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Kunstraum Heiddorf : Erdenschwer und magisch

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Kunstraum Heiddorf zeigt einen Querschnitt aus dem Werk des Brandenburger Bildhauers Klaus Hack

Zwei Leinwände mit schwarzen, fast schamanistisch wirkenden Zeichen, Linien, Umrissen dominieren diese Ausstellung. Vor den Leinwänden steht ein gut zwei Meter hoher bearbeiteter und teils schwarz gefärbter Baumstamm. „Fünf Köpfe“ heißt diese Arbeit des Bildhauers Klaus Hack.

Derzeit ist eine große Auswahl seiner Arbeiten im Kunstraum Heiddorf bei Neu Kaliß (Kreis Dömitz) zu sehen. „Die Schau spannt den Bogen von frühen Arbeiten Klaus Hacks zu ganz aktuellen Werken“, sagt Galerist Matthias Fuhrmann. Klaus Hack, bekannt als Holzbildhauer, wird auf diese weise auch in anderen Darstellungsformen präsent.

Zum Beispiel im Holzschnitt. Denn der Ahorn-Baumstamm vor den beiden Leinwänden aus dem Jahr 1996 ist eigentlich ein Druckstock. Das Holz wird mit Farbe eingestrichen und mit der Leinwand bespannt. Dann wird die Farbe abgerieben, eine aufwändige, relativ lang andauernde Arbeit. Das Ergebnis beeindruckt umso mehr – und es zeigt, wie sehr sich Klaus Hack, 1966 geboren, treu geblieben ist. Denn diese Köpfe, tanzende, schlangenartige Gestalten, finden sich auch in seinen anderen Werken.

Besonders prägnant sind dabei drei Reliefs, die, obwohl nicht als einheitliches Werk zwischen 2008 und 2014 geschaffen, als Triptychon in der Ausstellung gehängt sind. Drei Frauenfiguren bestimmen diese Reliefs, jeweils angetan mit ausuferndem Kopfschmuck oder Reifröcken, angelehnt an sakrale Kunst ebenso wie an naive, heidnische Symbolik. „Babel ist ein Thema, das mich in den letzten Jahren sehr interessiert hat“, sagt der Künstler, der sich vor Jahren schon im Brandenburgischen angesiedelt hat. Aus den fein gearbeiteten und schlank nach oben strebenden Babel-Türmen entwickelten sich die „Schreikleider“, ebenso detailreich gearbeitete Reifröcke um Frauenfiguren. Diese Wesen sind häufig durch überlange Zöpfe mit dem Boden verbunden, ihre Köpfe sind durch Helme verhüllt oder verfügen nur über aufgerissene Münder oder monströs vergrößerte Ohren. Den Eindruck der Sakralkunst verstärken zudem die zahlreichen, dreiteiligen Altäre, in denen Hack seine typischen Motive als zusammenklappbare Reliefs inszeniert.

Die Interpretation dieser Figuren als Schmerzgestalten, als gepeinigte Kreaturen teilt der Künstler nur bedingt. „Das sollen keine leidenden Personen sein“, sagt Klaus Hack. Er verweist auf „freundlichere Figuren“ wie „Vogelkleid“, eine Frauenfigur mit gefällig wallendem Rock.

Allerdings bestätigen auch die Zeichnungen und Holzschnitte mit ihren düsteren Farben und nicht selten die an Kreuzigungsszenen erinnernden Darstellungen den eher erdschweren Gestus der Arbeiten, der gleichzeitig den Reiz der Werke ausmacht: Hier geht es um erste und letzte Dinge, und dabei immer auch um die Möglichkeiten der Bildhauerkunst, durch Reduktion, mit Einfallsreichtum und mit grob geweißtem Holz immer wieder Eigenständiges und Nie-Gesehenes zu schaffen.

So entwickelt Hack auch in der Zweidimensionalität seine eigenwillige Motivwelt weiter. „In erster Linie bin ich Holzbildhauer“, sagt er. „Aber ich wollte mich auch weiterentwickeln.“ So begann er in den 90er-Jahren mit dem Holzschnitt zu experimentieren, ab 2001 kamen die Zeichnungen dazu. Sie dienen nicht als Vorlage für später in Holz ausgeführte Werke, sondern stellen neben Hacks Skizzen und Bildhauerzeichungen eigenständige Werke dar – Aquarelle auf Papier oder Karton. Eine Erholung von der physisch anspruchsvollen Arbeit am Holz seien diese Papierarbeiten jedoch nicht, sagt der Künstler. „Da muss man sich anders anstrengen.“

Auf dem Papier oder im Raum entfaltet sich so eine Formenwelt von hohem Wiedererkennungswert. Klaus Hack, der in Nürnberg und in Berlin an der Universität der Künste studierte, ist mittlerweile auch international gefragt, seine Arbeiten werden in ganz Europa gezeigt.

Service

Bis 26. Oktober, Kunstraum Heiddorf, Ernst-Thälmann-Straße 6, 19294 Neu Kaliß, www.kunstraum-heiddorf.de
Geöffnet Donnerstag bis Sonntag 13 bis 18 Uhr.


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