kunsthale rostock : Erneuerer der Leipziger Schule

Als Vertreter der Leipziger Schule und Lehrer der Neuen Leipziger Schule würdigt die Kunsthalle Arno Rink mit einer Werkschau. Zu sehen ist unter anderem das „Musikstilleben“ (1980).
Als Vertreter der Leipziger Schule und Lehrer der Neuen Leipziger Schule würdigt die Kunsthalle Arno Rink mit einer Werkschau. Zu sehen ist unter anderem das „Musikstilleben“ (1980).

Ab Sonnabend wird Arno Rink mit einer Werkausstellung gewürdigt

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25. Juli 2015, 08:00 Uhr

„Ich kann doch nicht den ganzen Tag fasziniert von mir sein“, erwidert Arno Rink auf die Lobeshymnen, die Kunsthallen-Kurator Dr. Ulrich Ptak auf den Maler angestimmt hat. „Die Funktion, die man mir zuschreibt, ist mir fremd, sie wird mir von außen zugetragen“, fügt der Künstler hinzu. Doch Ptak lässt keine Widerrede zu: „Arno Rink gehört zu den ganz großen Erneuerern der Leipziger Kunst. Er selbst hat mit seiner Malerei dazu beigetragen.“ Und nicht zuletzt habe er als Dozent, Rektor und Spiritus Rector der Hochschule für Grafik und Buchkunst den Nährboden dafür bereitet, dass eine neue Künstlergeneration sich von Traditionen entfernte. Zu Rinks Schülern gehörten Neo Rauch und Michael Triegel.

Heute Abend eröffnet in der Rostocker Kunsthalle eine Werkschau mit mehr als 90 Gemälden und Zeichnungen von Arno Rink. Sie wird bis Mitte Oktober zu sehen sein und spannt den Bogen durch alle Jahrzehnte des künstlerischen Schaffens Rinks – von den Anfängen bis zu ganz aktuellen Arbeiten. Leihgaben von mehr als 20 Institutionen und Privatsammlern hängen in den Räumen der Kunsthalle, die letztmalig 1983 Arbeiten von Rink zeigte. „Als einziger Museumsneubau der DDR will die Kunsthalle als eine ihrer Profillinien wichtige Kunstpositionen dieser Zeit in den Fokus rücken“, sagt Kunsthallen-Direktor Uwe Neumann.

Für Rink ist die Ausstellung „eine spannende Begegnung mit Bildern, die man lange nicht gesehen hat“. Ein Macher, so Rink, solle sich zurückhalten, nicht versuchen, seine Arbeit zu begründen. „Es ist nichts schlimmer, als wenn der Meister sein Bild erklärt und den Betrachter lahmlegt“, sagt der Maler. Er wolle so wenig wie möglich sagen. „Jeder ist in der Lage, mit den Bildern umzugehen – selbst wenn er sie ablehnt.“ So berichtet Rink von der Frau, die ihm einmal schrieb, eines seiner Gemälde habe ihr geholfen, ihren Anteil am Scheitern ihrer Ehe zu begreifen. Bis heute habe er nicht verstanden, wie das Bild dabei hatte helfen können, gibt Rink zu. Aber das sei auch nicht wichtig. Rink fordert den emanzipierten Rezipienten seiner Kunst. „Es ist alles erlaubt“, ermuntert er. „Ich bin als Maler keine moralische Instanz, will niemanden verbessern und nicht die Welt erklären.“

Ein Ansatz, den er auch während seiner Lehrtätigkeit in Leipzig verfolgte. „Ich habe meine Schüler einfach machen lassen, habe zugesehen, wie sie arbeiten, wenn sie formulieren. An ihren starken Stellen habe ich angesetzt, aber ihnen nie gesagt, was sie tun sollen“, erklärt Rink.

Im September feiert der in Leipzig lebende Maler seinen 75. Geburtstag. Rink war unter anderem Schüler von Werner Tübke. Von 1987 bis 1994 war er Rektor der Leipziger Kunsthochschule und führte die traditionsreiche Einrichtung so durch die Wende. Eine schwierige Zeit, wie Rink heute sagt. Zwar sei er froh gewesen, weiter als Rektor arbeiten zu können, aber „künstlerisch war ich in hohem Maß verunsichert“. Er habe mehr als vier Jahre gebraucht, um herauszufinden, „was an meiner Malerei ist der DDR geschuldet und was ist Rink“.

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