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Wolfgang Kohlhaase in Schwerin : Film ist zu Fuß um die Ecke

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase über das Geheimnis des Filmemachens, die DDR und sein Credo

svz.de von
erstellt am 27.Sep.2014 | 08:45 Uhr

Am kommenden Freitag wird der berühmte deutsche Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase (83) im Schweriner Capitol aus seinem Buch „Um die Ecke in die Welt – Über Filme und Freunde“ lesen und den Andreas-Dresen-Film „Sommer vorm Balkon, für den er das Drehbuch schrieb, zeigen. Holger Kankel sprach mit dem Künstler.

Herr Kohlhaase, wer ist wichtiger, der Drehbuchautor oder der Regisseur, der das Drehbuch verfilmt?

Kohlhaase: Beim Regisseur läuft beim Drehen alles zusammen. Er muss gemeinsam mit den Schauspielern die Geschichte auf den Punkt bringen. Auch wenn ein Drehbuch gut und gut spielbar ist, im Moment des Drehens muss es der Regisseur schaffen, dass die Geschichte vom Schauspieler sinnlich erfunden wird.

Wäre Ihr Leben drehbuchwürdig?

Jedes Leben ist vielleicht drehbuchwürdig. Tucholsky hat gesagt: „Jeder hat ja so recht.“ Ich liebe diesen Satz.

Wie ist es zu Ihrem Buch gekommen, es handelt sich ja nicht um eine klassische Autobiografie?

Kohlhaase: Der Filmhistoriker Günter Agde hat mich gefragt, ob er Texte von mir ineinem Buch herausgeben könne. „Gut, gerne“, habe ich gesagt. Eine Biografie könnte ich nicht mit links schreiben, man vergisst ja so viel und hat vielleicht auch eine Scheu davor, noch einmal zurückzublicken. Antrieb meiner Arbeit war immer die Neugier. Wie soll man neugierig sein auf Vergangenes?

Wann ist ein Film gut?

Wenn er mehr zeigt als wiedererkennbare Abbilder, sondern beim Publikum eine Erweiterung der Fantasie auslöst. Und wenn der Film über die zwei Stunden im Kino hinaus weiterwirkt.

In Ihrem Buch schreiben Sie, die DDR habe die richtigen Fragen gestellt, aber die falschen Antworten gegeben. Wie meinten Sie das?

Die DDR stand ja für größere Zusammenhänge, beginnend mit der Oktoberrevolution. Sie ist aus bestimmten Gründen auf die Welt gekommen und auch aus bestimmten Gründen gescheitert. Man könnte ja mal nachsehen, ob es diese Gründe noch gibt oder ob sie sich gar vergrößert haben.

Wie Brecht schrieb: „Der Vorhang zu und alle Fragen offen.“

Wie beurteilen sie neuere Kino-Entwicklungen wie die 3D-Technik?

Ach, ich kann mit all diesen Kino-Aliens nichts anfangen. Solche Filme sind manipulativ und beschränkt. Kinokunst stirbt ab zugunsten von Affekten. Film muss man nicht riechen. Als wir nach 1945 begannen, Filme zu machen, wollten wir nicht mehr in die Ateliers, dort saßen die alten Bescheidwisser. Unser Credo war: Kino ist nicht Pferd und Kostüm, Kino ist zu Fuß und um die Ecke.

Der große Wolfgang-Kohlhaase-Abend

„Um die Ecke in die Welt“ – Buchpremiere, Filmvorführung und Gespräch mit Wolfgang Kohlhaase in der neuen Reihe: „Filmkunstfest im Capitol“ SVZ,Capitol und Filmkunstfest MV präsentieren am Freitag, dem 3.10.2014 um 19.30 Uhr einen Abend mit Wolfgang Kohlhaase. Der  Drehbuchautor  spricht über Filme und Freunde und präsentiert sein druckfrisches Buch „Um die Ecke in die Welt“. Anschließend wird der Film „Sommer vorm Balkon“ (Regie Andreas  Dresen) gezeigt. 

Karten sind ab sofort an der Kasse  des Capitols erhältlich. Leser unserer Zeitung erhalten Karten zum Vorzugspreis von 15  Euro in allen  Kundencentern unserer Zeitung.

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