„Das Wunder von Bern“ : Fußballwunder kommt auf die Bühne

„Von allen Seiten einen guten Blick“, verspricht Laurenz Plassmann von der Bauabteilung für Stage-Theater-Entertainment – auch vom oberen Rang.
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„Von allen Seiten einen guten Blick“, verspricht Laurenz Plassmann von der Bauabteilung für Stage-Theater-Entertainment – auch vom oberen Rang.

Nach einer dreijährigen Bauphase steht das neue Theater an der Elbe in Hamburg – und auch das Musical für die Premiere steht fest: „Das Wunder von Bern“

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20. Februar 2014, 11:45 Uhr

Direkt an der Elbe liegt ein roter Teppich. Gegenüber steht die noch nicht fertiggebaute Elbphilharmonie. Der Weg endet in einem gläsernen Kassenbereich. Willkommen im neuen Stage-Theater in Hamburg. Zwei Glaspforten führen in das Foyer – bis dorthin ist der rote Teppich verlegt.

„Mit diesem Foyer wollen wir den Besuchern das Theatererlebnis schon beim Eintreten vermitteln“, sagt Laurenz Plassmann von der Bauabteilung für Stage-Entertainment, einem internationalen Theaterunternehmen, das u. a. die „Blue Man Group“ in Berlin oder das „Phanton der Oper in Hamburg“ produziert. Schon bei der Anfahrt ins neue Theater soll dieses ganz spezielle theatralische Flair erzeugt werden: Es gibt einen Bootsanleger, an dem Shuttle-Boote mit den Besuchern halten. „Eine kleine Hafenrundfahrt bis zum Theater kann gebucht werden. Das ist ein einmaliges Erlebnis.“

 


Das Zelt der Löwen nebenan

Das neue Theater steht nun auf dem ehemaligen Parkplatz des Theaterzeltes vom „König der Löwen“ – und somit in direkter Nachbarschaft. Gleichzeitig wurde aber noch ein Parkplatz neben das Zelt gebaut. Optisch ähneln sich die beiden Gebäude gar nicht – das eine ein Zirkuszelt, das andere ein imposantes gläsernes Theater. Aber eines haben beide Häuser gemeinsam – der Boden wurde angehoben, damit sie vor möglichem Hochwasser geschützt sind. „Im vergangenen Sommer hat das schon geholfen, denn die Elbe hat alles unter Wasser gesetzt, nur unsere Theater ragten heraus.“

Noch liegt Werkzeug am Rand des Foyers und Baustaub fliegt durch die Luft. Zwei Treppen führen vom Eingangsbereich hoch in den Theatersaal mit denSitzplätzen. Das Parkett besteht derzeit noch aus Klappstühlen. Und auch die hinteren Reihen führen noch wie eine breite Treppe hinunter. „Am Ende der Bauarbeiten werden den Besuchern 1850 Plätze auf insgesamt 4300 Quadratmetern zur Verfügung stehen“, erklärt Plassmann.


65 Millionen für das Rundum-Paket

Die Zuschauer werden im Rang oder im Parkett, je nach Kartenpreisen, sitzen. „Der Rang wurde extra weiter nach vorne und tiefer gehend gebaut, damit auch die Zuschauer in den hinteren Reihen eine gute Sicht haben.“ Denn Stage-Entertainment hat langjährige Erfahrungen mit Theatern: Der Konzert besitzt Häuser in Hamburg, Berlin, Stuttgart, Essen und Oberhausen sowie in Amsterdam, New York, Moskau und in Paris. Und hat u. a. Shows wie „Gefährten“, „I cant’t sing – The X-Factor Musical“, „Rocky“ in New York, „Singing in the rain“-Tour und „Tarzan“ im Repertoire. Die Investitionen für den Neubau in Hamburg liegen bei 65 Millionen Euro. Rund 100 neue Arbeitsplätze sollen dadurch geschaffen werden.

Stage-Entertainment muss all Investitionen selbst erwirtschaften, sagt Ursula Fröhlingsdorf von der Unternehmenskommunikation. Es gibt keine öffentliche Förderung. „In Deutschland machen wir einen Jahresumsatz von rund 300 Millionen Euro, weltweit im vergangenen Geschäftsjahr sogar 690 Millionen US-Dollar“, so Fröhlingsdorf weiter. In erster Linie erwirtschafte das Unternehmen die Einnahmen durch Ticketverkäufe.


Das Beste aus 25 Theatern vereint

Noch tanzen die Staubkörner in dem Licht der Scheinwerfer, aber schon bald sollen dies Darsteller tun, um die Zuschauer zu begeistern. „Aber da ist auch noch der Ausblick nach draußen“, erklärt Plassmann. „Den Besuchern wird von innen ein Blick über die Elbe geboten, der atemberaubend ist. Den gibt es so nur im Skyline-Restaurant“, erklärt der Bauleiter. Einen Platz dort gibt es jedoch nur, wenn auch ein Stück in einem der beiden Hamburger Theater besucht werde.

„Ich bin überzeugt davon, dass die Leute das neue Theater lieben werden“, sagt Plassmann selbstbewusst. Das Zelt vom „König der Löwen“ wurde schließlich vor 13 Jahren nur für das Theater umgebaut – diesen besonderen Theater-Charakter wie in dem Neubau hatte es aber nie. „Das Neue vereint die Vorzüge aller 25 Häuser von Stage-Entertainment – und das werden die Besucher auch spüren“, sagt Plassmann.

„Das Theater ist einfach wunderbar, man sieht und spürt, dass viel Arbeit, Zeit und Planung investiert wurden“, sagt die 54-jährige Hamburgerin Kim Moke, die das Theater bei einem Rundgang schon erleben konnte. „Ich habe mich in die letzten Reihen des Parketts und auch ganz oben in den Rang gestellt, um zu testen, ob man wirklich von überall auf die Bühne gucken kann. Es funktioniert.“

Der Inhaber von Stage-Entertainment, Joop van den Ende, ist ebenfalls stolz auf das neue Theater. „So kann sich Hamburg als Musical-Hauptstadt behaupten und wir haben einen neuen tollen Standort“, sagt der 72-jährige Holländer.

Auch Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz verweist auf die Bedeutung der Musicals für die Stadt: „Hamburg ist schon der drittgrößte Musicalstandort der Welt. Davon profitiert unsere Stadt: Millionen Besucher pro Jahr übernachten hier, gehen shoppen oder besuchen unsere kulturelle Einrichtungen.“ Neben dem neuen Musical laufen derzeit „Disneys Der König der Löwen“, „Rocky“ sowie „Das Phantom der Oper“.


Eine Geschichte über Neustart

Ab November 2014 wird dann das Musical „Das Wunder von Bern“ im neuen Stage-Theater zu sehen sein. „Es ist eine Geschichte über Neustart und Versprechen, die einfach rührt“, sagt van Enden. „Es ist ein wichtiges Stück deutscher Geschichte, und darauf können alle Deutschen stolz sein“, erklärt der Inhaber von Stage-Entertainment.

Das Stück nach Hamburg zu holen, war nicht so einfach, wie der Mit- Geschäftsführer Michael Hildebrandt sich das vorgestellt hat: „Als wir bei dem Regisseur des Films, Sönke Wortmann , anfragten, ob wir das Stück produzieren dürfen, hat er uns eine klare Abfuhr erteilt.“ Er selbst war darüber enttäuscht, verbindet Hildebrandt doch persönliche Erinnerungen mit dem Film. Als er mit seinen Schwiegereltern im Kino war, erzählte plötzlich der Vater Geschichten aus der Zeit, als er zehn Jahre alt war – genauso alt wie „Mattes“ im Film. „Diesen Kinobesuch werde ich nie vergessen.“

Sönke Wortmann dagegen sei kein Fan von Musicals und war von der Vorstellung, seinen Film umschreiben zu lassen, nicht begeistert. „Aber die Verantwortlichen haben nicht lockergelassen und schenkten mir schließlich Karten für das Musical ,Billy Elliot‘. Der Film ist zufällig mein Lieblingsfilm“, erzählt Wortmann lachend. Er war beeindruckt von der Vorstellung. „Und schließlich konnte ich nicht anders und habe zugestimmt. Ich freue mich schon sehr auf das Musical.“

Tickets für die Show können bereits im Internet bestellt werden.

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