Premiere Fritz-Reuter-Bühne : Erwürgt, vergiftet und erschossen

Christoph Reiche und Tina Landgraf
Christoph Reiche und Tina Landgraf

Premiere der Krimi-Komödie „De acht Millionäre“ an der Schweriner Fritz-Reuter-Bühne

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04. Juni 2015, 14:44 Uhr

So blutrünstig wie in ihrer Krimi-Komödie „De acht Millionäre“ ist es wohl noch nie zugegangen bei der Schweriner Fritz-Reuter-Bühne. Sieben der besagten acht Millionäre in spe liegen im Laufe des Stückes tot auf der Bühne des Mecklenburgischen Staatstheaters herum: erschossen, erwürgt, vergiftet, erschlagen... Eine Leichendichte von fast Shakespeareschem Ausmaß. Aber so wollte es offenbar der französische Autor Robert Thomas, dessen Stück „Les Batards“ Ulrike Stern und Manfred Brümmer bearbeitet und ins Niederdeutsche übertragen haben.

Es geht ums Erben. Immer besonders heikel, wenn es Millionen sind, die sich mehrere Erben teilen sollen. Nachdem der legitime Haupterbe Jörg von Waldow (Christoph Reiche), von einem Pfeil getroffen, entseelt auf der Terrasse des feudalen Adelsitzes gefunden wird, kommen als Nacherben die illegitimen Halbgeschwister des frisch Verblichenen zum Zuge. Nach und nach trudeln sie am Tatort ein. Offenbar hat zumindest einer von ihnen einen finsteren Plan...
Stolpern doch der Kriminalhauptmeister Gräfner und Eva, die Verlobte des Ermordeten (Tina Landgraf), alle naselang über eine weitere Leiche. Gräfner (Jens Tramsen) macht sich ans Ermitteln und tut sich schwer. Denn so viele Morde auf einmal hat wohl selbst Inspektor Barnaby im als besonders mordlustig geltenden englischen Midsomer nur selten aufzuklären.

Regisseur Jörg Schade inszenierte diese Geschichte, die einem doch irgendwie bekannt vorkommt, in einem rasanten Tempo und setzt dabei vor allem auf einen Darsteller: Christoph Reiche. Der verkörpert nämlich nicht nur den früh dahingemeuchelten Jörg, sondern auch dessen Halbgeschwister, die einer nach dem anderen ermordet werden – und die spielt er wirklich grandios.

Reiche macht aus jeder dieser Figuren eine unverwechselbare Person: den zwielichtigen Notar Schaller, den Hallig-Pastor Kollwitz, den versoffenen Ex-Soldaten Palu, den tuntigen „Künstler“ Oskar oder den Rocker und Zuhälter Tonio. Auch in die Rolle von zwei Frauen schlüpft Reiche, in die der Halbweltdame Julia und die der bigotten, geldgierigen Frau Sandau. Jedem gibt er auch eine individuelle Körpersprache und Stimme. Er singt eine eigene Version eines alten Schlagers und stirbt sieben verschiedene Tode. Fast im Minutentakt wechselt Reiche von einer Rolle in die andere. Zum Beispiel geht er als Oskar nach rechts ab, und kommt Sekunden später von links als hinkender Trunkenbold Palu wieder auf die Bühne. Unterstützt wird er bei diesen schnellen Wechseln von den stimmigen Kostümen, die Giselher Pilz entworfen hat, und der Crew hinter der Bühne.

Im von Norbert Drossel entworfenen Bühnenbild des noblen Adelsdomizils der Waldows waren bei der Premiere am Dienstag mit von der Partie Laura Haase und Uwe Lüthke als Polizisten sowie Roman Wergow als... (das darf ich nicht verraten). Wer mehr wissen will, sollte sich „De acht Millionäre“ durchaus mal im E-Werk ansehen.
 


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