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Kunstmühle Schwaan zeigt Arbeiten von Fritz Brockmann : Gezwungenermaßen Künstler

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"Fritz Brockmann - Selbstbildnisse aus sechs Jahrzehnten" heißt die erste Sonderausstellung des Jahres in der Kunstmühle Schwaan. Zur Eröffnung sprach der Künstler über seine Arbeiten und ihren Platz in seinem Leben.

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erstellt am 21.Apr.2012 | 02:06 Uhr

Schwaan | "Fritz Brockmann - Selbstbildnisse aus sechs Jahrzehnten" heißt die erste Sonderausstellung des Jahres in der Kunstmühle Schwaan. Ein besonderer Teil eines Lebenswerkes wird gezeigt und der Gedanke an Abgeschlossenheit und Bilanz liegt nahe. Der Künstler Fritz Brockmann ist im Februar 75 Jahre alt geworden.

Zur Eröffnung seiner Ausstellung sprach der Künstler über seine Arbeiten und ihren Platz in seinem Leben. Der Weg von Eickhof bei Warnow, wo er seit langem zu Hause ist, in die Geburtsstadt Schwaan ist nicht weit. In dieser kleinen Welt wurden immer neue Anfänge gewagt. Aus der Provinz zu kommen und sich die Maßstäbe großer Kunst gegenwärtig zu halten, ist nicht einfach. Brockmann erinnerte an seinen Lehrer Herbert Wegehaupt, sprach über Momente am Rande des Lebens als Folge schwerer Krankheit.

Brockmann hat ein reiches Werk erarbeitet. Vielfältige Naturstudien, Bildnisse, zeitkritische Collagen, Installationen gehören dazu. Grafische Blätter stehen neben farbintensiven Arbeiten als Ergebnis eigenwilliger Experimente. Als Brockmann vor Jahren in der kleinen Bützower Galerie STINE ausstellte, habe ich die Bilder des Wassers und die einfachen Installationen bewundert. Wasserflächen, Wellen, das Spiel des Lichts, wie schwer ist das fassen! Ihm gelang es, er hielt das Uneindeutige fest. Und die Installationen erinnerten mich an elegante Lösungen mathematischer Gleichungen, sein zusammengefügtes Schwemmgut von der Küste sprach von Zufall und Gefährdung in unserer Welt.

Jetzt in Schwaan sind all diese Arbeiten im Atelier geblieben. Nur Selbstbildnisse zu zeigen, das ist ein Wagnis. Aber die Abfolge der Arbeiten wird sehenswert schon durch den Reichtum der zeichnerischen und drucktechnischen Mittel. Und nimmt man sich Zeit für die verschiedenen Blätter, ist eine spannende Geschichte zu ahnen. Frühe Arbeiten zeigen den ruhigen Blick und die Zuversicht des Zeichners, spätere sprechen in schwarzen Wirbeln von Angst und Zweifel, Ironie ist in jüngeren Blättern gegenwärtig.

Fritz Brockmann begann seine Arbeit 1961 als Lehrer in Bützow. Von der Achtung und dem Vertrauen gegenüber seinen Schülern sprechen viele bis heute. Den sozialistischen Schablonenmenschen gefiel das von Anfang an nicht, er wurde 1967 aus dem Schuldienst entfernt.

"Ich bin enthusiastisch in diesen Beruf gegangen. Ich wollte Pädagoge sein, Künstler bin ich sozusagen gezwungenermaßen geworden." Künstlerische Strenge, Weltoffenheit und bereit zu sein, einer Idee zu dienen - in den ausgewählten Selbstbildnissen ist diese Haltung zu finden.

Sie sind Antworten auf eine in die Tiefe reichende Frage "Wie finde ich mich in meiner Umgebung?" Nicht nur sich selbst sehen, sich durchschauen auf ein Größeres hin, das ist Brockmanns Absicht. Deshalb wird Gezeichnetes mit Geschriebenem verbunden, werden Zitate, Bekenntnisse zu Bestandteilen des Grafischen. Für den Betrachter ist das nicht leicht verständlich, wenn ihm die Situation, in der die Blätter entstanden, fremd bleiben muss. Wer weiß schon noch von Volker Brauns Stück "Lenins Tod"?

Alles in allem eine großzügig konzipierte Ausstellung in großer Vielfalt - mit Studien, Experimenten und Installationen.

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