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Theater in MV : Gute Bilanzen – schlechte Aussicht?

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Gestern zogen die Theater im Land ihr Resümee der Spielzeit 2013/14

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erstellt am 01.Aug.2014 | 08:00 Uhr

Die Theater im Land ziehen Bilanz: Schwerin rechnet für die zurückliegende Saison 185 000 Zuschauer ab, 32000 davon allein bei der Sommer-Oper „Nabucco“. Die Theater- und Orchester GmbH Neubrandenburg/Neustrelitz zählte  126500 Besucher – nach eigenen Angaben das beste Spielergebnis seit 2009. Am Landestheater Parchim  kann man erst nach der letzten Saison-Vorstellung am 10. August eine Bilanz ziehen, aber bereits im Mai konnten 31 000 Gäste abgerechnet werden.  Am Volkstheater Rostock, wo zurzeit Spielpause herrscht, hat man den Vorhang vor den Zahlen  noch nicht gelüftet. Gemeinsam mit dem Kooperationspartner Parchim erreichte man  in  den vergangenen Jahren  um die 175 000 Besucher

Trotz  der Theaterreform  scheinen die Häuser gut gefüllt. Schwerins Generalintendant Joachim Kümmritz rechnet  sogar ein finanzielles Plus  ab. Nachdem das Mecklenburgische Staatstheater im vergangenen Jahr nach strikten Sparmaßnahmen und einem Pakt mit dem Land bereits zwei Millionen Euro Umstrukturierungshilfen erhielt, kann es in diesem Jahr mit weiteren 1,5 Millionen Euro rechnen – möglicherweise abzüglich der 175 000 Euro, die Kümmritz im Sommer zusätzlich einspielte.  Das  Staatstheater  ist aber derzeit auch das einzige Theater im Land, dass im laufenden Reformprozess sagen kann, wie es weiter geht.  Im August wird  eine Machbarkeitsstudie erwartet, die Aussagen über eine zeitweise Überdachung der Freiluftspielstätte auf dem „Alten Garten“ treffen soll. Anfang  nächsten Jahres beginnen die Verhandlungen über eine Landesbeteiligung. Die neue Intendanz für  das Zusammengehen  von Schwerin und Parchim soll im Frühjahr stehen.

In Rostock  hat  der neue Intendant  Sewan Latchinian am 20. September zu einem großen Eröffnungsspektakel unter dem Titel „1. Stapellauf. Neubeginn“ eingeladen und verspricht für die Saison 52 Neuproduktionen, in denen der Schauspieler seine Klasse als Intendant eines Vier-Sparten-Hauses beweisen will. Wann ein neues Theater gebaut wird, ist ungewiss. In Neustrelitz sowie Stralsund/Greifswald ist nach dem Fehlstart der Reformdebatte im Juni hingegen weiter alles offen.

 

KOMMENTAR von Max-Stefan Koslik

 

Streit  zu Lasten der Theater
Nein, die Theaterlandschaft in MV ist  noch lange nicht gerettet. Die guten Bilanzen, die wie üblich am Ende einer Spielzeit gezogen werden,  können nicht darüber hinwegtäuschen, dass   bald wieder der Ruf nach Geld durchs Land hallen wird.

Klar, die guten Zeiten, in denen  man in Schwerin  mit „Nabucco“ 79000 Zuschauer zog, sind lange vorüber. Überall wird Sommertheater versucht, mal besser wie in Wismar mit „Jedermann“, mal schlechter wie am Theater  Vorpommern mit den „Abrafaxen“ bei den Ostseefestspielen, wo Intendant Dirk  Löschner  jetzt Gefahr läuft, viel  Geld  zu versenken. Aber gut, man muss in der Kunst Neues probieren.

Für die Zukunft viel schwerwiegender ist hingegen, dass an den  Theatern zwischen Greifswald und Neustrelitz die Reformdebatte völlig vorbeigegangen zu sein scheint. Anstatt sich nach den jüngsten  Vorschlägen aus dem Kultusministerium  zusammenzusetzen und eine Strategie zu beraten, verlieren  sich die Kommunalpolitiker in Personaldiskussionen um Intendanten und  Generalmusikdirektoren.  Der Vorteil in Schwerin und  auch in Rostock war immer, dass die Politiker zu ihren Theatern stehen. Das scheint in Vorpommern noch lange nicht der Fall zu sein. Der Streit  der Politik geht  zu Lasten aller  Theater.

 

 

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