Frau Demmler feiert 20. Geburtstag

<strong>Dr. Margot Krempien</strong> mit drei Büchern aus ihrem aktuellen Programm<foto>Herbert Kewitz</foto>
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Dr. Margot Krempien mit drei Büchern aus ihrem aktuellen ProgrammHerbert Kewitz

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16. März 2010, 06:46 Uhr

Ribnitz | Mit regionalen Märchen, Reise- und Naturführern sowie Biographien von Mecklenburger Persönlichkeiten hat der Demmler-Verlag ein anspruchsvolles Programm im Angebot. Neuerscheinungen wie der Bildband "Nordseefunde" oder "Sagen und Geschichten von den Inseln Rügen und Hiddensee" werden jetzt auf der Leipziger Buchmesse (18.-21. 3.) vorgestellt.

Im März feiert der kleine, aber feine Verlag auch ein großes Jubiläum, sein 20-jähriges Bestehen ist für Verlagsgründerin Dr. Margot Krempien Anlass, Rückschau zu halten. "Es war immer mein heimlicher Traum, etwas mit Büchern zu machen", erinnert sich die promovierte Historikerin, die 1989 ihre Arbeit am Historischen Museum Schwerin aufgab und den Sprung ins kalte Wasser wagte.

Schon Anfang 1990 waren die Vorbereitungen abgeschlossen, im März gab Dr. Krempien die Verlagsgründung bekannt. Mit einer Biographie über den Schweriner Baumeister G. A. Demmler, die auf ihrer Doktorarbeit basiert, waren das erste Buch und zugleich der Name des Verlages gefunden. "Es herrschte damals eine wunderbare Aufbruchstimmung, in den Wendejahren erschien alles möglich", erinnert sie sich. Reiseführer und Bildbände über Mecklenburg waren kaum vorhanden, die ersten Publikationen fanden reißenden Absatz. Der Eine-Frau-Verlag hatte seine ideale Marktnische gefunden.

Als der Kanzler den Messestand besuchte

"Anfangs bin ich sogar mit einem VW-Bus losgefahren und habe auf Märkten meine Bücher verkauft, habe auch die Buchhändler persönlich besucht", erzählt die Verlegerin von der schwierigen Aufbauarbeit. Auch zur Frankfurter Buchmesse reiste sie, um dem kleinen Verlagshaus deutschlandweite Aufmerksamkeit zu verschaffen. "Mecklenburg war dort fast terra incognita, man hat mich mit Fragen bestürmt." Auch ihre persönliche Geschichte - die kühne Verlagsgründung war eine der ersten nach der Wende, noch dazu von einer Frau - verschaffte ihr Aufmerksamkeit. Dass Bundeskanzler Kohl ihren Messestand zweimal besuchte, hat auch nicht geschadet.

Mit den Jahren entstanden die bekannten Reihen, für die der Schweriner Grafiker Heinz Kippnick das Grundlayout und das bekannte D als Logo entwarf. "Als Verleger muss man den Markt beobachten, sehen, was gefragt ist", betont Margot Krempien. Reiseführer und Bildbände über Mecklenburg brachten bald auch die großen Verlage heraus, die Publikationen aus dem Demmler-Haus aber hatten das unverwechselbare Etwas, so dass sie für das Lesepublikum immer reizvoll blieben und jene Nachauflagen ermöglichten, die die "schwarzen Zahlen" in der Geschäftsbilanz sichern.

"Steine am Ostseestrand" wurde der Hit des Verlages, über 100 000-mal verkauft und immer noch gefragt. Aber auch die Naturreihe mit Bänden über Wildfrüchte, die Naturschutzgebiete, über Sanddorn und Holunder hat sich etabliert.

1998 machte die gelernte Buchhändlerin dann einen weiteren Traum wahr, sie eröffnete in Schwerin eine eigene Buchhandlung, nur mit Mecklenburgi-ca, mit gemütlicher Leseecke, die eigenen Bücher natürlich ebenfalls im Angebot. Sohn Matthias stieg mit ein ins Geschäft. Doch im Jahre 2001 musste "Frau Demmler", wie sie inzwischen - manchmal sogar ganz ernsthaft - von vielen Leuten genannt wurde, den Laden schließen. "Ende der 90er-Jahre wurde es eng auf dem Buchmarkt, die großen Verlage kamen mit Tourismustiteln, es gab viel Konkurrenz." Die Verlegerin stand vor der großen Frage, wie es weitergehen sollte. Zum Glück fand sie einen Geschäftspartner, der ihren Intentionen folgen wollte. Mit dem Einstieg von Dr. Lutz Gebhardt 2002 als Geschäftsführer der neu gegründeten Demmler Verlag GmbH konnte in Ribnitz-Damgarten neu durchgestartet werden. Mit seinem Karten-Verlag "grünes herz" in Ilmenau gibt es jetzt eine synergetische Zusammenarbeit. Die Verlagsleiterin kümmert sich weiter um Autoren, sichtet die eingesandten Manuskripte, bereitet Neuerscheinungen vor. Künstler-Biographien haben gute Tradition, erinnert sei an Jürgen Borcherts Buch über Heinrich Seidel, Brigitte Birnbaum über Fontane in Mecklenburg und über Ernst Barlach, Ditte Clemens über Marga Böhmer. Nun ist ein Buch von der bekannten Autorin Renate Seydel über die Schauspielerin Asta Nielsen und ihre Zeit auf Hiddensee in Vorbereitung. Auf der Leipziger Buchmesse wird "Frau Demmler" ab morgen schon mal neugierig machen auf die kleine literarische Kostbarkeit.

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