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Premiere : Handel um eine Ehe

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

„Die verkaufte Braut“ von Bedrich Smetana steht vor ihrer Premiere im Mecklenburgischen Staatstheater

Es wird um eine Ehe gehandelt. Ökonomisch wie emotional. „Die verkaufte Braut“ von Bedrich Smetana, 1866 in Prag mit mäßigem Erfolg uraufgeführt, gehört seit der Überarbeitung und ihrem Petersburger Durchbruch 1871 zu den Evergreens der Opernwelt. Frank-Bernd Gottschalk, der „Carmen“ und „Freischütz“ bei den Schlossfestspielen herausbrachte, inszeniert die „Braut“ neu in Schwerin. Am Pult der Staatskapelle steht Gregor Rot, Andreas Paesler choreographiert das Stück, das stark von Polka und Furiant bewegt wird.

Es ist die tschechische Nationaloper. Der Komponist aber nannte sie gern Operette, hat er doch Volkslieder und -tänze aufgesogen. Ist die „Verkaufte Braut“ der Musikantenstadl der Oper? „Nein, mit Sicherheit nicht“, kontert der Regisseur im Gespräch vor einer Hauptprobe, „es ist eine sehr gute komische Oper. Und Komik hat immer zwei Gesichter: Wenn da kein Ernst in der Nähe ist, wird auch nichts heiter. Smetana hat das genau getroffen.“

Der Ort ist ein Dorf, wieviel Folklore muss sein? „Folklore, das heißt Tracht, benutzen wir nur bei der Familie des reichen Grundbesitzers Micha als Zeichen des Vermögens, alle anderen sind arbeitende, feiernde Bauern“, erläutert Gottschalk sein Konzept. Und er meint: „Die Tänze dieser Oper drücken eine Gefühlslage aus, nicht unbedingt Tracht, wenn alle sie trügen, würden sie nivelliert, dann wäre man in der Nähe vom Stadl. Übrigens ist die Geschichte nicht an Tschechien gebunden, sie kann in jedem ländlichen Raum zu jeder Zeit stattfinden. Auch heute wird oft nach dem Vermögen zusammengetan.“

Alles singt und klingt in dieser Oper, alles tanzt auch. Choreograph Andreas Paesler nennt den Grundgestus „heiter“. Es gehe tänzerisch um einen frohen Festtag auf dem Lande. Paesler sieht Smetanas genialen Zug in dem Kontrast zwischen unbeschwerter Polka der Feiernden und momentaner Traurigkeit von Marie, die gegen ihren Willen verheiratet werden soll.

Der Choreograph, der ausdrücklich die Zusammenarbeit mit dem Ballett-Ensemble lobt, schafft nicht einfach Tanzeinlagen, sondern gestaltet szenisch mit. „Zum Volkstanz Furiant zum Beispiel ist eine Kneipenszene entwickelt, mit zünftiger Keilerei. Der Tanz in dieser Oper ist automatisch folkloristisch, weil auch ein normal Gekleideter, der Polka tanzt, Folklore ist“, sagt Paesler. Logisch bestimmen Folklore-Elemente die Körpersprache, aber, merkt er an, „ein junges Paar tanzt auch mal einen Tangoschritt oder Cha-Cha-Cha, wie es auf Feiern eben so zugeht – ein Tanzmosaik.“

Muss in dieser Tanzoper auch die Szene tanzen? „Mit Polka“, lächelt der Regisseur, „habe ich nichts zu tun. Ich schaffe die Ausgangspunkte dafür.“ Und was die Inszenierung betrifft, fügt Gottschalk an: „Ich muss mich nicht als Regisseur auf der Bühne sehen, das Publikum will das Stück sehen, und das wird von den Darstellern getragen. Diese Oper hat viele Möglichkeiten der Interpretation, sie auf den Kopf zu stellen halte ich für die letzte. Wir zeigen einen Bilderbogen über Landleben mit verschiedenen Situationen und Befindlichkeiten.“



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