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Filmfeststart mit Rolf Hoppe

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erstellt am 19.Apr.2012 | 09:02 Uhr

Schwerin | Rolf Hoppe, Herbert Grönemeyer und Nastassja Kinski - an einem Abend, an einem Ort. Mit mehr Starglanz kann kaum auf ein Filmkunstfest eingestimmt werden. Das Casino gestern Abend im Schweriner Verlagshaus unserer Zeitung war dementsprechend auch bis auf den letzten Platz gefüllt. Wenn auch nur einer der drei Stars livehaftig auf dem Podium Platz genommen hatte - Rolf Hoppe.

Die anderen beiden waren nach einer launigen und informativen Gesprächsrunde mit Chefredakteur Dieter Schulz in dem Spielfilm "Frühlingssinfonie" (1983) zu erleben. Nastassja Kinski als Pianistin Clara Wieck, Herbert Grönemeyer als der junge Komponist Robert Schumann, in den sich Clara unsterblich verliebt, was dem ehrgeizigen Vater Claras, dem Klavierlehrer Friedrich Wieck (Rolf Hoppe), ganz und gar nicht passt. Clara wurde dennoch Frau Schumann. Der Rest ist Musikgeschichte.

Vor dem Film informierte der Künstlerische Leiter des 22. Schweriner Filmkunstfestes (1. bis 6. Mai 2012) Stefan Fichtner über einige Höhepunkte des "erwachsen gewordenen" Festivals. "Wir zeigen in den drei Wettbewerben für Spiel-, Kurz- und Dokumentarfilme das Beste aus der deutschsprachigen Produktion eines Jahres", so Fichtner. Es ist dem Festivalteam gelungen, 15 Filmpremieren nach Schwerin zu holen.

Auch werden so viele prominente Künstler wie lange nicht im Festivalkino Capitol zu erleben sein. Gastland des Festivals ist in diesem Jahr Russland mit Klassikern und Filmerfolgen aus den vergangenen 20 Jahren. Erstmalig präsentiert das Filmkunstfest die Reihe "Die jungen Wilden" mit impulsiven, experimentellen Filmen, während im Wettbewerb, so Fichtner, eher die "gereiften Filme" zu sehen sein werden. Und der Ehrenpreis "Goldener Ochse" geht in diesem Jahr an den Schauspieler Otto Sander für sein Lebenswerk.

Otto Sander stand 1989 gemeinsam mit Rolf Hoppe für die Krimikomödie "Der Bruch" vor der Kamera. Beide Schauspieler, so Fichtner, sind Minimalisten, beide bringen immer ein Geheimnis in ihre Rollen ein.

Rolf Hoppe erinnerte sich gestern Abend gut an die Dreharbeiten zu diesem Film und erzählte auch, wie er nach dem Welterfolg von "Mephisto" 1981 wenig später in "Frühlingssinfonie" den Friedrich Wieck spielte. Nastassja Kinski, damals schon berühmt, sei eine bezaubernde Kollegin gewesen.

Zu "Mephisto", verriet Hoppe, haben ihn seine Kinder überredet, die auch einmal wie der vielgereiste Vater in einer großen Stadt wie dem Drehort Budapest Urlaub machen wollten.

Hollywood, so Hoppe, hätte nach diesem Riesenerfolg schon angerufen. Aber: "Ich war immer in der deutschen Sprache zu Hause, ich konnte nur deutsch spielen."

Natürlich kam das Gespräch auch auf die Defa-Indianerfilme, wo Hoppe in "Spur des Falken" und "Weiße Wölfe" den Schurken Bashan spielte, der schließlich von Gojko Mitic zur Strecke gebracht wurde. In der Schule seiner Tochter war Hoppe damals so verhasst, dass er auf einem Pioniernachmittag die Mitschüler davon überzeugen musste, "dass der Papi doch kein so arger Bösewicht war".

Das Reiten in den Indianerfilmen war für den passionierten Pferdeliebhaber kein Problem. Nach seiner Bäckerlehre hatte er als Kutscher gearbeitet und nach dem Schauspielstudium als Tierpfleger beim Zirkus Aeros.

Auf die Rolle des Schauspielers vor und nach der Wende angesprochen, bedauerte Hoppe, dass der Beruf nicht geschützt sei und machte einen Unterschied zwischen einem Schauspieler und einem Mediendarsteller, der vor allem mit der Kamera flirtet. "Ein Schauspieler aber", so Hoppe, "muss auf jeder Bühne zurechtkommen".

Trotz seiner 81 Jahre ist Rolf Hoppe noch immer im Fernsehen und im Kino präsent. 1995 gründete er das Hoftheater Dresden, "ein Theater der Nähe" in einem ehemaligen Bauernhof in Dresden-Weißig. Hoppe ist dort Theaterdirektor und steht hin und wieder auch selbst auf der Bühne. Damit sei ein Traum in Erfüllung gegangen, gestand Hoppe, der in einer Bäckerei mit kleiner Landwirtschaft groß geworden ist.

Im Schloss Weesenstein, das er den Gästen des Abends ans Herz legte, liest er seit 20 Jahren Balladen und Geistergeschichten, um zum Erhalt dieses Bauwerks bei Pirna beizutragen.

Nach dem kurzweiligen Gespräch sah sich Rolf Hoppe gemeinsam mit seinen 200 Fans den Film "Frühlingssinfonie" an und signierte im Anschluss noch lange sein Buch "Geträumtes Leben - gelebte Träume".

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