Gewebte Träume

Der Dom von Christiane Dreyer
1 von 3
Der Dom von Christiane Dreyer

von
19. April 2010, 06:50 Uhr

Schwerin | Die ungewöhnlichen textilen Schöpfungen führen in Phantasiewelten von ganz eigenem Reiz. Objekte aus Stoff, Filz, Papier und artfremden Materialien tummeln sich in der Ausstellung "Art + Textil", die gegenwärtig im Schweriner Schleswig-Holstein-Haus zu sehen ist. Zehn Künstler aus Norddeutschland haben sich beteiligt, vorgestellt werden Gobelins, Stoffbilder, Gefilztes und Objektkunst.

In der großzügig komponierten Schau ist jedem Künstler ein eigener Raum vorbehalten. So hat der Besucher die Möglichkeit, jüngst entstandene Werke im Kontext mit lichten Räumen auf sich wirken zu lassen. Unter dem Motto "Heavy Metall" zeigt Anka Kröhnke aus Kühlungsborn ein Triptychon aus Aluminiumstreifen, die mit bunten Fäden verwoben sind. Das Wandbild "Motiv Großstadt" von 1994 wurde aus Aluminium drähten in farbig bemalter Kette gestaltet. "Ich bemühe mich, aus der jeweiligen Technik das Äußerste an kompositionellen Möglichkeiten herauszuholen", erklärt die Künstlerin ihre Arbeitsmethode. Die Kompositionen aus Metall und farbigen Fäden wirken verblüffend, kraftvoll und vollendet harmonisch.

Im "Salon der Fregatten" hat Klaus Meyer-Lürsdorf aus Kiel aus Vlies und bizarr geformten Ästen Objekte zu einer Rauminstallation geordnet, die der Phantasie des Betrachters viele Anregungen geben. Man denkt an ein Meer voller Schiffe, an den Zauber ferner Orte, an magische Zeichen.

Karin Schöpa aus Ahrenshoop ist mit Collagen und Applikationen vertreten, die zum Schauen und Staunen einladen. In satten Rot- und Grüntönen, lockendem Gelb prangen die Bilder zum Thema "Träume vom Glück" an den Wänden, unübersehbar, warm, einladend. Die Künstlerin sammelt Dinge und Gedanken, fängt an zu schneiden, zu drucken, zu nähen. Und das entstandene Bild weckt Assoziationen von Wärme, Wohlbehagen, Geborgenheit.

Ein untrügliches Gespür für Harmonie beweisen die jüngsten Arbeiten von Christiane Dreyer aus Bahlenhüschen bei Schwerin. Ihre Liebe zur Natur und ihre Beziehung zur Musik nehmen Gestalt an in der Reihe "Konzert", fünf Tafeln aus Gewebe, Wellpappe und Baumwolle. Die Referenzen von Melodie und Komposition, Rhythmus und Struktur, Ton und Form wirken streng, kühl und doch außerordentlich lebendig.

Wie ein buntes Spielzimmer erscheint der Raum, in dem Ursula Jaeger aus Bremen ihre "Spiel-Art" präsentiert. Spielkarten sind das Thema für farbenfrohe Gobelins. Bunte Spielbretter, Brettspielfiguren und Papierschiffchen laden zum Spielen mit den Augen ein. Dennoch ergibt die phantasievolle Figurenvielfalt ein subtiles Gleichgewicht von Ordnung und Unordnung.

In die Weiten des Weltalls reist Peter Horn aus Kiel mit seinen Tapisserien, die "Ring des Jupiters", "Vor der Landung im Kasei Vallis" oder "Wir setzen die Fahne" (zur Erinnerung an die Mondlandung der Amerikaner) heißen. Weben ist heute die bevorzugte Ausdrucksform des Künstlers: "Ich habe in früheren Jahren gemalt und auch plastisch geformt, aber keine dieser künstlerischen Tätigkeiten hat mir die gleichen Gefühle der Notwendigkeit und des Sinns meiner Arbeit, die gleichen Gefühle des Glücks gegeben, wie es das Bildweben vermag." Mit weiteren Arbeiten sind Thomas Cronenberg aus Hamburg, Heike Doll aus Retgendorf, Ute Gayk aus Bremen und Hanneke van Spaendonck aus Stade vertreten.

Der Titel der Ausstellung "Art + Textil" geht übrigens auf eine Tapisserie-Schau mit Künstlern aus dem Ostseeraum aus dem Jahre 1996 in Ahrensburg zurück. In den folgenden Jahren stellten norddeutsche Künstler an verschiedenen Orten aus. Die Schau, die die erstaunliche Vielfalt sichtbar macht, ist eine Bereicherung für den Schweriner Kunstfrühling.

"Art + Textil" zu sehen bis 25. April im Schleswig-Holstein-Haus Schwerin, täglich 10 bis 18 Uhr

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen