Gerne mal gefährlich

Alice Dwyer ist 22 - und spielt seit elf Jahren Hauptrollen. Gern auch böse Charaktere…Schroeder
Alice Dwyer ist 22 - und spielt seit elf Jahren Hauptrollen. Gern auch böse Charaktere…Schroeder

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05. Mai 2011, 06:22 Uhr

Ein bisschen hier winken, ein bisschen da posieren, gute Figur auf dem roten Teppich machen? Von wegen. Alice Dwyer hat viel zu tun auf dem Filmkunstfest, sie hat eine Hauptrolle in "Die verlorene Zeit", der heute Abend zum ersten Mal läuft, ein Interview jagt das nächste. In der Kurzfilmjury sitzt die Schauspielerin auch, und die Diskussionen dort dauern immer länger als eigentlich geplant. "Aber jetzt sind wir einig", sagt die Jurorin und verrät natürlich nicht, wer bei den Kurzfilmen das Rennen gemacht hat.

Gerade mal 22 Jahre ist die zierliche Schauspielerin alt "und seit elf Jahren im Geschäft", da muss sie selbst den Kopf schütteln, "manchmal finde ich das völlig absurd". In "Die verlorene Zeit" von Anna Justice spielt sie Hannah Silberstein, eine Jüdin, die ihre Liebe bei der Flucht aus dem KZ verliert und 30 Jahre später (nun gespielt von Dagmar Manzel) glaubt, ihren Tomasz in einer Fernsehsendung wiedererkannt zu haben.

Auf die Reaktion des Publikums ist Dwyer gespannt. "Ich freue mich total, wieder hier zu sein", sagt sie. Filmkunstfest-Stammgäste kennen die Schauspielerin spätestens seit 2005, als sie neben Jacob Matschenz in Till Endemanns "Das Lächeln der Tiefseefische" spielte. Der Film gewann den Publikumspreis. "Es war das erste Mal, dass ich mit Kollegen meines Alters gespielt habe. Naja, halbwegs. Ich war 16, die anderen Anfang 20."

Mit niedlichen Mädchenrollen hat sich Dwyer nämlich nie aufgehalten, ebensowenig macht sie heute Brot-Jobs in TV-Schmonzetten. In Philipp Stölzls "Baby" trug ihr 2002 die Rolle der 15-jährigen Lilli, die den Freund ihres Vaters verführt, Aufsehen und viel Kritikerlob ein. Aber immer nur solche Figuren, frühreife Früchtchen, gefährliche Frauen? Nein, danke. Die "Tiefseefische" kamen gerade recht, "es war wichtig, mal was Sanftes zu machen". Obwohl: "Arschlöcher zu spielen, macht schon Spaß."

Dwyer erzählt von ihrem neuen Dreh, "Drei Zimmer, Küche, Bad" von Dietrich Brüggemann um junge Leute, die ihren Platz im Leben suchen: "Eine Geschichte, die den Kern einer Generation trifft." Ach ja, Theater hat sie auch gerade zum ersten Mal gespielt, in Hannover. Ungewohnt sei das gewesen. Schließlich habe sie nie eine klassische Schauspielschule besucht. "Obwohl: Ich könnte mich ja noch bewerben." Sagt sie und muss lachen: "Ich glaube nicht, dass die begeistert wären."

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