Kunst MV : Gutes Verhältnis zu Kitsch

Der Maler Arno Rink in seinem Atelier in Leipzig
Der Maler Arno Rink in seinem Atelier in Leipzig

Der Maler Arno Rink sieht sich auch mit 75 Jahren als modern – die Rostocker Kunsthalle zeigt seine Werke

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27. September 2015, 09:00 Uhr

Bekannt ist er vor allem als Lehrer des berühmten Malers Neo Rauch. Das habe ihn aber nie gestört, sagt der Leipziger Künstler Arno Rink. „Ich sehe meine ehemaligen Schüler als meine Kinder an, Eifersucht wäre da fehl am Platz.“ Heute wird der Maler 75 Jahre alt.

Geboren und aufgewachsen im thüringischen Schlotheim, hat Arno Rink fast ein halbes Jahrhundert an der renommierten Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig verbracht – erst als Student, dann als Lehrer, Rektor und Prorektor. Dabei erwarb er sich den Ruf als „Malermacher“ und „Vater der Leipziger Schule“. Erfolgreiche „Lehrlinge“ waren neben Neo Rauch auch Michael Triegel, Tim Eitel, David Schnell und Christoph Ruckhäberle.

Schon für sein Diplomwerk „Oktober I“ hatte Rink mit der damals in der DDR vorherrschenden Meinung von der Einheit von Zeit und Raum gebrochen. „Ich habe einfach kleinere Figuren vor größere gemalt“, erzählt er. „Man musste relativ schnell selbstständig werden und seinen eigenen Stil entwickeln.“

Seinem Stil ist der Künstler bis heute treu geblieben. Er versteht sich als „harter Kern der gegenständlichen Malerei“, wie er selbst sagt. Dass diese heute kaum noch gelehrt wird, macht ihm keine Angst. „Wenn ein Acker drei Jahre ergiebig war, darf er auch mal ein Jahr brach liegen.“

Dass er auch heute am liebsten weibliche Aktbilder malt, liegt an der Vorliebe seines Vaters für diese Art Kunst, sagt Rink. Das habe ihn geprägt. „Ich habe die Frauen immer geliebt.“ Und tatsächlich ist der Akt der Lichtpunkt in den oft so düsteren Bildern. Ein Modell gibt es dabei nicht – der Künstler malt aus seiner Vorstellung heraus. „So bin ich unabhängig, was Formen und Formulierungen angeht.“

Ein Lieblingsbild habe er nicht, jedoch ein gutes Verhältnis zu Kitsch, sagt Rink. „Wenn es gut gemacht ist, können auch Motive aus der Bibel heute noch schön sein.“

Mittlerweile teilt er sich sein Atelier mit seiner Tochter (!) Oskar. „Ich finde es schön, dass sie ihr eigenes Ding macht und nicht versucht, mich zu kopieren.“ Ans Aufhören denkt Arno Rink auch mit 75 Jahren keineswegs. Er sehe das Malen als seine Verantwortung. „Die Vorstellung, dass einige Bilder ungemalt bleiben, verfolgt mich.“

Die Rostocker Kunsthalle stellt derzeit 100 seiner Werke aus. Für Rink ist es auch eine Zeitreise in das eigene Schaffen. „Da hängen zum Teil auch Bilder aus meiner Hochschulzeit, da bin ich ein bisschen sentimental geworden.“

Er könne sich eben noch genau an das Glücksgefühl erinnern, wenn ihm ein Bild gelungen sei, sagt Rink. Er träume davon, mit seinen Werken auch nach seinem Tod Teil des Bewusstseins der Menschen zu sein. „So wie die Mona Lisa, die kennt ja auch jeder, ohne sie gesehen zu haben.“ Größenwahnsinnig solle das aber nicht klingen, betont er ausdrücklich.

Öffnungstzeiten:
Kunsthalle Rostock, Arno Rink Werkschau, bis 18. Oktober, Di. - So. 11 - 18 Uhr, Montag geschlossen

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