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Ausstellung im Schweriner Museum präsentiert "Gläserne Pracht" : Funkelnde Kostbarkeiten vorgestellt

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Mit der Ausstellung "Gläserne Pracht" stellt das Staatliche Museum seine umfangreiche Glassammlung vor. Die opulente Schau spannt den weiten Bogen von antiken Gefäßen aus der Römerzeit bis zum Studiodesign der DDR.

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erstellt am 31.Mär.2011 | 10:04 Uhr

Schwerin | Mit der Sonderausstellung "Gläserne Pracht", die gestern Abend eröffnet wurde, stellt das Staatliche Museum Schwerin seine umfangreiche Glassammlung vor. Die opulente Schau spannt den weiten Bogen von antiken Gefäßen aus der Römerzeit bis zum Studiodesign der DDR, wie Antje Marthe Fischer, Kuratorin der "Gläsernen Pracht", betont. In der Ausstellung werden knapp 600 der schönsten Objekte präsentiert, so Pokale, Humpen, Zier- und Gebrauchsgefäße. "Damit ermöglicht die Ausstellung zugleich einen Streifzug durch die 2000-jährige Geschichte des Glases", sagte die Kuratorin.

Der Bestand, in langjähriger Forschung wissenschaftlich aufgearbeitet, umfasst 259 Glasgemälde vom 13. bis 19. Jahrhundert, rund 500 Hohlgläser aus den bekannten europäischen Herstellungsgebieten sowie 450 Arbeiten von Kunsthandwerkern aus der ehemaligen DDR. Die Sammlung geht auf die mecklenburgischen Herzöge zurück, die edle Gläser sowohl für den alltäglichen Gebrauch kauften als auch zur Bereicherung ihrer Kunstsammlung.

Vielseitiger Werkstoff mit langer Geschichte

Glas ist ein geheimnisvoller, wandelbarer Werkstoff. Es kann filigran erscheinen oder opak und schwer. Es kann in Farben glühen oder matt schimmern. Glas kann Licht bündeln und verstärken oder diffus ins Nichts streuen. Schon im alten Ägypten wusste man den Werkstoff herzustellen. Bereits 1250 vor Christus wurden aus Quarzsand und Pottaschen Glasblöcke hergestellt. Eine erste Blütezeit erlebte der Werkstoff im Römischen Reich. Die Römer konnten annähernd farbloses Glas durch die Beimengung von Manganoxid erzeugen. Mit dem Untergang des Römischen Reiches gerieten die hoch entwickelten Techniken zunächst in Vergessenheit.

Die berühmte venezianische Glasproduktion begann im 10. Jahrhundert in Anlehnung an orientalische Glasher-stellungstechniken. Die Gläser waren von hoher Qualität und entsprechend teuer. Venedig wurde zum Zentrum abendländischer Glasmacherkunst, zeitweilig waren bis zu 8000 Menschen auf der Insel Murano beschäftigt. In der Ausstellung sind einige wunderschöne Beispiele venezianischer Kunstfertigkeit zu sehen.

Besondere Aufmerksamkeit genießt bis heute das Goldrubinglas, das im 17. Jahrhundert hergestellt wurde. Rotes Glas war besonders schwer herzustellen, nur wenige Farbstoffe hielten den hohen Temperaturen im Ofen stand. Die Teekanne von 1690 wurde 1935 auf einer Berliner Auktion angekauft.

In den Jahren 1838 bis 1867 gelangte eine Reihe von mittelalterlichen Gefäßen in den Bestand, die zur Aufbewahrung von Reliquien gedient hatten. Großherzog Friedrich Franz III., der eine besondere Vorliebe für handwerkliche Kunstfertigkeiten hatte, gewährte auch dem Direktor des neuen Schweriner Museum großzügig Gelder für den Ankauf von Glasobjekten.

Nachdem das Porzellan alltäglich geworden war, erfuhr der filigrane Werkstoff zu Beginn des 19. Jahrhunderts eine neue Aufmerksamkeit, die Glashütten wetteiferten darum, farbloses Kristallglas zu erzeugen, das durch Brillanz und Klarheit bestach. Die Mode ging aber auch dahin, dem Glas das Aussehen von Halbedelsteinen, Porzellan oder Metall zu verleihen. Mit der Reiselust jener Zeit kamen "Reisegläser" in Mode, die geschnittene Ansichten von Sehenswürdigkeiten boten.

Jugendstil beeinflusste regionale Glaskunst

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts revolutionierte der Jugendstil auch die Glaskunst. In den europäischen Glaszentren entwickelten sich regionale Besonderheiten, wie in der Ausstellung zu sehen ist. Hier findet der Besucher Weingläser aus Deutschland, französische Vasen, die die berühmten Künstler Emile Galle und Daum Freres schufen, sowie aus Böhmen opulent verzierte farbige Karaffen, Vasen, Weingläser.

Glasdesign der Moderne krönt die glitzernde Schau. In den DDR-Glaszen-tren, aber auch an der Hochschule Burg Giebichenstein beschäftigten sich viele Künstler mit dem Werkstoff. Albin Schaedel hat in den 50er-Jahren die Thüringer Glaskunst entscheidend beeinflusst. Er begann mit der Glasmontage, dem Verschschmelzen von einzelnen Farbglasteilen. Auch die Gefäße von Volkhardt Precht, Otto Schindhelm oder Karin Nenz belegen die Vielfalt von Form- und Farbgestaltung.

Service: bis zum 26. Juni zu sehen, Di - So 10-17, Do 13-20 Uhr, (ab 15.4. Di - So 10-18,
Do 12-20 Uhr), Eintritt 8 Euro, ermäßigt 6 Euro

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