sollte dieses Projekt so wenige Zuschauer anlocken wie die Wendegeschichte „Als wir träumten“. Hoffentlich ein Witz!

Auch den charmantesten Kinokritiker Deutschlands, Knut Elstermann, diesmal Eröffnungs- und Abschlussgala moderieren zu lassen, war eine richtige Entscheidung. Zumal Kinoking Knut sehr schön zu Chaplins Kinoklassiker „Modern Times“, begleitet von der Mecklenburgischen Staatskapelle, passte. Vielleicht wäre es beim nächsten Filmkonzert eine gute Idee, die Musiker nicht im Orchestergraben zu verstecken?

Als Verbeugung vor den Festivalgründern plauderte Regisseur Leopold Grün mit Dieter Schumann, Jochen Wisotzki, Heinz Brinkmann und Edda Wanske. Ein Festival zu gründen sei immer risikoreicher, als ein etabliertes weiterzuführen, so Kufahl. Er war sichtlich gerührt, als Jochen Wisotzki ihm das einzige noch erhaltene Plakat des allerersten Filmkunstfestes schenkte.

Und sonst? Die Jurys verteilten ihre Preise gerecht auf viele verschiedene Filme – mit einem Doppeltriumph für die Schweiz.

Wenn sich nun die Sorge von Festivalchef Volker Kufahl nicht bewahrheitet, dass künftig die Gelder knapper fließen könnten, sollte auch das 26. Nichtjubiläumsfestival 2016 ein so starkes, anregendes, modernes Fest der Künste werden wie das 25.

 

 

 

 

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