Künstlerische Leiterin Saskia Walter zurückgetreten : Filmriss beim Filmkunstfest

Steht erneut in der Kritik: Filmkunstfest-Chef Torsten Jahn
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Steht erneut in der Kritik: Filmkunstfest-Chef Torsten Jahn

Wenige Monate nach ihrer Berufung als Künstlerische Leiterin des Filmkunstfestes MV hat Saskia Walker die Beendigung ihres Vertrages zum Jahresende ausgesprochen und zugleich harsche Kritik am Geschäftsführer geübt.

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08. Dezember 2010, 08:36 Uhr

Schwerin | Nach dem Abschied von Hasso Hartmann hat das Filmkunstfest MV innerhalb kürzester Zeit erneut eine hochkarätige personelle Einbuße zu verkraften. Nach unserer Zeitung vorliegenden Informationen hat Saskia Walker am Montag dem Filmkunstfest-Aufsichtsrat ihren Rücktritt als Künstlerische Leiterin verkündet: Sie werde ihren zum 31. Dezember 2010 auslaufenden Vertrag nicht verlängern. Derzeit sei sie mit einem Bourn-Out-Syndrom krank geschrieben. Somit ist Stefan Fichtner derzeit alleiniger Künstlerischer Leiter.

Torsten Jahn, Geschäftsführer der FilmLand gGmbH, bestätigte gestern den Rückzug seiner Künstlerischen Leiterin. Auch der Chef des Aufsichtsrates der FilmLand MV, Gerd Schneider, sagte: "Es stimmt, sie will den neuen Vertrag nicht annehmen." Es sei derzeit "eine etwas unglückliche Situation", so Schneider.

Hintergrund: Die von Saskia Walker nach Informationen unserer Zeitung formulierten Gründe ähneln frappierend denen des langjährigen Festivalchefs Hasso Hartmann: das Vertrauensverhältnis zu Torsten Jahn sei mehr als gestört; unsachliche, sehr oft aggressiv und persönlich geäußerte Kritik des Geschäftsführers an der Arbeit von Mitarbeitern; persönliche Herabwürdigungen; das Schüren von Ängsten als Methode der Kommunikation in der FilmLand gGmbH; ebenso das Ausspielen von Mitarbeitern gegeneinander. Angeblich hat Walker gegenüber dem Aufsichtsrat auch unklare Kompetenzen innerhalb der FilmLand gGmbH kritisiert. Auf telefonische Nachfragen oder E-Mails reagierte die Filmexpertin Walker gestern allerdings nicht.

Was sagt der Kritisierte? "Diese Vorwürfe sind mir nicht bekannt, deshalb mag ich sie nicht kommentieren", so Filmkunstfest-Geschäftsführer Jahn. Die für das Festival verantwortliche FilmLand MV arbeite erfolgreich, das Filmfest 2011 sei "auf einem guten Weg". Erst vor wenigen Tagen hatte die FilmLand gGmbH noch die Verleihung des Landeskulturpreises an ihren langjährigen Künstlerischen Leiter Hasso Hartmann auch als Kompliment an die eigene Adresse gefeiert. Originalton Filmkunstfest: "Mit dem Kulturpreis des Landes (…) werde auch die Arbeit des ganzen Teams des Filmkunstfestes MV gewürdigt", hieß es in einer Mitteilung.

Team - oder Tollhaus? Saskia Walker rät angeblich dringend, den von weiteren Mitarbeitern der FilmLand gGmbH geäußerten Vorwürfen nachzugehen und auch Vorfälle aus der Vergangenheit neu zu bewerten.

Dr. Klaus Blaudzun, Geschäftsführer des Rostocker Instituts für Neue Medien, das auch das "Festival im Stadthafen" ausrichtet, zeigte sich gestern erschüttert über die Entscheidung von Saskia Walker. Dieser Schritt bestätige aber seinen Eindruck über den Schweriner Kollegen: "Torsten Jahn pflegt eine eisige, zynische Atmosphäre als Arbeitsstil, auch zu den anderen großen Festivals im Land, ignoriert z. B. Einladungen. Auch die kleineren Film-Festivals interessieren ihn im Grunde nicht. In meinen 20 Jahren in der Filmszene MV habe ich einen solchen Umgang noch nicht erlebt."

Aufsichtsrat-Chef Gerd Schneider dagegen wollte die angeblichen Gründe für Walkers Rückzug nicht im Detail kommentieren. "Ja, es gibt Reibungen, ja, es gibt Unklarheiten", so der ehemalige Chef des NDR-Landesfunkhauses. Das sei aber, so der Medienprofi mit Blick auf Hasso Hartmanns Weggang, "bei so einem Wechsel nicht ungewöhnlich". Allerdings gebe es nicht nur Findungsschwierigkeiten - sondern auch Findungsbedarf: "Da ist noch nicht sortiert, was sortiert sein muss."

Auch FilmLand-Aufsichtsrat Bernd Nottebaum, Amtsleiter für Wirtschaft in Schwerin, betonte, man könne jetzt nicht zur Tagesordnung übergehen: "Es stehen die Vorwürfe im Raum und ich bin dafür, dass sich der Aufsichtsrat schnell zusammensetzt." Schließlich sei "in fünf Monaten schon Filmfest".

Für das Filmkunstfest 2011 gebe es gar keinen Grund zur Sorge, betonte Torsten Jahn: "Wir haben als FilmLand-Gesellschaft gut gearbeitet und eine Reihe starker Marken etabliert. Wir werden so arbeiten, dass das nächste Filmkunstfest ein Erfolg wird."

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