Volkstheater Rostock : Gefeierte Premiere Mahagonny

Jasmin Etezadzadeh und Herren des Opernchors inszenieren den „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“.
Jasmin Etezadzadeh und Herren des Opernchors inszenieren den „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“.

Opernaufführung wird zur Demonstration für das gefährdete Volkstheater / Thierse kritisiert Theaterpolitik Brodkorbs

von
02. März 2015, 07:40 Uhr

Mit minutenlangem Applaus im ausverkauften Großen Haus des Rostocker Volkstheaters ist am Samstag die Premiere von „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ gefeiert worden. Der Applaus galt den Schauspielern, die nach Worten des Intendanten Sewan Latchinian wie noch zuvor in ihrer Existenz bedroht sind und trotzdem in den letzten Wochen hoch besonnen und motiviert geprobt haben. Dies sei ihrer Professionalität und Leidenschaft gegenüber dem Publikum, der Stadt und Mecklenburg-Vorpommern geschuldet, sagte er vor der Aufführung. In der Schlussszene trugen die Künstler Plakate mit Aufschriften wie „Kein Volkstheater“ oder „Kein Konzert“ - ein Bezug auf Mahagonny, in der stirbt, der kein Geld hat.


Thierse: Theaterpolitik überdenken


Die Rostocker Bürgerschaft hatte am Mittwoch auf Betreiben von Brodkorb und Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) mit knapper Mehrheit weitreichende Strukturveränderungen am Volkstheater beschlossen. Unter anderem sollen Musik- und Tanztheater künftig mit anderen Bühnen kooperieren. Nach Ansicht von Kritikern ist dies letztlich das Ende des Vier-Sparten-Theaters, 80 der 270 Stellen im Theater seien bedroht.

Es könnte passieren, dass es keine eigenständigen Premieren im Musiktheater mehr in Rostock gibt, sagte Latchinian.

In den Streit um die Zukunft des Volkstheaters griff auch der Chef des SPD-Kulturforums, Wolfgang Thierse, ein. In einem Brief an Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD) forderte der Alt-Bundestagspräsident, die Entscheidungen zum Volkstheater zu überdenken.

„Die Suche nach neuen Konzepten solle davon geleitet sein, die Attraktivität für die Stadt und die überregionale Ausstrahlung des Theaters zu stärken und nicht davon, es weiter zu reduzieren, ja letztlich kaputtzusparen“, heißt es in dem Brief, der unter anderem den Portalen „nachtkritik“ sowie „das-ist-rostock“ vorliegt.


Brodkorb verweist auf Koalitionsvertrag


Die sozialdemokratische Kulturpolitik in Mecklenburg-Vorpommern werde langsam auch für die Bundespolitik zu einem Problem, schreibt Thierse in dem Brief, der das Datum 19. Februar trägt – eine Woche vor der Entscheidung der Bürgerschaft. Die Beschlussvorlage war erst am Dienstag öffentlich zugänglich. Auch in Vorpommern stemmen sich die Kommunen gegen Fusionspläne der Landesregierung.

Thierse sei eine herausragende Persönlichkeit der SPD, er beantworte dessen Briefe gerne und ausführlich, aber nicht öffentlich, reagierte Brodkorb. Die Theaterreform sei im Koalitionsvertrag von SPD und CDU festgeschrieben, wurde von zwei Parteitagen mit breiter Mehrheit verabschiedet und damit zum verbindlichen Handlungsauftrag für die Landesregierung. „Es gehört auch zur Demokratie, solche Mehrheitsbeschlüsse zu respektieren“, sagte Brodkorb.

Nach Worten Thierses ist Kultur eine Pflichtaufgabe, die Sanierung von Haushalten dürfe nicht zu ihren Lasten gehen. „Kultur ist eine Investition in die Zukunft, die sich im Hinblick auf Demokratie und Standortattraktivität vielfach auszahlt.“ Wenn im Land eine Politik betrieben wird, die auf sozialdemokratischen Grundsätze keine Rücksicht nimmt, richte das Schaden an und beschädige das Ansehen der Sozialdemokratie, kritisierte Thierse den Parteifreund.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen