Festspiele MV : Familienfest mit Jazz und Krebsen

Begeisterten mit  ungewöhnlichen Jazz-Klängen: Quatuor Ebene und Gäste
1 von 3
Begeisterten mit ungewöhnlichen Jazz-Klängen: Quatuor Ebene und Gäste

Die Festspiele MV dankten ihren Förderern mit einem ausgefallenen Konzert - und bekamen noch einmal jede Menge Geburtstagsgeschenke

Karin.jpg von
24. August 2015, 12:00 Uhr

Beifall zwischen den Sätzen oder gar Szenenapplaus ist bei Klassik-Konzerten verpönt – und hat auch tatsächlich schon so manchen Solisten aus dem Konzept gebracht. Doch beim Festspielkonzert am Sonnabend in Ulrichshusen war alles anders. Hatten sich doch die Preisträger in Residence – das französische Streichquartett Quatuor Ebene – mit der Sängerin Stacey Kent, dem Saxofonisten Jim Tomlinson, dem Kontrabassisten Marlon Martinez und dem Schlagzeuger Richard Héry nicht nur ausgefallene Gäste eingeladen. Sie boten mit ihrer Wanderung von mozartscher Klassik bis zu Jazz und Pop von Miles Davis oder Sting auch ein ausgefallenes Programm.

Verblüfft, aber letztlich voller Begeisterung erlebte das Publikum eine ganz ungewöhnliche Art, nicht nur Streichinstrumenten, sondern selbst dem Schlagzeug mit Bögen und Fingern neue Töne zu entlocken. Und der faszinierenden Stimme der US-amerikanischen Jazz-Sängerin hätten nicht wenige gerne noch länger gelauscht.

Doch nicht nur das Konzertprogramm war ein Abschied von althergebrachten Regeln. Auch mit anderen ungeschriebenen Gesetzen wurde an diesem Abend, der den Sponsoren und Förderern der Festspiele vorbehalten war, gebrochen – zum Beispiel damit, dass man über Geld nicht spricht.

Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD), Schirmherr der Festspiele und, wo immer es seine Zeit zulässt, zusammen mit Gattin Britta begeisterter Konzertbesucher, konnte verkünden, dass von der Zustiftung des Landes im Jubiläumsjahr der Festspiele schon beinahe die Hälfte in Anspruch genommen worden ist. Bis zum Betrag von 250 000 Euro, so hatte Sellering im Juni in Aussicht gestellt, würde das Land jeden gespendeten Euro verdoppeln. 120 000 Euro seien bereits abgerufen worden. „Meine Bitte: Nutzen Sie den Endspurt. Machen Sie den Festspielen ihr ganz persönliches Geburtstagsgeschenk“, appellierte der Ministerpräsident an die Gäste – und stieß auf offene Ohren: 57 1 00 Euro kamen am Abend an neuen Spenden zusammen. Vielleicht auch, weil Intendant Markus Fein zuvor gescherzt hatte: „Wie oft meckern Sie über Ihre Steuererklärung? Heute können Sie dem Staat das Geld aus der Tasche ziehen.“ Finanzministerin Heike Polzin, die mit Tochter Maike nach Ulrichshusen gekommen war, trug’s mit Humor.

Fein dankte allen aus der großen Festspielfamilie, die dem Festival den Weg bereitet haben – „damals, als es noch keine Autobahnen gab“ ebenso wie heute. Der Gesamtetat des Klassikfestes in Höhe von 4,6 Millionen Euro werde zu 92 Prozent aus privaten Mitteln bestritten. Dass in diesem Jahr mit mehr als 80 000 ein neuer Besucherrekord angepeilt werde, trage zum tollen Gesamtergebnis bei. „25 Jahre nach ihrer Gründung sind die Festspiele MV vollends in der Champions League der Klassikfestivals angekommen“, so Fein voller Stolz.

Und das sollte am Sonabend denn auch gebührend gefeiert werden. Beim traditionellen Krebsessen im Anschluss an das Konzert war dann auch die alte Regel „Mit Fingern isst man nicht“ außer Kraft gesetzt. Wie anders sollte man den delikaten Schalentieren auch zu Leibe rücken. An langen Tischen vor dem Schloss von Alla und Helmuth von Maltzahn saßen Musikliebhaber und Wirtschaftsbosse, Politikgrößen, Medienmacher und Künstler dann bis in tief in die Nacht zusammen, um einen ungewöhnlichen Konzertabend ausklingen zu lassen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen